Kandidaten im Wahl-Check

Große Bühne vor der Wahl

Die Bürgermeister-Kandidaten Hannes Roggelin (v.r.), Jochen Arenz und Mike Wiedow beim OZ-Wahlforum im Gymnasium.

Die Bürgermeister-Kandidaten Hannes Roggelin (v.r.), Jochen Arenz und Mike Wiedow beim OZ-Wahlforum im Gymnasium.

Bad Doberan. „Alle Kandidaten mal persönlich zu erleben, auch über das bloße Wahlprogramm hinaus – das war schon sehr aufschlussreich“, sagte Reinhard Firzlaff und nickte zufrieden. „Ich bin heute Abend etwas schlauer geworden.“ Rund zwei Stunden hatte der Doberaner am Donnerstagabend gut zugehört –beim großen OZ-Forum zur Bürgermeister-Wahl am 21. Oktober. Dabei platzte das Foyer des Gymnasiums aus allen Nähten – rund 400 Besucher wollten sich das letzte öffentliche Aufeinandertreffen der drei Kandidaten vor der Entscheidung nicht entgehen lassen. Moderiert von OZ-Redakteur Lutz Werner und Gymnasiastin Clara Schulz (18), nahmen die Einzelbewerber Jochen Arenz und Hannes Roggelin sowie Mike Wiedow (SPD) zu den drängendsten Fragen in Bad Doberan Stellung.

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Thema Innenstadt

Mit Blick auf den zunehmenden Wechsel und auch Leerstand von Läden in der Innenstadt plädiere er für eine Ansiedlung von mehr inhabergeführten Fachgeschäften, erklärte Hannes Roggelin. „Für noch mehr Billig-Läden ist hier kein Platz – das kann aber nur als Gemeinschaftswerk funktionieren“, sagte der 28-Jährige. „Deshalb werde ich mich für die Gründung eines ­Innenstadt-Beirates aus Gewerbetreibenden, Vermietern und Stadtvertretern stark ­machen.“

Beiräte gebe es in Bad ­Doberan schon genug, meinte hingegen Jochen Arenz (53). Es gehe vielmehr um eine weitsichtige Wirtschaftsförderung: „Wenn etwa ein Händler in den Ruhestand geht, weiß ich das und setze mich schon drei Jahre vorher hin, um Ideen für das Ladengeschäft zu entwickeln.“ Noch mehr Versicherungen brauche es in der Mollistraße jedenfalls nicht mehr, ist Arenz überzeugt. Einen ­City-Manager wie in Rostock könnte sich Mike Wiedow auch für die Münsterstadt vorstellen. „Die Fachleute sind doch hier vor Ort“, betonte der 38-Jährige.

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Thema Tourismus und Kultur

„Ich finde, dass sich der Tourismus hier insgesamt gut entwickelt hat“, sagte Jochen Arenz. Es gebe den Molli, die Sommerrodelbahn, dazu viele rührige Hoteliers: „Aber die Tourist-Information muss attraktiver werden – deshalb möchte ich den Eingangsbereich des Rathauses gern in eine Lounge mit Café und ­freiem WLAN verwandeln.“ Darüber hinaus prüfe er die Ausgliederung der Tourist-Info in eine Anstalt des öffentlichen Rechts, so Arenz.

Das touristische Potenzial von Bad Doberan hätten viele Großstädte gern, meinte Mike Wiedow. „Es gibt doch ein Tourismuskonzept – das sollten wir erstmal leben und dann bei Bedarf nachsteuern.“ Er sei grundsätzlich ein Freund von Tourismuszentralen als Eigenbetrieb, sagte Wiedow: „Dabei liegt das Zepter des Handelns weiter bei der Stadt.“ Aus seiner Sicht sei das Thema Tourismus Chefsache des Bürgermeisters, machte hingegen Hannes Roggelin deutlich: „Im Prinzip haben wir hier Welterbe-Status – dafür ist seit Jahren viel zu wenig passiert.“

