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Nach Desaster auf Holzhalbinsel

Jetzt sackt auch das Petriviertel in Rostock ab

Blick vom Petrikirchturm auf das neue Petriviertel: Auch hier haben Fachleute erste Absackungen festgestellt.

Blick vom Petrikirchturm auf das neue Petriviertel: Auch hier haben Fachleute erste Absackungen festgestellt.

Rostock.Sackt das nächste Rostocker Vorzeigeviertel am Wasser ab? Nach den massiven Senkungen auf der Holzhalbinsel gibt es nach OZ-Informationen nun ähnliche Probleme im benachbarten Petriviertel. Auch dort soll das Erdreich nachgeben, erste Veränderungen seien sichtbar. Das bestätigten die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS), der „Bauherr“ des Viertels, und der Versorger Nordwasser. Unterdessen wird die Holzhalbinsel für die Hansestadt zum finanziellen Desaster: Die Sanierung der abgesackten Infrastruktur wird aus der Stadtkasse bezahlt. Bausenator Holger Matthäus (Grüne) rechnet mit einem „niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag“.

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450 Wohnungen direkt am Fluss

Wie die Holzhalbinsel gilt auch das Petriviertel als Musterbeispiel für moderne Stadtentwicklung in Rostock. Das Areal an der Warnow – so groß wie acht Fußballfelder – war über Jahrhunderte ein Gewerbegebiet, lag nach der Wende brach. Erst 2013 begann die Erschließung. Mehr als 450 Wohnungen sind seitdem entstanden, rund 1000 Rostocker haben an der Warnowstraße ein Zuhause gefunden. Und nun das: „Bei Gewährleistungsuntersuchungen und Besichtigungen wurden Niveauveränderungen festgestellt“, bestätigt Martin Lentz, Sprecher der kommunalen Wasserversorgers Nordwasser auf OZ-Anfrage. Im Klartext: An einigen Stellen sind Wasser-, Regen- und Abwasserleitungen abgesackt, an anderen wurden sie angehoben. Die betroffenen Rohre seien erst im November 2013 fertiggestellt worden. „Wir haben eine umfangreiche Prüfung veranlasst. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, können wir entscheiden, wie es weitergeht“, sagt der Nordwasser-Sprecher. „Die Versorgungssicherheit des Viertels ist derzeit nicht gefährdet“, betont Lentz.

Straßen auf Dämmen gebaut

Verantwortlich für die aufwändige Erschließung auf dem weichen Untergrund war die stadteigene RGS. Allein in den Uferpark und einen Wanderweg entlang des neuen Viertels flossen zwei Millionen Euro Städtebaufördermittel. Auch RGS-Chefin Sigrid Hecht bestätigt die Probleme. „Die Gewährleistung für die Erschließungsarbeiten läuft ab. Deshalb gab es nochmals eine Begehung. Und bei der wurden die Setzungen entdeckt.“ Im Petriviertel sei auf extrem schlechten Untergrund gebaut worden. Sämtliche Häuser wurden deshalb auf Betonpfählen tief im Erdreich gegründet. „Die Straßen und Versorgungsleitungen sind auf Dämmen gebaut.“ Dass es zu Setzungen kommen wird – die RGS hatte damit gerechnet: „Derzeit prüfen wir, ob alles im normalen Rahmen ist – oder ob Fehler bei der Bauausführung gemacht wurden. Derzeit können wir dazu noch nichts sagen.“

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Steuerzahler muss für Holzhalbinsel blechen

Nur so viel sagt Hecht dann doch noch: Die Situation im Petriviertel sei nicht mit der Holzhalbinsel vergleichbar. Das Viertel direkt am Stadthafen ist massiv von Absenkungen betroffen, Straßen und Wege reißen dort bereits auf und auch im Parkhaus gibt es Verwerfungen. Dass die Holzhalbinsel saniert werden muss, obwohl noch nicht mal alle Flächen bebaut sind, steht bereits fest. Kosten: bis zu 15 Millionen Euro. Die Stadt will noch in diesem Jahr für 150 000 Euro Planungen in Auftrag geben, wie die Probleme behoben werden können. „Die Kosten wird die Stadt allein tragen müssen“, so Bausenator Holger Matthäus. In der Vorlage heißt es: „Da vermutet wird, dass sich die Setzungserscheinungen auch in der Zukunft fortsetzen werden, soll eine Planung unverzüglich beauftragt werden.“ Denn schlimmstenfalls könnten die Leitungen dort im Erdreich brechen, das Viertel ohne Strom, Wasser und Wärme dastehen.

Auch A 20 auf weichem Untergrund gebaut

Die beiden Rostocker Stadtviertel sind aber nicht die einzigen Orte im Land, an denen Bauvorhaben auf weichem Untergrund teuer werden: Die A 20 im Bereich Tribsees ist seit mehr als einem Jahr gesperrt, nachdem die Fahrbahn abgesackt war. In dem Bereich eines Moores war die Schnellstraße auf Tausenden bis zu 22 Zentimeter dicken Stelzen gegründet worden. Diese gaben im Laufe der Jahre nach. Die genaue Ursache sollen Gutachter ermitteln. Der Bau einer Behelfsautobahn und der neuen A 20 in Bereich wird einen dreistelligen Millionen-Betrag kosten.

Andreas Meyer

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