Gewagt, gewonnen – Jugendtheater in Neukölln

Am Anfang war Verzweiflung: Die Theaterpädagogin Maike Plath kämpft in Neukölln um Jugendliche und um ihr Jugendtheater „ACT!“.

Am Anfang war Verzweiflung: Die Theaterpädagogin Maike Plath kämpft in Neukölln um Jugendliche und um ihr Jugendtheater „ACT!“.

Hannover. Neukölln ist grob, brutal. kriminell. Und dieses Image der Schreckensstadt darf sich nicht wandeln. Gegen zehn Euro posieren Jugendliche deshalb schon mal für Boulevard-Journalisten als Junggangster. Die Lehrerin Maike Plath erzählt eine Pointe aus dem Fake-News-Land Deutschland. In „Act! Wer bin ich?“ beleuchtet Rosa von Praunheim eine andere Jugendkultur im Notstandsgebiet. Eine Frau bekommt einige der wildesten Kinder von der Berliner Straße über die Bühne und das Schauspiel in eine Lebensspur.

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Eigene Erlebnisse zu Theaterstücken verdichtet

Ein Mädchen sagt „Fick dich mal ins Knie! Hurensöhne!“ zu Jungs, die sie auf der Straße belästigen.So beginnt die Doku. Es ist eine nach draußen verlegte Spielszene. Im nächsten Moment springen alle Schüler wie Primaten um Plath herum, streicheln ihre Anführerin bewundernd wie eine Schimpansenhorde. Sie haben mit ihr an der Schule Theater gemacht, Szenen aus eigenen Erlebnissen destilliert und zu Theaterstücken verdichtet. Therapeutisches Schauspielern, Darstellen zur Selbstreflexion, zur Selbstrettung. Applaus bei den Aufführungen vermittelt Selbstwertgefühl. „Erziehung zur Mündigkeit und Freiheit … gekoppelt an Respekt und Liebe“, nennt Plath ihr Konzept.

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Es gibt Stücke aus Szenen, kurze Interviews, Blicke in Plaths Biografie. Der Zuschauer trifft junge Leute wie den 25jährigen Deutschmarokkaner Yusuf (auf seinem Box-Pokal hat man ihm „Josef“ eingraviert), der heute offen heraus gesteht, glücklich sein zu wollen, was er nur sagen kann, weil er sich über die Theaterarbeit mit Plath selbst kennen gelernt und verstanden hat. Ehrlichkeit statt dicker Lippe.

Praunheim ist in seinem Element

Die Schulverwaltung hatte das Verständnis trotz der Erfolge nicht mehr, daraufhin stieg Plath aus dem Schulsystem aus, gründete „Act!“, einen Verein für Jugendtheater und macht bis heute mit Jugendlichen und Kindern Theater. Ein spannender Film. Der 74-jährige Praunheim zeigt, was er seit je gerne zeigte: Schwimmer gegen den Strom, eine Frau mit Mut und Underdogs, die anpacken, was sie anpackt. Alltagshelden. Praunheim ist ganz in seinem Element.

Von Matthias Halbig / RND

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