Thema „abgehänge“ Stadtteile

Seit Jahren gibt es auf dem Buchenberg keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. „Die Räumlichkeiten des alten Edeka-Marktes sind vermietet – die sind weg“, erklärte Jochen Arenz. In der Vergangenheit habe er immer mal wieder die Möglichkeit von „fahrenden Händlern“ ins Gespräch gebracht – „um den Menschen zumindest ein, zwei mal in der Woche die Gelegenheit zu geben, wohnungsnah einzukaufen“. Hier müsse dringend etwas passieren, meinte auch Mike Wiedow: „Wir wollen eine Stadt der kurzen Wege sein – deshalb sollten wir das Gespräch mit den ortsansässigen Firmen oder auch Anbietern von außerhalb suchen.“ Er werde sich für eine neue Bürgerbus-Linie einsetzen, versprach Hannes Roggelin: „Dieser Bus könnte stündlich verkehren und sich für die Menschen zu einem Begegnungsbereich entwickeln.“

Thema Verkehr

„Wir haben in Bad Doberan definitiv ein Verkehrsproblem“, ist Hannes Roggelin überzeugt. „Deshalb sollten wir prüfen, ob der Bau einer möglichen Umgehungsstraße im kommenden Jahr wieder in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden kann.“ Ein Ansinnen, dem Jochen Arenz verhemmt widersprach: „Ich werde alles dafür tun, dass diese Umgehungsstraße niemals kommen wird – denn das wäre der Tod für die Innenstadt.“

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Darüber hinaus hinke Bad Doberan mit Blick auf Fahrräder meilenweit hinterher, sagte Arenz: „Ich möchte viel mehr Fahrräder in die Innenstadt bekommen, Sammelparkplätze bauen – es gibt ja noch nicht mal ausgeschriebene Radwege.“ Das bemängelte auch Hannes Roggelin: „Wir haben kein Radwegenetz und keine sicheren Radwege – selbst in den neuen Wohngebieten finden sich keine vernünftigen Radwege Richtung Innenstadt.“ Bevor er über Radwege nachdenke, würde er zunächst bei den Gehwegen anfangen, sagte Mike Wiedow: „Hier sollten wir für mehr Barrierefreiheit sorgen.“ Grundsätzlich müsse sich das Rathaus mehr öffnen und auf die Menschen zugehen, machte Wiedow deutlich.

Thema Jugend

Seitdem der Jugendtreff „Stall“ seine Türen geschlossen habe, würden viele Jugendliche ihre Zeit am Doberaner Busbahnhof verbringen, sagte Gymnasiastin Clara Schulz: „Sie werden einfach nicht mehr betreut.“ Auch der Jugendclub „Kompass“ sei im Doberaner Gewerbegebiet nicht gut aufgehoben, sagte Mike Wiedow: „Die jungen Leute wollen wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken.“ Deshalb brauche es im Rathaus einen Mitarbeiter, der ein Faible für die Jugend habe, mit ihnen reden und arbeiten könne. Er habe da jede Menge Ideen, sagte Jochen Arenz: „Direkt neben der Skaterbahn könnten wir einen neuen Standort aufbauen – in unmittelbarer Nähe zur Schule und dem Sportplatz.“ Seine Pläne seien bereits durchfinanziert, so Arenz: „Und ich habe schon eine Person im Kopf, die sich gern darum kümmern würde.“ Die Jugendarbeit habe in der Stadt keine Lobby mehr, meinte auch Hannes Roggelin: „Deshalb haben UDI und Linkspartei vor einiger Zeit eine Sozialraum- und Lebensweltanalyse in Auftrag gegeben.“ Eine zentrale Figur sei hier ein Jugendpfleger: „Dieser Posten ist derzeit im Rathaus gar nicht vorhanden.“

Das mit viel Beifall bedachte Schlusswort blieb Clara Schulz überlassen: „Einer meiner Lieblingstage in Bad Doberan ist die Kulturnacht“ , sagte die 18-jährige Schülerin. „Das Ambiente in der Stadt, überall Leben – dieses Bild würde ich mir hier auch für die restliche Zeit des Jahres wünschen.“

Lennart Plottke

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