Rücksturz ins Kino: „Das Sams“ von 2001 startet neu

Frisch wie einst 2001: Das Geheimnis von Christine Urspruchs „Sams“-Darstellung. Sie spielt den Kinderhelden niemals kindisch.

Frisch wie einst 2001: Das Geheimnis von Christine Urspruchs „Sams“-Darstellung. Sie spielt den Kinderhelden niemals kindisch.

Hannover. Was früheren Zuschauern schon gefallen hat, gefällt jetzt vielleicht wieder: So ist „Das Sams“ von 2001 in dieser Woche noch einmal im Kino zu sehen. Das ältere Publikum amüsiert sich dabei über die hervorragenden Darsteller, allen voran Ulrich Noethen als verschrobenem Herrn Taschenbier. Und Christine Urspruch überzeugt die Kinder als Sams, das Wesen mit den Wunschpunkten, weil es kein bisschen kindisch verkörpert wird.

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Wunderlampen-Dschinn ohne Wunderlampe

Ein Sams ist wie ein Wunderlampen-Dschinn ohne Wunderlampe drumherum. Nach und nach lässt es Herrn Taschenbiers Wünsche in Erfüllung gehen – auch völlig absurde wie den nach einem Eisbären im Wohnzimmer. Regisseur Ben Verbong hatte den Helden vieler Kinder anno 2001 ins Kino geholt, was sein Schöpfer Paul Maar zuvor mehr als 20 Jahre lang verhindert hatte. Aus Furcht vor Flachsinn und Verramschung seiner Herzensfigur.

Darum gehts: Der kreuzbrave Taschenbier findet den rothaarigen Zwerg auf dem Marktplatz. Und errät, dass er ein Sams vor sich hat. Seither steht das knuddlige Wesen in Treue fest zu ihm. Und reagiert auf seine Liebe zu Fräulein Margarete März mit schlimmer Eifersucht.

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Das Drehbuch hat zeitlose Qualität

Der Schweinfurter Kinderbuchschriftsteller lässt das Sams im Kino im malerischen Bamberg rotieren. Maar hat das Drehbuch mit „Schtonk“-Autor Ulrich Limmer verfasst, auch dieser besondere Teamgeist hält den Film bis heute jung. Der fade Angestellte Taschenbier wird darin zum Regenschirmmacher, den sein fieser Chef immer wieder durch eine Unwettermaschine jagt. Böse und komisch zugleich.

Viele kleine Pointen prickeln hier, fügen sich zu einer hübschen Entwicklungsgeschichte: Mit dem kackfrechen Sams an seiner Seite wird aus dem duckmäuserischen Taschenbier einer, der sich was traut, der flirtet, frotzelt, auf den Tisch haut. Bei seiner unfreiwilligen Tanzeinlage im Nobelrestaurant erinnert Ulrich Noethen an den Heinz Rühmann der frühen Jahre oder an Hans Falladas „kleinen Mann“ Pinneberg.

Der Kinderfilm ist großes Kino für die ganze Familie

Überhaupt: die Schauspieler! Fassbinderella Eva Mattes, Armin Rohde („Wir können auch anders“) und August Zirner erhöhen den kein bisschen alt gewordenen Kinderfilm zu großem Kino für die Familie. Und die kleine Christine Urspruch mit Punktgesicht und Schweinerüssel ist endlich mal wieder ein Fabelwesen aus Fleisch und Blut, ein Sams, wie es im Buche steht. So geht es also auch: mehr Maskenbildner, weniger Computer! Dieses Sams kann auch 2017 noch punkten.

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Von Matthias Halbig und Stefan Stosch / RND

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