Luc Bessons weltrettende Space-Polizisten

Im All gibt’s alle naselang Überraschungen: Die Spezialagenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) staunen wieder mal.

Im All gibt’s alle naselang Überraschungen: Die Spezialagenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) staunen wieder mal.

Hannover. Luc Besson ist Shoppen gegangen. Der französische Regisseur hat in einem Kino-Selbstbedienungsladen voller „Star Wars“-, „Avatar“-, „Blade Runner“-Utensilien vorbeigeschaut, schnell noch mal in der Jules-Verne-Ecke für ältere Semester gestöbert, und dann hat er all diese Fundstücke begeistert in seinem übergroßen Einkaufswagen gestapelt und „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ gedreht. Dagegen ist auch gar nichts zu sagen. Der Weltraum Hollywoods gleicht nun mal einer Gegend, in der es von skurrilen Spezies sowie Kampfrobotern nur so wimmelt und seltsame Zeit-Raum-Phänomene so selbstverständlich sind wie auf Erden das Läuten der Kirchenuhr zur vollen Stunde.

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Ein Film wie ein Trip in einen futuristischen Vergnügungspark

Es ist ja auch nicht so, dass Besson bei seiner Comic-Adaption nichts Eigenes aus all diesen Anregungen gemacht hätte – und außerdem haben sich umgekehrt wohl auch seine Vorgänger, George Lucas inclusive, schon von der Comic-Serie „Valerian und Veronique“ inspirieren lassen. Bessons mehr als zwei Stunden währender Film kommt einem Ausflug in einen futuristischen Erlebnispark gleich. Vollgestopft ist diese Vergnügungseinrichtung mit Einfällen aller Art – und so naiv aufbereitet, als hätte noch nie jemand anders im All vorbeigeschaut.

Das muss Besson, dem französischen Blockbuster-Regisseur mit Hang zur Fantasy („Das fünfte Element“, „Lucy“), erst mal jemand nachmachen: Er verpulvert 200 Millionen Euro, als handele es um einen Kindergeburtstag. Bereits als kleiner Knirps in den Sechzigern hat Besson sich in dieses Comic-Abenteuer verliebt, das er mit den heutigen digitalen Möglichkeiten endlich umsetzen kann.

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Die Qualle auf dem Kopf ermöglicht den Erkenntnisgewinn

Wo sonst sieht man ein – Pardon! – perlenscheißendes Schmuse-Chamäleon? Oder eine menschenähnliche Spezies in einem synthetischen Urlaubsparadies, die dringend gegen Magersucht behandelt werden müsste? Oder eine glubschäugige Froschart mit Appetit auf Menschenfleisch, die Blondinen vor dem Verzehr genussvoll mit Zitronensaft beträufelt? Oder eine Soldatin, die sich zwecks Erkenntnisgewinn eine Qualle über den Kopf stülpt? Und dann ist da auch noch ein Wesen mit einer wirklich verrückten Verwandlungsshow zwischen Erotik und Glibber-Ekel, das bislang als Popsängerin Rihanna bekannt war.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Im Comic ist schließlich alles möglich. Nur darf man nicht erwarten, dass besonders entwicklungsfähige Charaktere in diesem Umfeld anzutreffen sind, die einem ans Herz wachsen könnten. Zwischen all diesen Jahrmarkt-Sensationen turnt ein reichlich pubertäres Pärchen herum, das sich ohne Ende neckt und kabbelt.

Die Weltraum-Cops Valerian (Dane DeHaan, bekannt aus „Life“) und Veronique (das Model Cara Delevingne) düsen zunächst einmal im Freizeitlook los, um ihren Auftrag zu erfüllen – er im legeren Strandhemd, sie im Bikini. Bessons Frauenverständnis hat noch nie vor den Augen einer Feminismus-Beauftragten bestehen können.

Das Universum muss vor dem Untergang gerettet werden – was sonst?

Und der Job der Space-Polizisten? Da geht es wie immer darum, das Universum vor dem Untergang zu retten und den Opfern galaktischer Kriege Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Clive Owen als Oberbösewicht und Ethan Hawke in der Funktion eines Nautilus-Kapitäns erfüllen ebenfalls pflichtgemäß ihre Aufgabe bei dieser Raumpartie. Von der französischen Comicserie „Valerian und Veronique“ sind über die Jahrzehnte mehr als 20 Hefte erschienen. Da kann sich Besson frei bedienen – und Fortsetzungen sind im Falle eines Kassenerfolgs dieses Auftaktfilms allemal möglich.

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Das Beste ist es wohl, sich in diesem Film einfach zurückzulehnen und sich durchs All treiben zu lassen. Botschaften für uns Erdlinge hat Besson auch noch in seiner Story platziert, zum Beispiel: Der Mensch ist des Menschen ärgster Feind. Und: Die Liebe ist die stärkste Kraft im Universum. Wer wollte gegen diese banalen Erkenntnisse etwas sagen. Und dann hält der Regisseur noch einen romantischen Schluss parat, wie er James Bond gefallen hätte: Ein Held und eine Heldin lost in Space, unterwegs in einer Raumkapsel. Ganz so viel Spaß wie diese beiden hat man in diesem Film nicht, aber Langeweile kommt auch nicht auf.

Von Stefan Stosch / RND

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