OZ-Weihnachtsaktion

Grevesmühlen: Das berührende Schicksal von Streunerin „Bea“

Das Tierheim Dorf Mecklenburg – rund 50 Katzen und 20 Hunde leben aktuell dort.

Das Tierheim Dorf Mecklenburg – rund 50 Katzen und 20 Hunde leben aktuell dort.

Dorf Mecklenburg/Grevesmühlen. Die dunklen Augen blicken neugierig durch die Gitterstäbe im Auslauf des Tierheimes in Dorf Mecklenburg, vorsichtig setzt „Bea“ einen Schritt zurück. „Fremden gegenüber“, sagt Doreen Kuhn, ehrenamtliche Tierheimleiterin, „ist sie immer noch sehr vorsichtig.“ Aber ansonsten habe sie sich zum heimlichen Chef entwickelt.

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Die stattliche Herdenschutzhündin der Rasse „Owtscharka“ hat mittlerweile gut an Gewicht zugelegt, trotz ihrer beeindruckenden Größe ist sie ein Hund, den man sofort ins Herz schließen könnte. Aber: „Bislang hat sich noch kein Interessent für sie gefunden“, sagt Doreen Kuhn und zuckt bedauernd mit den Schultern. „Dabei ist sie wirklich ein toller Hund, auch charakterlich macht sie überhaupt keine Probleme.“ Sie habe im Tierheim mittlerweile ihre Bezugspersonen, Pfleger Norbert steht dabei ganz oben auf ihrer Freundesliste. Dass sie sich in eine neue Familie integrieren würde, darin sieht Doreen Kuhn kein Problem. „Es muss sich nur jemand finden.“

„Bea“ im Tierheim Dorf Mecklenburg

„Bea“ im Tierheim Dorf Mecklenburg

Bea ist der Promi im Dorf Mecklenburger Tierheim

Dabei ist „Bea“ so etwas wie der Promi im Dorf Mecklenburger Tierheim. Kein anderer Hund hat für soviel öffentliches Interesse gesorgt wie das stattliche Tier mit dem hellbraunen Fell und der dunklen Schnauze. Denn wochenlang streunte sie in Nordwestmecklenburg umher, die ersten Meldungen kamen Mitte Juli aus dem Klützer Winkel. Damals vermuteten die Experten noch, dass es sich bei dem Tier um einen Kangal, einen Schutzhund aus der Türkei, handeln würde.

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Mitte Juli die ersten Sichtungen bei Klütz

Unmittelbar nach den ersten Meldungen wurden die Hundefänger alarmiert, im Bereich Klützer Winkel ist Unternehmer Jens Deutsch als Hundefänger für das Amt im Einsatz. Doch an ein Einfangen war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken, das Tier näherte sich zwar immer wieder Dörfern und Gehöften, doch Menschen ließ es nicht an sich ran. „Wir haben dann Ende Juli die erste Meldung an die Öffentlichkeit gegeben, dass Sichtungen an die Polizei oder das Tierheim zu geben sind“, berichtet Doreen Kuhn.

Foto vom Sommer in der Nähe von Diedrichshagen

Foto vom Sommer in der Nähe von Diedrichshagen

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Riesenaufregung in den sozialen Medien

Doch dann passierte genau das, was nicht passieren sollte. Immer wieder posteten Leute Sichtungen der Hündin in den sozialen Medien, was dazu führte, dass Privatleute regelrecht „Jagd“ auf das Tier machten, um selbst Fotos zu machen. Sogar mit dem Auto soll der Hund verfolgt worden sein. Für die Arbeit der Tierschützer eine Katastrophe. Denn um ein Tier tatsächlich einzufangen, braucht es Tage und Wochen. Der Streuner muss sich an die Falle gewöhnen, Futterstellen werden eingerichtet und vieles andere ist zu bedenken. Als der Streuner dann in der Nähe von Grevesmühlen auftauchte, wurde Steve Soost eingeschaltet, der Kfz-Unternehmer aus Wotenitz ist hier als Hundefänger registriert. Er hatte sich der Hündin mit einer Schlinge sogar einmal bis auf wenige Meter genähert. „Aber dann hat sie sich erschreckt und lief weg.“ Zusammen mit Doreen Kuhn und Meike Gutzmann, der Vorsitzenden des Tierschutzvereins Wismar und Umgebung, wurde dann eine Strategie entwickelt, um „Bea“ so schonend wie möglich einzufangen.

Falle bei Bernstorf aufgestellt

In der Nähe von Bernstorf wurden Futterstellen eingerichtet, die mit Kameras überwacht wurden. Vor vier Wochen ging das los. Als klar war, dass die Hündin regelmäßig zu diesen Futterstellen zurückkehrte, wurde die Falle aufgestellt. Allerdings geöffnet und ohne sie scharfzustellen, wie Steve Soost erklärte. Erst nach einigen Tagen wurde der Auslösemechanismus aktiviert. Was im ersten Versuch jedoch misslang. „Eine Spaziergängerin hat uns berichtet, wie die Hündin über den zwei Meter hohen Zaun geklettert und verschwunden ist.“ Dennoch blieben die Tierschützer bei ihrer Strategie. Am Sonntagnachmittag dann, die Falle war inzwischen auch angepasst worden, landete „Bea“ darin.

„Bea“ im Tierheim Dorf Mecklenburg mit Hundefänger Steve Soost.

„Bea“ im Tierheim Dorf Mecklenburg mit Hundefänger Steve Soost.

Ernährt hat sich die Hündin in der Freiheit vor allem von Katzenfutter, das in den Dörfern oft draußen steht. Auch bei Landwirtschaftsbetrieben wurde sie gesehen, wo sie nach Fressbarem suchte. Bis zu 70 Kilometer pro Tag, das ergab die Auswertung der Sichtungen, legte das Tier zurück. Dabei blieb die Hündin aber immer im Bereich Bernstorf beziehungsweise kehrte dahin zurück.

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Tierheimmitarbeiterin: Wir geben die Hoffnung nicht auf

Inzwischen sind mehr als drei Monate vergangenen, in denen „Bea“ im Tierheim lebt. Sie fühle sich wohl, sagt Doreen Kuhn. An den Kontakt zu den Menschen sei sie gewöhnt, auch wenn sie Fremden gegenüber anfangs sehr misstrauisch sei. „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sich jemand findet, der mit ihr umzugehen weiß.“

Doreen Kuhn vom Tierheim Dorf Mecklenburg mit Streunerin „Bea“ Anfang September

Doreen Kuhn vom Tierheim Dorf Mecklenburg mit Streunerin „Bea“ Anfang September

Spenden: Der Tierschutzverein Wismar und Umgebung bietet zwei Spendenkonten an: Sparkasse Mecklenburg-Nordwest, IBAN DE71 1405 1000 1200 0003 54; VR Bank Mecklenburg eG, IBAN DE81 1406 1308 0004 1349 82.

Bitte bei allen Spenden für die Aktion „Helfen bringt Freude“ das Stichwort „OZ-Weihnachtsaktion“ angeben.

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