Handwerk hat tödlichen Boden

Ein Leben nach Maß – „The Outfit“ erzählt von einem Schneider der Mafia

Gangster in feinstem Tuch: Francis (Johnny Flynn, links) und der Schneidermeister Leonard (Mark Rylance) in „The Outfit“.

Gangster in feinstem Tuch: Francis (Johnny Flynn, links) und der Schneidermeister Leonard (Mark Rylance) in „The Outfit“.

Ein guter Maßanzug besteht aus 36 Einzelteilen, die sorgfältig zugeschnitten und miteinander vernäht werden müssen. Leonard (Mark Rylance) ist ein Meister seines Fachs. Wenn er die Wollstoffbahnen auf dem Tisch glattstreicht, mit Kreide die Schnittlinien zieht und die Schere ansetzt, ist jede Handbewegung von einer exakten Routine geprägt.

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Sein Handwerk hat er auf der legendären Savile Row im Londoner Bezirk Mayfair erlernt. Eine „Invasion“, so scherzt er gegenüber seinen Kunden, habe ihn von dort vertrieben, als auch in der englischen Hauptstadt die Blue Jeans den Siegeszug antrat. Mit der Zuschneideschere im Gepäck landete er in Chicago, wo er im Jahr 1956 eine eigene Herrenschneiderei betreibt.

Der Mafiaboss sieht sich als Mann von Welt

Das Geschäft läuft gut, denn der lokale Mafiaboss Roy (Simon Russell Beale) hat eine Schwäche für Maßanzüge und legt auch bei seinen Mitarbeitern Wert auf gute Kleidung. Und hinten in der Werkstatt befindet sich ein großer Briefkasten, in dem die Umschläge mit dem Schutzgeld und geheime Nachrichten hinterlegt werden. Der Schneider lässt sich von seiner Arbeit nicht ablenken, während die Mobster kommen und gehen. Auch wenn er nicht hinschaut, entgeht dem alten Mann nichts. Er ist ein stiller, aber umso genauerer Beobachter.

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Eines Nachts, als Leonard wieder einmal in der Werkstatt übernachtet, wird er in die kriminellen Machenschaften seiner Kundschaft hineingezogen. Der Sohn des Mafiapaten Richie (Dylan O’Brien) wurde angeschossen und wird von dem loyalen Ganoven Francis (Johnny Flynn) in die Schneiderei gebracht. Leonard soll den Verwundeten wieder zusammennähen und auf eine Aktentasche aufpassen. Darin befindet sich ein Tonband, das Hinweise auf einen Verräter innerhalb der Organisation geben soll.

Wie der Protagonist so auch der Film - bestes Handwerk

In seinem Regiedebüt „The Outlook“ entwirft Graham Moore ein spannendes Kammerspiel. Auch hier: Bestes Handwerk. Mit feinen, genauen Stichen werden die Szenen zu einem Krimiplot vernäht, der mit kühl kalkulierten Wendungen eine äußerst befriedigende Unterhaltungswirkung erzielt. Moore, der als Drehbuchautor für „The Imitation Game“ 2015 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, stellt auch hier einen wortkargen Außenseiter ins Zentrum der Erzählung. Mark Rylance spielt den undurchsichtigen Schneidermeister, der im kriminellen Geschehen um Betrug und Loyalität vom stillen zum teilnehmenden Beobachter wird, mit unbestechlicher Präzision.

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Jeder Blick, jede Handbewegung, jede leicht hochgezogene Augenbraue sind hier unabdingbarer Teil eines schauspielerischen Gesamtkunstwerkes, das die hohe Schule des britischen Understatements zelebriert. Mit prägnanten Nebenrollen in Steven Spielbergs „Bridge of Spies“ (2015), Christopher Nolans „Dunkirk“ (2017) und zuletzt in Adam McKays „Don’t Look Up“ (2021) hat Rylance so manchem Hollywoodstar die Show gestohlen. In „The Outfit“ beweist sich der 62-jährige Brite nun als Hauptdarsteller, der mit seiner zurückhaltenden Intensität die Spannung eines abendfüllenden Spielfilms souverän aufrechterhält – und erst am Ende, wenn er die Hemdärmel hochrollt, das wahre Wesen seiner Figur preisgibt.

„The Outfit“, Regie: Graham Moore, mit Mark Rylance, Dylan O’Brien, Zoey Deutch, 105 Minuten, FSK 16

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