Hochschule Wismar

Mit Freibier und Bratwurst: „Erstis“ in Wismar starten ins Campusleben

Die neuen Studenten des Seefahrtsinstituts Warnemünde und einige, die schon länger studieren

Die neuen Studenten des Seefahrtsinstituts Warnemünde und einige, die schon länger studieren

Wismar. Die jungen Leute sind zurück auf dem Campus. Am Dienstag wurden an der Hochschule Wismar rund 1160 neue Studierende feierlich begrüßt – mit 100 Litern Freibier und herzlichen Worten des Rektors Bodo Wiegand-Hoffmeister. Er hofft, dass die Erstsemester sich kennenlernen und „eine gemeinsame Zeit“ genießen können, und nicht wie in den vergangenen Jahren zum Lernen wieder ins Homeoffice geschickt werden müssen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mit Solaranlagen und Holzpellets sei die Hochschule, zumindest was das Energiethema angeht, gut aufgestellt. Außerdem, so der Rektor, sei es für die neuen Studenten nun endgültig an der Zeit, der Wissenschaft zu vertrauen und nicht selbst ernannten Experten in den sozialen Medien wie Facebook oder Youtube.

Die Campuswiese wurde zum Begrüßungssaal unter freiem Himmel.

Die Campuswiese wurde zum Begrüßungssaal unter freiem Himmel.

Etwa 100 Stühle besetzten die „Erstsemestler“ auf der Campuswiese. Viele schauten aber auch vom Rand aus dabei zu, wie einige junge Leute, die vor ihnen an die Hochschule gekommen sind, für ihre Leistungen ausgezeichnet wurden. So wie Robert Schwank als Jahrgangsbester 2021. Er hat sein Bachelor-Studium Bauingenieurwesen mit „sehr gut“ abgeschlossen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gute Bewertung lockte nach Wismar

Zu den „Erstis“ gehört nun auch Luise Pontow. Mehr oder weniger aus gesundheitlichen Gründen drückt sie nach ihrem Abitur am Wismarer Geschwister-Scholl-Gymnasium im Sommer nun weiterhin die Schulbank. Die 18-Jährige wollte eigentlich zur Polizei. Doch Voraussetzung dafür ist, dass alle kieferorthopädischen Behandlungen abgeschlossen sind, wie sie erklärt. Da die Wismarerin ihre Zahnspange noch hat, kann sie die Ausbildung somit nicht starten.

Lesen Sie auch

Für den Studiengang Betriebswirtschaftslehre hat sich Luise entschieden. „Mein Traum aber bleibt die Polizei“, verriet sie. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Wohnen wird sie weiterhin bei ihren Eltern. Monatlich zur Verfügung hat sie das Kindergeld und spontan wolle sie dann noch Aushilfsjobs machen, um ihr Studium zu finanzieren.

An einer Karte konnten die Studenten die Orte markieren, von denen sie zum Studium nach Wismar gekommen sind.

An einer Karte konnten die Studenten die Orte markieren, von denen sie zum Studium nach Wismar gekommen sind.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zu Hause ausgezogen ist dagegen Thorben Fink. Der 20-Jährige hat seinem Heimatort in Niedersachsen den Rücken gekehrt, um in Wismar Maschinenbau zu studieren. „Ich habe mir mehrere Universitäten und Hochschulen angeschaut und Wismar hatte sehr gute Bewertungen“, begründete er seine Wahl. Fest stand für ihn auch, im Norden zu bleiben.

Wohnung im Studentenwohnheim für 250 Euro

In Wismar hat er eine Wohnung im Studentenwohnheim für nur 250 Euro gefunden. „Ich habe ein Zimmer mit eigenem Bad und Küchenzeile. Es ist zwar klein, aber nur für mich“, erklärte er lächelnd. Zurzeit bezahlen seine Eltern die Miete. Seine Hoffnungen ruhen aber auf Studenten-BAföG. Außerdem will er sich einen Job suchen, um seine Eltern zu entlasten.

Leckeren Kuchen gab es umsonst - viele ließen aber eine kleine Spende zurück zur Finanzierung der Kinderuni.

Leckeren Kuchen gab es umsonst - viele ließen aber eine kleine Spende zurück zur Finanzierung der Kinderuni.

