Kommt bald der Superimpfstoff gegen alle Varianten?

Ein Wissenschaftler arbeitet an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 (Symbolbild).

Ein Wissenschaftler arbeitet an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 (Symbolbild).

Braucht es nach Omikron-Welle und Boosteroffensive weitere Impfungen – und wenn ja, welche und für wen? Geht es um die Impfpflicht, ist diese Frage entscheidend für die aktuelle politische Debatte. Aber auch Forschende fragen sich, was das Virus wohl als Nächstes vorhat und welche Impfstoffe Corona zukünftig am besten in Schach halten.

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Denn eines ist klar: Das Virus wird bleiben, immer wieder Menschen krank machen, sich in Form von Varianten weiter verändern – wenn auch wahrscheinlich irgendwann weniger aggressiv als derzeit. Pharmaunternehmen und Forschungsverbünde tüfteln deshalb an neuen Impfstoffen. Nur was ist die richtige Strategie?

Die Hersteller Biontech und Moderna haben angekündigt, ihre Vakzine vorerst auf jeweils neue Varianten anpassen zu wollen. Im Fall von Omikron könnten theoretisch bereits Ende März erste Dosen bereitstehen. Der große Nachteil: Entwickelt sich das Virus weiter, hinkt die Anpassung zeitlich hinterher. Die Winterwelle läuft wahrscheinlich schon aus, wenn die neuen Stoffe ankommen.

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Forschende verfolgen deshalb noch einen anderen Ansatz. Sie wollen einen Universalimpfstoff entwickeln. Der große Vorteil: Nach der Impfung soll man direkt vor sehr vielen Corona-Varianten auf einmal geschützt sein. Womöglich auch vor solchen, die aktuell noch gar nicht in der Welt zirkulieren. Vielleicht sogar vor dem nächsten Virus mit pandemischem Potenzial.

Institut der US-Armee forscht zu Corona-Universalimpfstoff

Das Vorhaben ist ambitioniert, die Forschung dazu steht noch ganz am Anfang. Aber immerhin: Eine erste klinische Studie zu so einem Supermittel ist inzwischen am Walter Reed Army Institute of Research in den USA angelaufen, unterstützt von der US-Armee. Das neu entwickelte Vakzin basiert auf einer Technologie mit Nanopartikeln und zählt zur Klasse der Proteinimpfstoffe. Dazu zählt beispielsweise auch der jüngst von der EU zugelassene Novavax-Impfstoff, der ab wahrscheinlich Ende Februar auch in Deutschland verimpft werden kann.

Wie aus einem Bericht des Nachrichtenportals „Defense one“ von Ende Dezember hervorgeht, wird das Vakzin bereits am Menschen getestet und soll gegen mehrere Varianten inklusive Omikron wirken. Das Projekt befinde sich aktuell in Phase eins. Die Untersuchungen finden noch in sehr kleinem Rahmen statt, zwei weitere Phasen mit weit mehr Probanden stehen noch aus. Dafür braucht es Zeit. Man müsse in einem Real-World-Setting verstehen, wie der Impfstoff wirkt, wird Kayvon Modjarrad, Direktor für Infektionskrankheiten am Institut, zitiert. „Bei einer viel größeren Anzahl von Menschen, die bereits mit etwas anderem geimpft wurden oder schon krank waren.“

Nur Experimente mit Primaten liefern erste Hinweise darauf, dass das Mittel vielversprechend sein könnte. Eine Ende Dezember in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie konnte nachweisen, dass Rhesusaffen nach der Gabe des Mittels ausreichend Antikörper neutralisieren konnten und nach einer Corona-Infektion weniger Virus im Körper hatten. Was der Impfstoff bei Menschen bewirkt, ist allerdings noch unklar. Daten aus bisherigen Untersuchungen wurden noch nicht veröffentlicht.

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Ein Impfstoff gegen Sars, Mers, HIV und Grippe? Mehr Forschung ist nötig

Es gibt einige weitere Tierexperimente, die zeigen, dass solche Universalimpfstoffe grundsätzlich denkbar sind. Ein Forschungsteam um David Martinez von der University of North California hatte beispielsweise einen ersten Prototyp eines Vakzins an Mäusen getestet, das vor Sars-CoV-2 und weiteren Varianten schützen sollte. Verschiedene Varianten des Coronavirus konnten auf einmal abgedeckt werden. Die Ergebnisse wurden im August in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht. So ein Supermittel gegen gleich mehrere Virenstämme zu entwickeln, ist also theoretisch denkbar.

Einfach ist es allerdings nicht, wenn sich der Erreger schnell verändert. Das zeigt die Geschichte der Impfstoffforschung. Ein Beispiel: Bei Grippeimpfstoffen suchen Forschende seit mehr als 20 Jahren nach länger nutzbaren Vakzinen, die dann nicht mehr jedes Jahr erneut auf zirkulierende Varianten angepasst werden müssten. Influenzaviren verändern sich besonders schnell, die Impfstoffe halten selten länger als eine Saison. „Es gibt bei Viren eine ständige Evolution“, erklärte der Biontech-Chef Ugur Sahin dem Science Media Center (SMC) noch im Februar vergangenen Jahres. „Die Natur wird immer gegen universelle Impfstoffe arbeiten.“

Wir brauchen dringend universelle Coronavirus-Impfstoffe.

Aus einem „Nature“-Bericht, verfasst von Forschenden um Anthony Fauci

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Trotzdem pochen Experten und Expertinnen seit Pandemiebeginn darauf, mehr zu solchen Ansätzen zu forschen. Vor allem, seit das Coronavirus noch schneller als zu Beginn der Krise gedacht mutiert. Allein 2021 entwickelte sich die besorgniserregende Variante Alpha, wurde dann von Delta und schließlich Omikron abgelöst. Bereits Anfang Februar vor einem Jahr forderten angesichts neu kursierender Mutanten der Immunologe Dennis Burton und der Kardiologe Eric Topol in einem Beitrag in der Fachzeitschrift „Nature“ alternative Ansätze zur Vorbereitung auf Pandemien. Ihre Vision: eine spezielle Klasse schützender Antikörper gegen viele verschiedene Stämme verwandter Viren wirken lassen – zum Beispiel HIV, Influenza und Corona. Um solche Impfstoffe zu entwickeln, brauche es aber „eine Investition in die Grundlagenforschung“. Sprich: mehr Geld.

Auch jetzt fehlt es offensichtlich noch an breiter Infrastruktur für die Forschung. „Wir brauchen dringend universelle Coronavirus-Impfstoffe“, mahnten Wissenschaftler um den US-Immunologen Anthony Fauci in einem vor wenigen Wochen in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Beitrag. In absehbarer Zeit könnten Coronaviren auftauchen, die auf noch andere Weise übertragbarer und tödlicher sein könnten. „Wir müssen daher unsere Bemühungen in der Coronavirus-Vakzinologie stark beschleunigen“, heißt es im Beitrag. Das habe jetzt Priorität.

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