Rostock

Betrug bremst fairen Handel

Anja Schneider, Referentin Recht, Steuern, Handelsregisterwesen bei der Industrie- und Handelskammer Rostock (IHK).

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Rostock. Frau Schneider, wie geht das, die Zahlung der Umsatzsteuer zu umgehen?

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Anja Schneider: Diese Anbieter lagern ihre Waren bei Online-Marktplätzen wie Amazon ein. Bestellt ein Kunde, wird die Ware aus dem Lager geliefert – und ist dann eigentlich umsatzsteuerpflichtig. Viele der Anbieter, die nicht aus der EU stammen und oftmals nur Briefkastenfirmen sind, führen die Umsatzsteuer jedoch schlichtweg nicht ab. Dadurch entsteht ein Schaden von bundesweit mindestens einer Milliarde Euro pro Jahr.

In Rostock verzeichnet der Ledertaschenhersteller Gusti Leder erhebliche Umsatzeinbußen, weil die Konkurrenz aus Asien Ledertaschen im Internet ohne Umsatzsteuer rund ein Fünftel billiger anbieten kann. Welche anderen Produkte sind von diesem widrigen Wettbewerb betroffen?

Im Grunde genommen so gut wie alle Produkte. Wir wissen sicher, dass Händler von Elektrogeräten, wie PC-Mäusen und Fitnessarmbändern, oder Textilien darunter leiden. So kann man sich beispielsweise ein Brautkleid in Asien maßgerecht schneidern lassen, das Kleid wird dann über Online-Marktplätze geliefert – ohne dass der Anbieter Umsatzsteuer zahlt.

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Welche Folgen hat der Umsatzsteuerbetrug für deutsche Firmen?

Sie haben einen massiven Wettbewerbsnachteil. Weil Firmen wie Gusti Leder im Gegensatz zu den Anbietern aus Fernost Umsatzsteuern ans deutsche Finanzamt abführen müssen, können sie preislich nicht mit denen konkurrieren.

Leidet darunter auch der Einzelhandel in MV?

Ja. Für den stationären Einzelhandel stellt das Onlineshopping ohnehin eine starke, bisweilen existenzgefährdende Konkurrenz dar. Onlinehändler, die über Plattformen wie Amazon anbieten, brauchen weder Verkaufspersonal noch Warenlager oder eine Gewerbefläche, die besonders in Innenstädten sehr teuer ist. Die Chance der stationären Einzelhändler ist es, eine gute Beratung anzubieten und das Einkaufen zum Erlebnis zu machen. Doch dafür müssen sie – im Gegensatz zum Online-Händler – Personal beschäftigen. Das sollte man als Kunde bei jedem Kauf im Internet im Hinterkopf haben.

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    Thomas Luczak

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