Dem Virus trotzen: Die Berlinale setzt auf Kino pur

Sehen einer komplizierten Berlinale entgegen: das Führungsduo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian.

Sehen einer komplizierten Berlinale entgegen: das Führungsduo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian.

Berlin. Vor zwei Jahren war die Berlinale das letzte große Filmfestival, das der Pandemie gerade noch ein Schnippchen geschlagen hatte. Im Februar 2020 hatten Masken im Gesicht einen Exotenstatus. Nun sieht sich die 72. Festival­ausgabe rasant steigenden Inzidenzen gegenüber, wie sie in der heißen Planungs­phase im Herbst kaum abzusehen waren.

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Definitiv soll es bei einer Präsenz­veranstaltung bleiben, wenn auch mit deutlich erhöhten Anti-Corona-Maßnahmen und einem abgespeckten Angebot. Das hat das Leitungsduo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian am Mittwoch bei der Programm­vorstellung bekräftigt – und eingeladen, vom 10. bis 20. Februar nach Berlin zu kommen.

Ohne Partys und Empfänge

Eine Berlinale pur kündigten sie gewisser­maßen an, konzentriert auf Film­vorführungen. Partys und Empfänge sind abgeblasen. Prominente Gäste sind in den Besetzungs­listen einige zu finden. Wer aber tatsächlich über den roten Teppich schreiten wird, den es in jedem Fall geben soll, blieb offen.

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18 Filme haben es in den um vier Tage verkürzten Wettbewerb geschafft, darunter zwei deutsche: Andreas Dresens „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ mit Alexander Scheer über den nach Guantanamo verschleppten Bremer Murat Kurnaz und Nicolette Krebitz’ Liebes­geschichte „A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe“ mit Sophie Rois. Mit dabei ist auch der Österreicher Ulrich Seidl mit „Rimini“.

Das ist eine überschaubare Zahl. In den Vorjahren hatte sich das Festival zum Schaufenster für deutsche Filme gemausert.

Sieben Frauen im Berlinale-Wettbewerb

Sieben Frauen sind im Wettbewerb vertreten, darunter die Französin Claire Denis („Avec Amour et Acharnement“, mit Juliette Binoche), die US-Amerikanerin Phyllis Nagy („Call Jane“, mit Elizabeth Banks und Sigourney Weaver) und die Schweizerin Ursula Meier („La Ligne“). „Da können wir noch besser werden, aber wir freuen uns“, so Chatrian. Die Eröffnung bestreitet der Franzose François Ozon mit „Peter von Kant“, eine Hommage an Rainer Werner Fassbinder mit Isabelle Adjani und Hanna Schygulla.

Nach der Papierform ähnelt der illustre Wettbewerb einer Arthouse-Kino-Reise rund um die Welt. Alte Hasen sind dabei wie der Südkoreaner Hong Sangsoo, der Kanadier Denis Côté oder der Italiener Paolo Taviani, aber auch viele junge Talente. Nach Worten von Chatrian spielt die Mehrzahl der Filme in der Gegenwart, die Corona-Pandemie werde nur selten thematisiert.

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Vom großen Hollywood­kino ist kaum eine Spur zu entdecken. Das lässt sich lieber in den Sommer­monaten in Cannes und vor allem in Venedig blicken. In der für ihre Galapremieren bekannten Reihe „Berlinale Special“ ist Emma Thompson mit dem britischen Film „Good Luck to You, Leo Grande“ angekündigt. Jurypräsident ist der auf Leinwandhorror spezialisierte Regisseur M. Night Shyamalan.

Ein reines Internetfestival hatte die Berlinale-Leitung im Vorfeld ausgeschlossen: Einen Plan B gibt es demnach nicht. Ein Festivaltanker wie die Berlinale lasse sich nicht mal eben ins Netz umlenken, wie es bei der Notausgabe 2021 noch der Fall war.

Verleiher, Produzenten und Filmemacher wollen vor allem eines: ihre Werke bei Premieren präsentieren, bevor sie dann möglichst bald ins Kino kommen. Der dem Festival angeschlossene Europäische Filmmarkt dagegen ist komplett ins Netz abgewandert.

Das Leitungsduo setzt auf die 2G-plus-Regel mit Masken am Platz und nur zur Hälfte belegten Kinos – in der Hoffnung, dass quasi ohne Glanz und Glamour trotzdem so etwas wie Festival­stimmung am Potsdamer Platz aufkommt. In den letzten vier Festivaltagen sollen die gewöhnlich kinobegeisterten Berliner die Chance haben, die Filme zu sehen.

Die Berlinale legt mit der Präsenz­veranstaltung alles daran, ihre Poleposition im heiß umkämpften Festivalkalender zu verteidigen. Zudem will sie nach Angaben von Rissenbeek demonstrieren, dass auch unter schwierigsten Bedingungen ein solches Großereignis zu stemmen ist. „Kultur ist ein wichtiger Anker“, so die Berlinale-Leiterin.

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RND

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