Talenteförderung

45 Kinder beim Aufnahmetest: Wer hat es in Nordwestmecklenburgs einzige Sportklasse geschafft?

Detlef Thormann stoppt beim Aufnahmetest für die Sportklasse der Wismarer Goethe-Schule die Zeit beim Abschlusslauf.

Detlef Thormann stoppt beim Aufnahmetest für die Sportklasse der Wismarer Goethe-Schule die Zeit beim Abschlusslauf.

Wismar. „Nicht vorher abbremsen – durchlaufen!“ Dieses Kommando muss Doris Martin ständig wiederholen. Die Sportlehrerin der Goethe-Schule in Wismar steht mit der Stoppuhr auf dem Parkett. 30 Meter von ihr entfernt stehen viele aufgeregte Kinder. Nacheinander sollen sie zeigen, wie schnell sie sprinten können. Doch viele Mädchen und Jungs bremsen im ersten Durchgang schon vor der Ziellinie ab. Weil sie dank des Hinweises von Doris Martin im zweiten Versuch voll durchlaufen, sind die meisten schneller unterwegs. So wie Mats Rutemöller. Der Zehnjährige läuft allen davon. Schon beim ersten Mal hat es der Wismarer geschafft, unter fünf Sekunden zu bleiben. Seine 4,8 sind ein sehr gutes Ergebnis, doch Mats will noch mehr. Am Ende schafft er die 30 Meter in 4,6 Sekunden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Schüler haben sieben Sportstunden in der Woche

Gemeinsam mit 44 anderen Kindern hat der Blondschopf ein Ziel: Er möchte in die neue Sportklasse der Goethe-Schule kommen. Dort werden im Sommer 24 Fünftklässler aufgenommen. Weil es mehr Bewerber als Plätze gibt, müssen alle Kandidaten zu einem Aufnahmetest. Bei diesem zeigen sie mehrere Stunden lang, wie gut sie im Ballwerfen, Seilspringen, Laufen und Turnen sind.

Mats Rutemöller (10) spielt gerne Fußball und möchte mehr Sport in der Schule haben.

Mats Rutemöller (10) spielt gerne Fußball und möchte mehr Sport in der Schule haben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mats Rutemöller liebt Sport. Er spielt Fußball beim FC Anker Wismar. Seine Position ist der rechte Flügel. Weil er in der Schule mehr Sport machen möchte, will Mats in die besondere Klasse. Die gibt es seit dem Schuljahr 2003 an der Integrierten Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“. Die Schüler haben sieben Mal Sport in der Woche – das sind vier Stunden mehr als in den normalen Klassen. Schulleiterin Anka-Sybille Obermeier ist mit der Bewerberzahl in diesem Jahr sehr zufrieden. Die Kinder sind aus dem gesamten Landkreis Nordwestmecklenburg nach Wismar gekommen, unter anderem aus Klütz, Grevesmühlen und Neukloster.

Später geht es aufs Sportgymnasium Schwerin

Initiiert hat das Projekt vor 20 Jahren der damalige Stadtsportbund Wismar in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt Schwerin. Das Ziel: besonders talentierte Kinder fördern und auf einen späteren Besuch des Sportgymnasiums Schwerin vorbereiten. Trainiert werden die jungen Talente seit Langem von Doris Martin und Detlef Thormann. Beide Sportlehrer lassen sich den Aufnahmetest in der Turnhalle am Friedenshof nicht entgehen. Zu diesem sind doppelt so viele Jungen wie Mädchen gekommen. Obwohl es mehr Jungs in die Sportklasse zieht, soll diese aber gut gemischt sein. „Es geht auch um das soziale Miteinander. Und dazu gehören Mädchen“, erklärt Schulleiterin Obermeier.

Lesen Sie auch

Doris Martin und Detlef Thormann erkennen meist auf den ersten Blick, wer viel Talent hat. Aber sie wissen auch: Einige Kinder können sich noch steigern. Auf der Matte macht Amelie Nowack eine gute Figur. Kein Wunder, die Neunjährige ist Akrobatin. Zweimal in der Woche habe sie Training, ihren ersten Wettkampf vermutlich im März. Auch Mara Rüdiger macht schon viel Sport in der Leichtathletikabteilung des PSV Wismar. „Ich mag gerne Hochsprung und Sprint“, erzählt die Neunjährige. Dass sie schnell laufen kann, zeigt sie auf der 30-Meter-Strecke. Die legt sie in 4,9 Sekunden zurück.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Mara Rüdiger (9) läuft die 30 Meter – Doris Martin (l.) und Kerstin Groth (r.) stoppen und notieren die Zeit.

Mara Rüdiger (9) läuft die 30 Meter – Doris Martin (l.) und Kerstin Groth (r.) stoppen und notieren die Zeit.

Zeiten und Werte werden in Punkte umgerechnet

Wie Detlef Thormann berichtet, gehören viele Bewerber Sportvereinen der Region an. Viele spielen Handball, Fußball oder Basketball. Mit der Aufnahme in die Sportklasse würden die Fähigkeiten der Kinder weiter verbessert, wovon dann wiederum ihre Klubs profitieren. Wie gut die Kids sind, zeige sich jedes Jahr bei den Hallenmeisterschaften der Schweriner Schulen, bei denen immer viele Siege geholt werden.

Eine Helferin beim Aufnahmetest ist Sarah Dürl. Die Wismarerin spielt seit vielen Jahren leidenschaftlich gerne Handball bei der TSG. „Ich habe früher auch die Sportklasse an der Goethe-Schule besucht. An die Zeit erinnere ich mich sehr gerne zurück“, erzählt die 29-Jährige.

Sarah Dürl (29) hat früher die Sportklasse an der Wismarer Goethe-Schule besucht und war dieses Mal als Helferin beim Aufnahmetest im Einsatz.

Sarah Dürl (29) hat früher die Sportklasse an der Wismarer Goethe-Schule besucht und war dieses Mal als Helferin beim Aufnahmetest im Einsatz.

Eine weitere Helferin ist Kerstin Groth vom Kreissportbund, der das Projekt begleitet und unterstützt. Die Wismarerin ist mit den Leistungen der Kinder in diesem Jahr sehr zufrieden. Deren Zeiten und Weiten werden nun von Detlef Thormann in Punkte umgerechnet. Nach wenigen Tagen steht dann fest, wer es in die neue Sportklasse des Schuljahres 2023/24 geschafft hat. Am 26. Januar sollen die Schreiben an die Eltern rausgehen.

Mehr aus Wismar

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen