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Rostock

Experten raten zu rechtzeitiger Darmkrebs-Vorsorge

Standen am Telefon Rede und Antwort (v.l.): Dr. Hans Joachim Stelt, Prof. Ernst Klar, Prof. Georg Lamprecht und Kristina Reichel.

Standen am Telefon Rede und Antwort (v.l.): Dr. Hans Joachim Stelt, Prof. Ernst Klar, Prof. Georg Lamprecht und Kristina Reichel.

Rostock.Bundesweit erkranken jährlich Zehntausende von Bundesbürgern an Darmkrebs. Der Vorsorge kommt deshalb eine große Bedeutung zu. Das zeigte sich auch beim OZ-Telefon-Forum zum Thema Darmkrebs am vergangenen Mittwoch. Der Vielzahl von Leserfragen stellten sich Diplom-Psychologin Kristina Reichel, Prof. Ernst Klar, Direktor der Abteilung für Allgemeine Chirurgie, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, und Prof. Georg Lamprecht, Direktor der Abteilung für Gastroenterologie an der Unimedizin Rostock, sowie der Rostocker Gastroenterologe Dr. Hans-Joachim Stelt. Hier einige wichtige Probleme und Antworten.

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Frage: Ich bin 66 Jahre alt und bei mir ist vor zehn Jahren eine Vorsorge-Dickdarmspiegelung durchgeführt worden. Soll ich mich erneut spiegeln lassen?

Antwort: Ja. Zehn Jahre nach der ersten Spiegelung wird eine zweite Spiegelung empfohlen.

Frage:Mein Mann wird nach seiner Krebsdiagnose immer niedergeschlagener, obwohl ich versuche ihm alles abzunehmen. Was kann ich tun?

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Antwort: Mit der Erkrankung schränkt sich der Handlungsspielraum oft sehr ein. Darum ist es wichtig, sich umeinander zu kümmern, aber auch, dem anderen Freiheiten und Raum für Selbstbestimmung zu lassen. Ihr Mann braucht Aufgaben, für die er auch weiterhin die Verantwortung trägt. Fragen Sie ihn, wobei er Hilfe benötigt und was er selber erledigen möchte.

Frage: Bei meinen Eltern ist im Alter von 74 und 69 Jahren jeweils ein Dickdarmkrebs entdeckt worden. Ich bin 53 Jahre alt; soll ich mich jetzt spiegeln lassen?

Antwort: Eigentlich soll man sich im Alter von 55 oder zehn Jahre vor der Diagnosestellung eines Dickdarmkrebses oder einer Vorstufe bei einem Verwandten erstmals endoskopieren lassen. Trotzdem erscheint es auch bei Ihnen bereits jetzt sinnvoll, diese Früherkennungsuntersuchung durchzuführen.<QA0>

Frage:Meine Mutter ist mit 58 Jahren an Darmkrebs verstorben. Ich selbst bin 35 Jahre alt, und diese Vorgeschichte beunruhigt mich. Was sind die Frühsymptome einer Darmkrebserkrankung?

Antwort: Grundsätzlich ist jede Änderung der Stuhlgewohnheiten auffällig. Wir reden hier natürlich nicht über einfache Magen-Darminfekte, die man leicht erklären kann. Entscheidend sind Änderungen des Stuhlgangs "aus heiterem Himmel". Unabhängig davon ist das größte Warnsignal Blutbeimengung zum Stuhlgang. Diese muss unbedingt abgeklärt werden.

Frage: Könnten auch Hämorrhoiden Ursache meiner Beschwerden sein?

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Antwort: Eine Erklärung durch ein bekanntes Haemorrhoidenleiden ist oft nicht ausreichend. Um sichtbaren Blutauflagerungen zuvor zu kommen, wurde als Früherkennungsmaßnahme der Nachweis von verborgenem Blut im Stuhl ab dem 50. Lebensjahr eingeführt. In Ihrem Fall wäre es zusätzlich wichtig, nach weiteren Krebserkrankungen in der Familie zu forschen, um die Notwendigkeit einer genetischen Beratung zu klären.

Frage:Bei mir ist der Stuhltest auf verborgenes Blut einmalig positiv gewesen. Zwei weitere blieben ohne Blutnachweis. Sollte die Darmspiegelung durchgeführt oder der Stuhltest wiederholt werden?

Antwort: Es sollte eine Dickdarmspiegelung durchgeführt werden, um zu klären ob Polypen oder gar ein Tumor Ursache des positives Testes sind. Eine Wiederholung des Testes ist nicht anzuraten, weil auch ein weiterer negativer Test keine Sicherheit bietet, dass kein Polyp und kein Tumor besteht.

