Theater

Getanzte Literatur

In „Herz.Stand.Still“ ist die Tanzcompagnie des Volkstheaters Rostock zu sehen.

In „Herz.Stand.Still“ ist die Tanzcompagnie des Volkstheaters Rostock zu sehen.

Rostock. Getanzte Literatur? Wie das geht, zeigt die Tanzcompagnie der Volkstheaters Rostock. Gleich drei Werke aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe wurden im Stück „Herz.Stand.Still“ verarbeitet, das am Freitag am Volkstheater Rostock Premiere hatte. Die Zuschauer erwartete also ein dreigeteilter Abend.

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Die Vorlagen bildeten „Das verräterische Herz“, „Der Rabe“ und „Ein Traum in einem Traume“. Dabei wurden auch die Choreografien des Abends auf drei verschiedene Choreografen aufgeteilt. Katja Taranu hatte Hung-Wen Mischnick und Anton Shults eingeladen, ebenfalls den Abend zu konzipieren. Beide sind auch Mitglieder der Tanzcompagnie der Volkstheaters Rostock. Bühne und Kostüme wurden gestaltet von Robert Schrag. Entsprechend unterschiedlich waren Ansatze und Choreografien.

Nummer eins: „Das verräterische Herz“, hier hatte Anton Shults das Stück für die Bühne eingerichtet. Vier Frauen (Rebeka Mondovics, Linda Kuhn, Hung-Wen Mischnick und Shoko Seki) spielen dabei eine Figur, die sich allerdings in verschiedenen Zeitebenen befindet. Hier schaut also eine Mörderin - in der literarischen Vorlage ist es ein Mann – in unterschiedlichen Phasen ihrer Tat, die auf ihr schreckliches Tun zurück. Die Arroganz, nicht entdeckt zu werden, schlägt nach dem Entdecktwerden um in den Wahnsinn. Die Figur des Modopfers ist hier nicht präsent.

Nummer zwei: „Der Rabe“, eines der berühmtesten Gedichte von Edgar Allen Poe, in dem die Hauptfigur um die tote Geliebte trauert. Für dieses Stück kommt die gesamte Tanzcompagnie auf die Bühne, die vier männlichen Tänzer verkörpern den Mann, auf der anderen Seite sind es vier Tänzerinnen, die die verstorbene Frau spielen, dazu den geheimnisvollen Raben. Hier wird nicht nur die Unruhe des gequält wirkenden Mannes dargestellt, auch die Unentschiedenheit, ob das Geschehene real ist oder sich nur im Kopf abspielt. Die Tänzer finden sich zu Paaren zusammen und gestalten dabei in erster Line den Vorgang des Kennenlernens. Das Geheimnis um den Raben wird auch hier nicht gelöst, aber von den Tänzern vielgestaltig in der Schwebe gehalten. In diesem Teil war Katja Taranu für die Choreografie zuständig.

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Nummer drei: „Ein Traum in einem Traume“, eins der weniger bekannten Gedichte von Edgar Allan Poe. Dabei ist schon mal die Hintergrund interessant. Poe schrieb dieses Werk in seinem Todesjahr 1849, wahrscheinlich war es sogar sein letztes Gedicht. Das lädt auch zu der Interpretation ein, dass der Dichter hier seine Todesnähe gespürt und auch verarbeitet hat. Die Figur des Erzählers steht am Strand und wird gleichermaßen von den Wellen und vom Sand beeindruckt. Beide Elemente stehen für die Vergänglichkeit. Ist das Leben nur ein Traum in einem Traum? Der Dichter wird hier dargestellt von Tim Grambow, seine Frau Virginia verkörpert Shoko Seki; die Szenerie wird von Kartonmenschen, dem unsterblichen Paar und der goldenen Frau erweitert. Hierbei laufen die Mitglieder der Tanzcompagnie zu großer Form auf, für die Choreografie ist in diesem Teil des Abends Hung-Wen Mischnick zuständig. Damit wird die tänzerische Umsetzung der Arbeiten von Edgar Allan Poe beschlossen – seine literarische Vorlagen erhalten in diese Darstellungsform eine Abstraktion, die ohne Anleitung nur schwer zu entschlüsseln ist.

Thorsten Czarkowski

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