Modellierer Schuppert: Höchstinzidenz bei aktueller Testkapazität bei maximal 700

Ein positiver Corona-Schnelltest (l.) liegt auf einem Tisch neben einem Corona-Schnelltest, der schwach eine positive Linie hat. Frankfurt hat als erster Kreis in Hessen eine Sieben-Tage-Inzidenz von Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner von 1000 übersprungen.

Ein positiver Corona-Schnelltest (l.) liegt auf einem Tisch neben einem Corona-Schnelltest, der schwach eine positive Linie hat. Frankfurt hat als erster Kreis in Hessen eine Sieben-Tage-Inzidenz von Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner von 1000 übersprungen.

Andreas Schuppert ist Modellierer an der RWTH Aachen. Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) rechnet er vor, wieso Deutschland schon bald an die Grenze der Messbarkeit der Inzidenz stoßen wird. Gäbe es diese Grenze nicht, läge der Messwert für die Pandemie laut Schuppert im Peak Mitte Februar bei rund 1500.

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Wenn die Labor- und damit die Testkapazitäten in Deutschland ausgeschöpft sind, haben wir dann eine gedeckelte Höchstinzidenz in Deutschland?

Ja, das ist leider zu erwarten. Wir haben im Moment eine Positivrate von 25 Prozent. Das ist vergleichsweise hoch und sie wächst ja seit Ende des letzten Jahres stetig. Das deutet darauf hin, dass wir eine zunehmende Dunkelziffer haben. Bei jetzt noch knapp 15 Prozent Mehrkapazitäten bei den Testungen und gleichbleibender Positivrate ergibt sich daraus eine Höchstinzidenz für Deutschland von maximal 680 bis 700. Alles andere würde dann auf Kosten einer noch höheren Positivrate gehen. Das würde bedeuten, dass man dann wahrscheinlich eine noch höhere Dunkelziffer hat.

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Helfen uns da nur mehr Tests, oder ist es am Ende irrelevant, ob die Inzidenz bei 500, 1000 oder 1500 liegt?

Nein, das ist schon relevant. Wir sind heute bei einer Inzidenz von 640 (Stand Donnerstag, 20.1.22, Anm. d. Red.). Bei gleichbleibenden Größenordnungen und der Restkapazität von 15 Prozent können wir die Inzidenz nur bis 700 halbwegs zuverlässig melden. Man kann erwarten, dass dieses Szenario spätestens nächste Woche eher schon vorher erreicht sein wird und ab dann sind wir de facto blind, wie die Dynamik aussieht. Die Hospitalisierungsinzidenz wird uns da nicht helfen, da sie einen sehr großen Zeitversatz zur Infektion und eine hohe Dunkelziffer hat. Auch die Daten der Intensivstationen eignen sich bei Omikron nicht zum Monitoring, da ein glücklicherweise viel geringeres Risiko für sehr schwere Verläufe besteht als noch bei Delta, sodass auch diese Zahlen die Infektionsdynamik nicht zuverlässig abbilden. Helfen würde nur eine Änderung der Teststrategie, sodass PCR-Tests vorzugsweise für Ersttestungen genutzt werden, oder die Politik schafft es, weitere Testkapazitäten zu schaffen.

Gesundheitsminister Lauterbach hat gesagt, Mitte Februar sind wir am Peak der aktuellen Omikron-Welle angekommen. Angenommen, wir verfügen über ausreichende Testkapazitäten: Bei welcher Inzidenz würden wir denn dann in Deutschland stehen?

Das ist natürlich immer ein bisschen schwer zu sagen. Wenn wir es vergleichen mit Dänemark, Großbritannien und Frankreich, dann könnte man sagen, dass der Peak bei einer Inzidenz von etwa 2000 liegen dürfte. Ich bin da etwas optimistischer. Wir sehen ja, in Deutschland ist Omikron sehr unterschiedlich verbreitet gewesen. Wir hatten ja sehr früh Omikron im Norden, in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein. Da deutet sich an, dass dort der Peak vielleicht schon erreicht worden ist. Dort lag er bei knapp unter 1500. Das ist eine Hoffnung, die man haben darf. Eine Garantie kann man dafür aber natürlich nicht abgeben. Ob sich das auf andere Bundesländer übertragen lässt? Fakt ist mit Sicherheit, dass die Omikron-Welle in den anderen Teilen, in Nordrhein-Westfalen oder im Süden und auch am Ende im Osten ankommen wird. Allerdings glaube ich, dass die Gesamtinzidenz für Deutschland am Ende tendenziell unter 1500 liegen könnte, wenn wir Glück haben und wenn wir dann diese für Deutschland spezifische Obergrenze überhaupt messen können.

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