Frage:Ich bin schon 84 Jahre alt, aber insgesamt in gutem Zustand. Bei mir besteht seit über 15 Jahren eine Colitis ulcerosa (chronisch entzündliche Darmerkrankung), die auch schon zu einem Darmkrebs geführt hat. Nach der Entfernung der Hälfte des Dickdarms vor vier Jahren kommt es im verbliebenen Darm immer wieder zu Adenomen, die mehrfach koloskopisch abgetragen wurden. An einer Stelle ist ein Adenom sogar schon drei Mal wiedergekehrt. Wie soll ich mich jetzt verhalten?

Antwort: Grundsätzlich empfehlen wir bei Colitis ulcerosa mit Notwendigkeit der Operation immer die Entfernung des gesamten Dickdarms einschließlich des Mastdarms. Wahrscheinlich wollte man Sie bei der ersten Operation vor vier Jahren aufgrund Ihres Alters möglichst wenig belasten und hat deshalb lediglich eine Teilentfernung des Dickdarms durchgeführt. Die Situation jetzt ist für Sie gefährlich, da die immer wiederkehrenden Adenome endoskopisch abgetragen werden müssen und ein deutliches Risiko einer Schädigung der Darmwand mit Stuhleintritt in die Bauchhöhle besteht. Da Sie in gutem Allgemeinzustand sind, sehe ich in der Empfehlung kein Problem, den verbliebenen Dickdarm und Mastdarm auch jetzt noch zu entfernen.

Frage:Würden Sie mir zu solch einer OP raten?&lt;QA0&gt;

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Antwort: Wir haben hierfür eine präzise Operationstechnik mit überschaubarer Belastung des Patienten. Nach dieser komplettierenden Operation wäre keine weitere Krebsgefahr mehr vorhanden und Sie wären in einem Schritt geheilt.

Frage:Mein Mann will nicht zur Darmspiegelung gehen. Was soll ich tun?

Antwort: Versuchen Sie nicht, ihn mit Druck zu überzeugen. Dabei entsteht eher Widerstand. Seien Sie ihm Vorbild, gehen Sie selbst zur Darmspiegelung. Sprechen Sie mit ihm über die Gründe, die ihn davon abhalten. Vielleicht können Sie den Umgang mit Darmspiegelung auch im Freundeskreis thematisieren.

Frage: Ich bin 60 Jahre alt und hatte vor einem Jahr eine Mastdarmteilentfernung bei Krebs. Der Stuhlgang ist jetzt dünnflüssig und schwer kontrollierbar, was mich beeinträchtigt. Welche Möglichkeiten gibt es, mir zu helfen?

Antwort: Dies ist eine komplizierte Situation, die man nur in einem Darmkrebszentrum verbessern kann, da unterschiedliche Ursachen eingeschätzt und gegebenenfalls behandelt werden müssen. Im ersten Schritt muss der Zustand der Darmnaht nach der vorausgegangenen Operation überprüft werden, da eine Enge Ihre Beschwerden erklären kann. Hier könnte durch eine Aufdehnung Abhilfe geschaffen werden. Sehr wichtig ist auch die Bestimmung der Schließmuskelkraft, da diese auch Jahre nach einer Operation abnehmen kann. Sollte sich hier eine Schwäche zeigen, können wir Ihnen ein systematisches Muskeltraining zur Kräfigung anbieten. In vielen Fällen steht eine Optimierung der Ernährung im Vordergrund. Hierzu wäre eine Expertenberatung durch ein Ernährungsteam nötig. Hilft dies alle nicht, muss eine genau abgestimmte medikamentöse Therapie durchgeführt werden. Die beschriebenen Therapieansätze greifen ineinander und sollten deshalb in einem Team – wie es nur in einem Darmkrebszentrum existiert – abgestimmt und durchgeführt werden.

Frage:Meine Freundin ist an Darmkrebs erkrankt. Ich weiß nicht wie ich jetzt reagieren soll. Soll ich Sie darauf ansprechen?

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Antwort: Erkrankte haben unterschiedliche Bedürfnisse. Manch einer möchte über die Erkrankung sprechen, manch einer wünscht sich eher Ablenkung. Sprechen Sie Ihre Freundin an, fragen Sie sie, was Sie sich jetzt wünscht.

Frage:Was kann ich für mich tun, um zur Heilung beizutragen?

Antwort: Nach der Diagnose erleben viele Erkrankte Gefühle von Hilflosigkeit, Angst, Wut, Traurigkeit. Diese Gefühle sind normal und Teil der Krankheitsverarbeitung. Bei der Krankheitsbewältigung geht es darum, das Gefühl von Kontrolle wiederzugewinnen. Das gelingt unter anderen dadurch, dass man sich seinen Bedürnissen zuwendet, sich konkret fragt, was brauche ich jetzt, wer tut mir in dieser Situation gut, was kann ich für mich tun? Wenn das Gefühl die Situation bewältigen zu können wieder zunimmt, sinkt damit auch die Stressbelastung und das stärkt die eigene Abwehr.

Mathias Schümann

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