Behörden lockern rigide Corona-Maßnahmen

Mit Alltag hat Shanghais neue Normalität wenig zu tun

Eine Frau mit Gesichtsschutz und Maske geht an mit Absperrband verbarrikadierten Geschäften vorbei. Die Behörden in Shanghai wollen am Mittwoch (01.06.2022) einige wichtige Schritte unternehmen, um die größte Stadt Chinas nach der zweimonatigen Corona-Absperrung wieder zu öffnen, die die Wirtschaft des Landes abgewürgt und Millionen von Menschen weitgehend in ihren Häusern eingeschlossen hat.

Eine Frau mit Gesichtsschutz und Maske geht an mit Absperrband verbarrikadierten Geschäften vorbei. Die Behörden in Shanghai wollen am Mittwoch (01.06.2022) einige wichtige Schritte unternehmen, um die größte Stadt Chinas nach der zweimonatigen Corona-Absperrung wieder zu öffnen, die die Wirtschaft des Landes abgewürgt und Millionen von Menschen weitgehend in ihren Häusern eingeschlossen hat.

Allmählich kehren die Menschen wieder zurück: Auf den Straßen Shanghais bieten Hobby-Friseurinnen und -Friseure ihre Dienste unter freiem Himmel an, Influencerinnen und Influencer laufen mit ihren Selfie-Kameras durch die Gassen der französischen Konzession und auf den Fußwegen stoßen junge Expats wieder mit Bierdosen an.

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Nach zwei Monaten brutalem Horror-Lockdown kehrt in Chinas größter Metropole wieder so etwas wie Normalität zurück. Für den 1. Juni haben die Behörden schließlich eine Lockerung der rigiden Maßnahmen versprochen, und zumindest schrittweise halten sie ihr Versprechen: Die Busse und U-Bahnen fahren ab Mittwoch wieder, auch einige Supermärkte öffnen ihre Pforten. Doch um diese zu betreten, müssen sich die Bewohnerinnen und Bewohner auch weiterhin mehrmals die Woche zum PCR-Test anstellen: Ohne negatives Ergebnis innerhalb von 72 Stunden ist man vom öffentlichen Leben vollkommen ausgeschlossen.

Lockdown lässt Narben in der Psyche

Mit einem Alltag, wie er vor der Pandemie gang und gebe war, hat Shanghais neue Normalität also reichlich wenig zu tun. Im Vergleich zu den vergangenen Wochen mutet sie jedoch geradezu paradiesisch ab: Ab dem 1. April wurden die meisten der 26 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner in ihre Wohnungen eingeschlossen und sämtliche Infizierte in Massenunterkünften mit Pritschenbetten verschleppt. Wer auf dem Höhepunkt der Ausgangssperren keine Vorräte angehäuft hatte, musste den Gürtel enger schnallen: Über Wochen waren ganze Bezirke von den spärlichen Essensrationen der Regierung abhängig.

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Größter Lockdown der Welt: Chinesische Regierung verteidigt strikten Corona-Kurs

WHO-Chef Tedros Ghebreyesus hatte am Dienstag gesagt, dass Chinas Null-Toleranz-Politik im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Virus nicht nachhaltig sei.

Vergessen sind ebenfalls nicht die furchtbaren Schicksale, die sich ausgerechnet in Chinas wohlhabendster Stadt ereigneten: Diabetespatientinnen und -patienten, die auf offener Straße krepierten, da ihnen der Zutritt zu den Krankenhäusern wegen fehlender PCR-Tests verwehrt wurden. Hunde, die von Seuchenschutzarbeitenden aus Angst vor einer Übertragung des Virus gekeult wurden. Oder die unzähligen Kleinkinder, die sich mit dem Virus infizierten – und unter Zwang von ihren Eltern getrennt in Corona-Stationen verfrachtet wurden.

In der kollektiven Psyche hat jene Zeit tiefe Narben hinterlassen. Doch nach außen soll daran nichts mehr erinnern: Die Stadtregierung hat nun Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner angeheuert, um die Blumenbeete in den Prachtalleen neu anzupflanzen und das Unkraut entlang der Verkehrsstraßen zu beseitigen. Die Nachbarschaftskomitees bauen die Gitterzäune vor den Wohnsiedlungen ab und Restaurantbesitzerinnen und Restaurantbesitzer putzen ihre Fensterfassaden blank.

China hält an „Null Covid“ fest

Bis Ende Juni soll es schrittweise mit den Öffnungen weitergehen – und laut Plan sämtliche Maßnahmen fallen. Doch ob es wirklich dazu kommt, ist mehr als fraglich: Denn auch wenn die Gesundheitsbehörden in der vergangenen Woche außerhalb der Quarantänegebiete nur mehr eine Handvoll Infektionen in Shanghai registriert haben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das Virus wieder ausbreiten wird. Covid wird nicht verschwinden, doch die Staatsführung wird an ihrer dogmatischen „Null Covid“-Strategie weiterhin festhalten.

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Dabei hat diese in den letzten Monaten für einen historischen Wirtschaftseinbruch gesorgt, der ähnlich drastisch ausfiel wie während der ersten Welle 2020: Von Industrieproduktion über Binnenkonsum deuten alle Indikatoren auf eine temporäre Rezession hin. Doch während vor zwei Jahren die ökonomische Erholung rasch erfolgte, ist der Aufwärtstrend seit diesem Mai nur sehr zögerlich. China, der einstige Pandemie-Gewinner, ist unlängst zum Corona-Sorgenkind geworden.

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