Lange galten dunkle Sachen als Patentlösung

Trauerkleidung: „Angemessen“ soll es sein – aber wie sieht das aus?

Ein Hauch von Gothic: Donatella Versace feierte mit ihrer Kollektion eine Art schwarze Messe auf dem Laufsteg.

Ein Hauch von Gothic: Donatella Versace feierte mit ihrer Kollektion eine Art schwarze Messe auf dem Laufsteg.

Der nächste Sommer wird eher düster. Zumindest, wenn man die Trends der jüngsten Mailänder Modewoche zugrunde legt: Vielleicht sahen die Designerinnen und Designer auch angesichts der politischen Lage im Allgemeinen und in Italien im Besonderen schwarz. Auf jeden Fall war es die dominierende Farbe.

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Selbst bei Labels wie Etro und Moschino, die sonst eher das Buntgemusterte pflegen, tauchte strenges Schwarz von Kopf bis Fuß auf. Auch atmosphärisch ging es zuweilen zu wie auf einer Beerdigung: Bei Max Mara versteckten sich die Models unter riesigen schwarzen Hüten, bei Jil Sander trugen sie dunkle Regenschirme und bei Prada senkten sie den Blick unter einem künstlichen Wimpernkranz. Richtig morbide wurde es bei Donatella Versace, die auf dem Catwalk eine Art schwarze Messe feierte: mit schwarzen Kerzen und verschleierten Gothicbräuten. Man könnte meinen, das viktorianische Zeitalter sei zurück.

Was ziehe ich an, wenn ich Abschied nehme von einem geliebten Menschen?

Immerhin hilft diese Mode dabei, sich chic und angemessen für eine Beerdigung zu kleiden. Angesichts von Trauer und Verlust mag vielen die Überlegung, was man zu einem Begräbnis anzieht, im ersten Moment zweitrangig, oberflächlich oder gar ärgerlich erscheinen.

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Doch selbst Menschen, die sich nicht für Mode interessieren, stehen früher oder später vor der Frage, ob eine dunkle Jeans bei einer Trauerfeier in Ordnung ist, wenn man keinen schwarzen Anzug besitzt, oder ob die neongrüne Outdoorjacke in der Kirche nicht vielleicht deplatziert wirkt. Was ziehe ich an, wenn ich Abschied nehme von einem geliebten Menschen? Wie erweise ich ihm dabei Respekt? Wie schaffe ich es, den Akt der Beisetzung zu überstehen, mich wenigstens ein bisschen warm und geborgen zu fühlen in einer zugigen Kapelle, an einem freudlosen Ort wie dem Friedhof oder bei Regenwetter im Ruheforst?

Angemessene Kleidung verleiht Halt

Bei der Beerdigung der Queen wurde nicht nur jeder Schritt, jede Geste, jeder Blick der Trauergäste kommentiert, sondern vor allem auch deren Outfits. Die Bilder haben gezeigt: Angemessene Kleidung, zumal Trauerkleidung, verleiht Halt und verrät viel über Haltung.

Doch was ist angemessen? Lange galten dunkle Sachen als Patentlösung. Doch so einfach es nicht mehr. Die Frage nach der richtigen Kleidung gewinnt aus Sicht des Bundesverbands Deutscher Bestatter (BDB) immer mehr an Gewicht, denn die Trauerkultur entwickle sich neu. „Es gibt einen großen Trend zum Individualismus“, sagt BDB-Sprecherin Elke Herrnberger.

So würden viele Menschen heute bereits zu Lebzeiten Wünsche für ihre Trauerfeier festlegen. Angefangen von der Gestaltung von Sarg oder Urne über die Zeremonie mit ausgewählter Musik bis hin zur Kleiderordnung, die mitunter Fußballtrikots oder fröhliche Farben vorgibt. Zudem stünde für Trauerfeiern heute nicht mehr nur der traditionelle Ort des Friedhofs zur Verfügung, sagt Herrnberger. Da die Feuerbestattung mit mehr als 70 Prozent mittlerweile die häufigste Bestattungsart sei, hätten sich neue Räume ergeben: in einem Friedwald etwa oder auch in ausgewiesenen Trauerräumen.

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Ort ist entscheidend für die Kleiderwahl

Für Herrnberger ist der Ort, an dem Abschied genommen wird, auch ganz entscheidend für die Kleiderwahl: „Der Raum wirkt auf die Trauernden und umgekehrt“, sagt sie. Der farbige Anorak sei im Friedwald kein Problem, bei einer Trauerfeier in einer Kapelle mit anschließendem Gang zum Grab auf dem Friedhof aber womöglich schon, denn: „Man sollte sich bewusst sein, dass man an solchen Orten auch auf andere Trauernde trifft und Rücksicht darauf nehmen, dass sie vielleicht traditionellere Vorstellungen haben“, meint Herrnberger. Zurückhaltung ist ihr zufolge grundsätzlich das Gebot der Stunde: Zu viel Schmuck, zu viel Haut, fette Logos und High Heels seien tabu. „Eine Trauerfeier ist schließlich keine Mottoparty“, betont sie. Die Farbe Schwarz ist für sie „die einfachste Lösung. Man sieht immer ordentlich aus.“

Wer sich für seine Beerdigung spezielle Outfits von Angehörigen, Freunden und Bekannten wünscht, sollte laut Herrnberger kein striktes Modediktat aussprechen. Wichtig für die Trauergäste sei, dass sich einigermaßen in ihrer Kleidung wohlfühlen. „Es sollte etwas sein, was schützt und behütet, was aber auch den Toten ehrt und woran sich die Mittrauernden nicht stören“, unterstreicht sie und rät in jedem Fall zu einem Schal oder Tuch. Damit könne man farbige Akzente setzen, sein Gesicht bei Bedarf etwas verbergen und man habe es ein wenig kuschelig. Auch bequeme Schuhe seien wichtig, denn man dürfe nicht unterschätzen, wie wacklig man vielleicht in einer solchen Situation auf den Beinen sei.

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