RKI-Modellierungen: Corona-Impfungen von Kindern haben kaum Einfluss auf vierte Welle

Eine Krankenschwester verabreicht einem jungen Mädchen eine Corona-Impfung.

Eine Krankenschwester verabreicht einem jungen Mädchen eine Corona-Impfung.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Corona-Impfung nun für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren, unabhängig davon, ob sie Vorerkrankungen oder ein hohes Infektionsrisiko haben. Die aktualisierte Impfempfehlung des Expertengremiums, das am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist, ist am Donnerstag im Epidemiologischen Bulletin (33/2021) erschienen.

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Darin beschreibt die Stiko auch, welchen Effekt die Impfungen von Minderjährigen auf den weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens haben könnten. Sie kommt zu dem Ergebnis:

Die Impfung von Kindern und Jugendlichen (zwölf bis 17 Jahre, ohne Vorerkrankung) hätte ohne Verbesserung der Impfquoten in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen keinen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf der bevorstehenden vierten Welle.

Modellierungen sind mit Unsicherheiten behaftet

Die Modellierungen des RKI, auf die sich die Stiko bezieht, berücksichtigten nicht nur Faktoren wie das Alter, sondern auch den Einfluss der Alpha- und Delta-Variante, saisonale Effekte und nicht pharmakologische Interventionen wie die AHA+A+L-Regel (Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske, Corona Warn-App und Lüften), Ferien und die von den Bundesländern erarbeiteten Stufenpläne. Gleichzeitig gingen sie davon aus, dass die Menschen ihr Verhalten ändern und Kontakte wieder reduzieren, sobald die Infektionszahlen steigen.

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Die Berechnungen zeigen: Würden sich 50 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen, die keine Vorerkrankungen haben, und 75 Prozent der über 18-Jährigen gegen Covid-19 impfen lassen, könnten „geschätzt 37 Prozent der Meldefälle (symptomatische und asymptomatische Fälle), 36 Prozent der Hospitalisierungen und 36 Prozent der intensivmedizinisch versorgten Fälle in der Altersgruppe zwölf bis 17 Jahre im Zeitraum August bis Dezember 2021 zusätzlich verhindert werden”.

Die Stiko weist jedoch darauf hin, dass die Modellierungen „gewissen Unsicherheiten und Dynamiken” unterliegen würden. „Daher eignen sich Szenarien auf Grundlage derartiger Modelle zwar gut zum Vergleich verschiedener Impfquoten, die konkrete Höhe der genannten Fallzahlen und Effekte ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren.”

Impfquote der Erwachsenen ist entscheidend

Um Infektionen unter den Jüngeren zu vermeiden, sei eine Kombination aus einem direkten und indirekten Schutz vonnöten. Das heißt: Nicht nur die Kinder und Jugendlichen sollten sich impfen lassen, sondern auch die Erwachsenen. Wichtig sei beispielsweise, dass Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie andere Betreuungspersonen die Impfangebote wahrnehmen, um den Viruseintrag in Schulen und Kitas zu minimieren, schreibt die Stiko.

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In den Bildungseinrichtungen könnten im Herbst vermehrt Infektionen entdeckt werden, gab das RKI in einem Handlungsleitfaden von Ende Juli zu bedenken. Bisher ist die Lage noch entspannt: Seit Mai liege die Zahl der Corona-Ausbrüche in Kitas auf einem „sehr niedrigen” und in Schulen auf einem „niedrigen” Niveau, schreibt die Behörde in ihrem wöchentlichen Lagebericht vom 19. August 2021. Doch die Situation kann sich mit der zunehmenden Infektionslage und dem Ende der Sommerferien schnell ändern.

Inzidenzen in den jüngeren Altersgruppen steigen

In Hamburg sind die Sommerferien beispielsweise am 4. August 2021 zu Ende gegangen. Acht Tage später verzeichnete die Kultusministerkonferenz (KMK) 280 mit Covid-19 infizierte Schülerinnen und Schüler. Vor den Ferien (Stichtag: 17. Juni 2021) sind es 42 Fälle gewesen. Ein ähnliches Bild in Schleswig-Holstein: 210 Schülerinnen und Schüler sind am 5. August, fünf Tage nach dem Ende der Sommerferien, als infiziert gemeldet worden. Vor den Ferien (Stichtag: 17. Juni 2021) waren es drei, wie aus den Daten der KMK hervorgeht.

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Der Trend, dass sich immer mehr jüngere Menschen mit dem Coronavirus infizieren, lässt sich bundesweit beobachten. In der vergangenen Woche lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Zehn- bis 14-Jährigen bei 69 und in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen sogar bei 87. In der Vorwoche gab das RKI die Corona-Kennzahl noch mit 40 (Zehn- bis 14-Jährige) und 60 (15- bis 19-Jährige) an.

Eine ähnliche Infektionsdynamik zeichnet sich bei den unter Zehnjährigen ab, für die bislang kein Corona-Impfstoff in Europa zugelassen ist. Sie könnten laut Stiko wiederum von einer hohen Impfbereitschaft der Zwölf- bis 17-Jährigen und der über 18-Jährigen profitieren.

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