Studie zeigt: Menschen können wild lebende Hirsche mit Corona infizieren

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme des U.S. National Institute of Health zeigt das Coronavirus (SARS-CoV-2), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen austritt (undatierte Aufnahme).

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme des U.S. National Institute of Health zeigt das Coronavirus (SARS-CoV-2), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen austritt (undatierte Aufnahme).

Columbus. Auch Hirsche können sich mit dem Coronavirus infizieren. US-Forschende wiesen Sars-CoV-2 bei gut einem Drittel aller von ihnen untersuchten wildlebenden Weißwedelhirsche nach, wie sie im Fachmagazin „Nature“ berichten. Sie gehen davon aus, dass Menschen die Hirsche mit dem Virus angesteckt haben. Die Vermehrung in Wildtieren eröffne neue Wege für die Evolution der Viren.

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Das Team um Andrew Bowman vom Ohio State University College of Veterinary Medicine in Columbus hatte an neun Orten im Nordosten des US-Bundesstaat Ohio bei 360 wildlebenden Weißwedelhirschen (Odocoileus virginianus) einen Abstrich von der Nasenschleimhaut genommen. Weißwedelhirsche sind die verbreitetste Hirschart in Nordamerika. Bei 129 Tieren (35,8 Prozent) konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Erreger mittels PCR nachweisen. Die höchsten Anteile infizierter Tiere fanden sie in Untersuchungsregionen in der Nähe von Orten mit dichter menschlicher Besiedlung.

Virus sprang von Menschen auf Hirsche

An vier Orten fanden die Forschenden einen Virustyp, der genetisch jenem ähnelte, der zum damaligen Zeitpunkt die meisten Infektionen bei Menschen verursachte. Zwei weitere bei den Hirschen nachgewiesene Virustypen traten unter Menschen selten auf.

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Untersuchungen der genetischen Verwandtschaft verschiedener Virustypen ergaben, dass der Erreger sechsmal von Menschen in die Hirschpopulation gelangte. Aufgrund von festgestellten Mutationen, die beim Menschen sehr selten zu finden sind, gehen die Forscher davon aus, dass sich das Virus auch von Hirsch zu Hirsch verbreiten kann. Ob eine Infektion die Tiere auch krank macht, sei bisher offen.

Die mögliche Etablierung eines neuen Reservoirs von Sars-CoV-2-Viren in Weißwedelhirschen könnte neue Wege für die Evolution der Viren und die Übertragung auf andere Wildtierarten eröffnen, schreiben die Forscherinnen und Forscher. Zudem sei eine Rückübertragung von neuen Varianten, die das menschliche Immunsystem noch nicht kenne, auf den Menschen denkbar.

Infektionen auch bei Haustieren oder Gorillas und Tigern

Wie das Virus genau zu den Hirschen gelangte, können die Forscher und Forscherinnen nicht sagen. Es gebe aber allein in Ohio 700.000 frei lebende Weißwedelhirsche. In der Nähe von Städten und Siedlungen fänden sie reichlich Nahrung – und könnten sich etwa beim Stöbern im Müll anstecken. Auch über Wasserwege sei ein Eintrag des Virus in die Hirschpopulationen denkbar. Die Forschenden weisen darauf hin, dass der hohe Anteil infizierter Tiere auch eine Folge davon sein könnte, dass die Hirsche mit Futter zur Probennahme gelockt wurden und dabei miteinander in engen Kontakt gerieten. Eine verstärkte Überwachung sei dringend nötig, um die Übertragung des Erregers auf Wildtiere und seine weitere Entwicklung besser zu verstehen.

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Weißwedelhirsche sind nicht die ersten Tiere, von denen bekannt ist, dass sie sich mit Sars-CoV-2 infizieren können. Nachgewiesen sind Infektionen aber bisher vor allem bei Haustieren wie Hunden und Katzen oder Tieren, die unter menschlicher Obhut leben, etwa Gorillas und Tiger in Zoos oder Nerze auf Farmen. Untersuchungen hatten zudem ergeben, dass eine Reihe von Tierarten sich gezielt anstecken lässt oder aufgrund ihrer zellulären Eigenschaft für das Virus empfänglich ist.

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