Rostock

Doku-Premiere um Feine Sahne Fischfilet-Frontmann

Vorpremiere von „Wildes Herz“ am Rostocker Volkstheater mit Regisseur Charly Hübner und  Jan „Monchi“ Gorkow, Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet. 

Vorpremiere von „Wildes Herz“ am Rostocker Volkstheater mit Regisseur Charly Hübner und  Jan „Monchi“ Gorkow, Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet.

Rostock. Riesenandrang im Rostocker Volkstheater: So viele tätowierte und gepiercte Besucher gab es dort vermutlich selten. Sicher, das sind Banalitäten, aber sie haben Symbolkraft. Sie verströmen einen Hauch von Revoluzzertum, Auflehnung und damit den Drang nach persönlicher Freiheit, in einer Gesellschaft, in der nur zu gern in Schubladen und Klischees gedacht wird. Darum geht es in dem Film „Wildes Herz“: Ehrlichkeit, Mut zum Leben und darum, für sich und bestenfalls für andere einzustehen. Es ist ein intimes Porträt von Jan „Monchi“ Gorkow“, Frontmann der Band Feine Sahne Fischfilet, das Schauspieler und Regisseur Charly Hübner gemeinsam mit Sebastian Schultz geschaffen hat. Am Donnerstag hatte der Film Premiere in Rostock.

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In der ersten Szene sieht man „Monchi“, wie Gorkow liebevoll genannt wird, mit nacktem Oberkörper am Mikro. Er pustet, schwitzt und singt, ohne dass der Zuschauer die Musik hört. Gorkow also pur, ungestellt. Einiges ist nicht unbedingt schmeichelhaft. „Es gibt Szenen, die ich am liebsten rausgeschnitten hätte“, verrät Gorkow. „Aber letztlich sind es wahrscheinlich die Sachen, die den Film erst gut machen.“ Auch Kai Irrgang, der neben seinen Bandkollegen sitzt, ist ehrlich: „Einiges ist schon unangenehm und peinlich für Monchi. Aber der Film ist ehrlich und ich denke, er bringt ganz viel nach außen.“

Drei Jahre lang hat das Filmteam Gorkow begleitet. Entstanden ist ein Porträt des 30-Jährigen, das von der Kindheit bis zu den Landtagswahlen 2016 in MV reicht. Zu sehen sind Bilder und Videos vom kleinen Jan. „Von den ersten Monaten an voller Power“, sagt seine Mutter. „Wie an einer Zündschnur angeschlossen“, sein Vater. Und die sollte sich später noch entzünden. Vorher verrät seine Lehrerin, dass Jan eine Schwäche in Geometrie hatte und es mit dem Singen „nie so doll war“.

Trotzdem findet Gorkow den Weg zur Band – zuerst Punk, Ska, wenig politisch. Mit 14 müssen seine Eltern ihn in Dortmund aus Polizeigewahrsam abholen, weil er bei einem Fußballspiel einen Beamten angespuckt haben soll. Sie wirken sympathisch, irgendwie hilflos, trotzdem liebevoll. Auch als Hansa-Hooligans 2006 in Stendal randalieren, ist Gorkow dabei. „Ich habe eine Bullenkarre abgefackelt“, sagt er. „Es war einfach ’ne abgefuckte Zeit.“ Davon habe er sich längst verabschiedet. „Irgendwann hatte ich einfach keinen Bock mehr, Leuten aufs Maul zu hauen, nur weil sie in einer anderen Mannschaft sind.“

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Gorkows Sprache ist deftig. Ungefiltert sagt er, was er denkt. „Ich hab so viel Sexismus im Kopf, aber ich sag’ es auch.“ Mit der Band Feine Sahne Fischfilet findet Gorkow ein neues Ventil, positioniert sich mit Auftritten und Aktionen in Dresden, Anklam oder dem Open Air in Jarmen einen Tag vor der Landtagswahl 2016 klar gegen den Rechtsruck in MV. „Auch dann noch das Maul aufmachen, wenn es weh tut“, ist sein Credo.

Dennoch, unumstritten ist die Band nicht. Wegen ihrer „anti-staatlichen Haltung“ wird sie von 2011 bis 2015 im Verfassungsschutzbericht des Landes erwähnt und vom Verfassungsschutz beobachtet. „Die Bullenhelme – sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein“, zitiert Innenminister Lorenz Caffier 2015 in der Landespressekonferenz aus dem Lied „Staatsgewalt“. Den Song spiele man schon lange nicht mehr, sagt Gorkow damals der „Zeit“. Er sei schlichtweg zu platt. Mit der Kamera hält das Filmteam fest, wie die Band einen Präsentkorb zum Schweriner Innenministerium bringt – als Dankeschön für die Werbung.

Regisseur Charly Hübner spart zwar Kritisches nicht aus, lässt Politiker, Anwälte und Polizisten zu Wort kommen, dennoch lebt der Film weniger von einer kritischen Distanz als von der Nähe zur Band. „Es gab kein Drehbuch und keine gestellten Szenen“, sagt Hübner. Das Faszinierende an Gorkow: „Die Transparenz, seine Klarsichtigkeit und sein klares Leben, mit allen Ecken und Kanten“, sagt er. „Ich habe den Film gemacht, weil er jemand ist, der zu sich steht.“

Der Film besticht vor allem durch die Ehrlichkeit und Authentizität Gorkows und den Mut, Intimes preiszugeben. „Man hat schon das Gefühl, sich nackig zu machen“, sagt er. Kurz wird das wilde Herz zu einem Verletzlichen, bevor er wieder in den Monchi-Modus umschaltet: „Manche werden den Film feiern, andere verreißen, aber dann fällt mir auch kein Ei aus der Hose.“

Büssing Stefanie

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