Kritik am Festivalzirkus

„Rifkin’s Festival“ – Woody Allen kreist vor allem um sich selbst

Festivalempfang mit Popcorn: Mort Rifkin (Wallace Shawn, l.), Sue (Gina Gershon), Philippe (Louis Garrel) in einer Szene aus „Rifkin’s Festival“.

Woody Allen kann’s nicht lassen, auch wenn die Zeit seiner großen Meisterwerke wohl vorbei ist. In seinem neuen Film kreist er um sich selbst, um seine Bewunderung für die Filmgeschichte, für Ikonen wie Truffaut, Godard, Bergman oder Fellini. Und natürlich darf bei einem Dinner sein Toast auf das europäische Filmschaffen nicht fehlen.

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Mit seiner Nostalgie steht der Intellektuelle Mort Rifkin (Wallace Shawn) ziemlich alleine da. Seine Gattin ist PR-Agentin für einen aufgeblasenen französischen Regisseur (Louis Garrel) und hat wenig Verständnis für vergangene Filmepochen, sie will ihren Schützling bestmöglich beim Festival von San Sebastian verkaufen und verfällt schnell dessen manieriertem Charme. Was ihren Mann nur ein wenig eifersüchtig macht, findet er doch eine Seelenverwandte in einer spanischen Ärztin (Elena Anaya), mit der er auch schon mal durch das Hinterland der Baskenmetropole streift.

Beim Festivalzirkus geht es nur noch um Schein und Scheinchen

Wie der Uniprofessor bei der Fertigstellung seines ersten Romans mit Selbstzweifeln und Ansprüchen kämpft (er will sich an Dostojewski messen), trägt eine sehr persönliche Handschrift, von der Hypochondrie über Neurosen bis zur Resignation über die heutige Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit, nicht zu vergessen die Kritik am Festivalzirkus, bei dem es nur noch um Schein und Scheinchen geht.

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Das ist alles sehr anrührend erzählt und Filmenthusiasten werden sich manchmal ein Lächeln nicht verkneifen können, weil Allen sehr präzise die Leere hinter der Glamourfassade beschreibt. Das wunderbar fotografierte und exzellent besetzte Alterswerk eines Genies, dessen grandiose Karriere durch Missbrauchsvorwürfe, die Allen vehement bestreitet, überschattet wird, ist Spiegel einer späten Lebenskrise – geprägt von Wehmut und Bedauern.

Und trotzdem unterhaltend durch augenzwinkernden, allerdings sehr männlich geprägten Humor und eine Prise Selbstironie.

„Rifkin’s Festival“, Regie: Woody Allen, mit Wallace Shawn, Elena Anaya und Louis Garrel, 91 Minuten, FSK 12

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