Grenzen der Forschung

Menschliches Bewusstsein: Wieso es immer noch so rätselhaft ist

Dem Bewusstsein sind Hirnforscher und ‑forscherinnen mit neurowissenschaftlichen Methoden auf der Spur. Das hat aber auch Grenzen.

Dem Bewusstsein sind Hirnforscher und ‑forscherinnen mit neurowissenschaftlichen Methoden auf der Spur. Das hat aber auch Grenzen.

Überrascht werden, weil etwas Unvorhergesehenes passiert. Hunger und Durst spüren. Schmerz aushalten, Lust fühlen. Sich verlieben. Traurig oder melancholisch sein, weil man sich gestritten hat. Solche Empfindungen, Überzeugungen und Gedanken sind mentale Zustände. Sie gehören zum eigenen Bewusstsein. Und das steuert im Alltag ganz automatisch unser Verhalten. Jeder und jede kennt das. Trotzdem gibt das Bewusstsein Rätsel auf. Wie entsteht es? Wo wohnt es? Wie erzeugt das menschliche Gehirn solche Zustände?

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Philosophen und Philosophinnen tüfteln schon seit der Antike an Erklärungen. Trotzdem stehen sie bis heute vor einem Dilemma. Einerseits seien uns wenige Dinge so vertraut, wie das bewusste Erleben von Wahrnehmungen oder das bewusste Schlussfolgern, schreibt etwa der deutsche Denker Thomas Metzinger in der „Enzyklopädie der Philosophie“. „Andererseits kennen wir kaum ein Phänomen, dessen Beschreibung und Erklärung vergleichbare Schwierigkeiten bereitet.“ Alle Beschreibungen wesentlicher Merkmale von Bewusstsein seien kontrovers. Sprich: Es gibt keine allgemein akzeptierten Theorien, Experimente oder Beobachtungen, die das Bewusstsein definieren und erklärbar machen. Unser Verstand kommt an seine Grenzen. Denn das Bewusstsein ist vor allem eines: subjektiv.

Unser Bewusstsein: auf den Spuren neuronaler Netzwerke

Seit wenigen Jahrzehnten sind dem Bewusstsein nun aber auch Neurowissenschaftler und Neurowissenschaftlerinnen auf der Spur. Im Gepäck haben sie naturwissenschaftliche, empirische Methoden. Sie wollen unsere mentalen Zustände messbar machen. Dabei helfen unter anderem moderne Bildgebungstechniken wie die Kernspintomografie. Man weiß inzwischen beispielsweise, dass verschiedene Teile des Gehirns unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Dass im Frontallappen Bewegungen koordiniert werden. Dass das Mittelhirn wichtig für Schmerzempfindungen ist. Und dass das Zwischenhirn Informationen filtert und entscheidet, ob diese bewusst erlebt werden – oder eben nicht.

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Einzelne Bewusstseinszustände können auch anhand messbarer Hirnaktivitäten registriert werden. Also: In welchen neuronalen Netzwerken im Kopf springen welche Nervenzellen hin und her, wenn ich mir beispielsweise den kleinen Zeh an der Bettkante stoße? Fachleute sprechen dabei von „neuronalen Korrelaten des Bewusstseins“.

Trotz solcher Fortschritte bleiben aber viele Fragen offen. Wie genau entsteht das Bewusstsein, wie arbeitet und speichert es Erfahrungen ab? „Bis heute wissen wir eigentlich gar nicht richtig, wie das Gehirn funktioniert“, sagt der Neurochirurg Peter Vajkoczy von der Berliner Charité. „Gedächtnis, Antrieb, Emotionen – wie das alles miteinander verschaltet ist, kann man bislang nur erahnen.“ Nur rund 20 Prozent der Funktionsweisen des Gehirns hätten Forschende inzwischen wirklich verstanden. Und deshalb würden viele seiner Patienten und Patientinnen bei komplexen Hirn-OPs auch im Wachzustand operiert. Damit sie selbst davon berichten können, ob sie noch alles regulär erleben. Eine Maschine kann das objektiv nicht sichtbar machen. Und vielleicht ist das auch die naheliegendste Definition: Am Ende kann man das eigene Bewusstsein nur selbst wirklich spüren und erfahren.

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