Nienhagen

Neues Datenschutzrecht verunsichert Touristiker

Im Ostseebad Nienhagen gibt es viele Ferienwohnungen und Hoteleinrichtungen. Ab Mitte Mai müssen alle Vermieter für die Gäste ein Formular ausgearbeitet haben, das dem Datenschutz dient.

Im Ostseebad Nienhagen gibt es viele Ferienwohnungen und Hoteleinrichtungen. Ab Mitte Mai müssen alle Vermieter für die Gäste ein Formular ausgearbeitet haben, das dem Datenschutz dient.

Nienhagen. Tiefe Sorgenfalten bei den Gastwirten und Ferienwohnungsvermietern im Ostseebad Nienhagen (Landkreis Rostock): Am 25. Mai treten die neuen Regelung des Datenschutzrechtes der Europäischen Union in Kraft. Darin werden vor allem die Rechte der Nutzer durch neue Transparenz- und Informationspflichten der datenverarbeitenden Unternehmen gestärkt – zum Leidwesen von kleineren Betrieben. „In diesem Thema steckt viel Brisanz, das sollte man nicht unterschätzen“, bestätigte Irina Kitzing, Leiterin der Kurverwaltung.

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Die Neuerungen für die Unternehmer stellte die Mitarbeiterin des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit MV, Lydia Kämpfe, in Nienhagen vor. Doch ihr Vortrag zu den neuen Gesetzen, die es Betroffenen unter anderem leichter machen soll, Zugang zu ihren Daten und der Information über deren Nutzung zu erhalten, rüttelte an den Gemütern der Zuhörer. Denn was für Google, Facebook & Co. sicher sinnvolle Spielregeln sind, lässt Gastwirte und Vermieter schnell an ihre Grenzen stoßen. „Das ist alles sehr aufwändig für die Vermieter, sehr viel Bürokratie“, sagte Bürgermeister Uwe Kahl. „Sie sind ja schon für die Kurtaxe zuständig und nun müssen sie sich auch um den Datenschutz kümmern.“

Gäste müssen informiert werden, was mit Daten passiert

Insbesondere die Pflicht, Gäste zukünftig ungefragt darüber zu informieren, wie mit ihren personenbezogenen Daten umgegangen wird, und an wen sie weitergegeben werden, stellt vor allem kleinere Betriebe vor eine große Herausforderung. Wer hier patzt und vergisst zu informieren, für den sieht das neue Datenschutzrecht empfindliche Bußgelder vor. Marita Bartsch von der Ferienhausvermittlung K. D. Bartsch hat für die neuen Vorgaben wenig Verständnis: „Das ist nicht nachzuvollziehen. Viele geben ihre Daten freiwillig bei Facebook & Co weiter“, sagte sie.

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Lydia Kämpfe versuchte die spürbare Verunsicherung der Gäste etwas abzumildern. „Mit einem hohen Bußgeld allein ist dem Gast, der sich bei uns über die Datenverarbeitung beschwert, noch nicht zu seinem Recht verholfen. Beratung und konkrete Anweisungen können bei der komplizierten Rechtslage oft schneller zum gewünschten Ergebnis führen.“ Wichtig sei, dass man sich zu allererst einen Überblick darüber verschaffe, was man überhaupt mit den Daten seiner Gäste anstelle. „Wer beispielsweise Daten extern in der Cloud speichert oder bei der Datenverarbeitung mit externen Dienstleistern zusammenarbeitet, muss darüber grundsätzlich auch informieren. Auch die Speicherfrist von Daten gehört dazu“, erklärte die Expertin. Im Falle von Nienhagen sieht die Satzung eine Speicherfrist von zwei Jahren vor.

Einheitliches Formular gefordert

„Wichtig wäre, dass wir Entwürfe erhalten, die wir unseren individuellen Bedürfnissen anpassen können und die rechtlich einigermaßen abgesichert sind“, forderte Kleinvermieter Martin Staemmler. Alle Beteiligten suchten anschließend gemeinsam nach möglichen Hilfestellungen für die Gastwirte und Vermieter. Das vorläufige Ergebnis: Die Kurverwaltung könnte ein Formular erstellen, dass dann für alle Betroffenen in Nienhagen anwendbar wäre. Auf der Homepage des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit soll es Hilfestellung geben. „Natürlich kann so ein Formular nicht für alle gültig sein, es muss angepasst werden“, sagte Lydia Kämpfe. Ein ausführlicher Workshop zum neuen Datenschutzrecht für Gastwirte und Vermieter wurde abschließend noch angeregt.

Sabine Hügelland

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