Bei der feierlichen Immatrikulation dabei waren seine stolzen Großeltern Thea und Olaf Behrndt. Auf dem Gelände hat Opa Olaf vor mehr als 50 Jahren sogar auch studiert – ebenfalls Maschinenbau. „Es ist also eine Reise in die Vergangenheit“, meinte Thea Behrndt, die in Halle studierte und somit in etwa weiß, wie es ihrem Enkel nun geht. „Es ist natürlich alles neu und aufregend“, schätzte sie ein. Waren sie und ihr Enkel sonst nur 14 Kilometer voneinander getrennt, sind es nun mehr als 160 Kilometer. „Aber mit der heutigen Technik ist es ja einfach, den Kontakt zu halten“, sagte sie lachend.

Pendeln zwischen Rostock und Wismar

Sophia (19) und Lilo (20) haben sich für Kommunikationsdesign und Medien entschieden. Sie wirken wie Freundinnen, haben sich aber erst vor Kurzem auf dem Campus kennengelernt. Sophia ist aus Waren an der Müritz. Sie hat in Wismar eine WG bezogen und fühlt sich wohl: „Mir gefällt die Stadt, Wismar ist schön und gemütlich“, erklärte sie ihre Entscheidung für den Studienort. Den habe sie schon vorher einige Male mit der Familie besucht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Lilo pendelt zurzeit noch, will das aber nicht bis zum Studienende machen. Wohin es nach dem Studium gehen soll, weiß sie noch nicht, nur so viel: „Ich möchte kreativ sein, etwas gestalten.“ Um finanziell über die Runden zu kommen, jobbt sie am Wochenende in einem Rostocker Restaurant. Die Studienkosten seien noch erträglich. Pro Semester fallen etwa 100 Euro Gebühren an, hinzu kommen Unterkunft und Essen.

Erstis bekamen 100 Liter Freibier, Bratwürste und Kuchen

Worauf freuen sich die Studienanfänger am meisten? Alle, denen man diese Frage stellte, antworteten zuerst mit einem Lachen. Das Wort Party kommt ihnen aber nicht über die Lippen – stattdessen „eine schöne Zeit“. Mit der hatten sie am Dienstag angefangen: Mit 100 Liter Freibier, Bratwürsten und Kuchen wurden sie begrüßt. Davor und danach konnten sie Volleyball und Wikingerschach spielen, sich im Torwandschießen und mit dem Bau von Papierflugzeugen ausprobieren. An Info-Ständen bekamen sie einen Überblick über die verschiedenen Angebote auf dem Campus. Mit dabei war auch der Kutterclub Wismar.

Stellten den Kutterclub vor: (v. l.) der Vorsitzende Stefan (39), Franz (31), Isabell (26) und Lennard (21).

Stellten den Kutterclub vor: (v. l.) der Vorsitzende Stefan (39), Franz (31), Isabell (26) und Lennard (21).

Vier aktive Teams greifen aktuell zu den Paddeln von „Tante Paula“ – so heißt das Boot, mit dem vom Westhafen abgelegt wird. Jeweils mit zehn Ruderern und einem Skipper. „Meist fahren wir zur Seebrücke, manchmal auch zur Insel Poel“, berichtete Isabell. Die 26-Jährige ist keine Studentin, sondern arbeitet in einem Wismarer Hotel. Sie liebt das Kutterfahren und versucht ihre Leidenschaft den „Erstsemestlern“ ebenfalls schmackhaft zu machen. „Es ist eine tolle Gemeinschaft mit herzlichen Menschen.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Hochschule Wismar mit Standort in Warnemünde

Einige, die mit großen Schiffen zu tun haben, sind die neuen Studenten des Seefahrtsinstituts Warnemünde. Auch das gehört zur Hochschule Wismar. Zur offiziellen Begrüßung waren die „Erstsemestler“ von dort mit dem Bus gekommen. Mit dabei war Alina. Die 21-Jährige hat bereits erfolgreich eine Ausbildung zur Schiffsmechanikerin absolviert. Um ihr Wissen weiter zu vertiefen, hat sie sich für die Studienrichtung Schiffsbetriebstechnik entschieden. Mit dem kann sie technische Offizierin werden.

Offizieller Startschuss für alle Studenten ist in der kommenden Woche. Dann kann die gemeinsame Studentenzeit starten – hoffentlich ohne Homeoffice.

Von Kerstin Schröder und Jana Franke

Mehr aus Wismar

 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen