Stichwahl um das Bürgermeisteramt

Künftiger Sanitzer Rathauschef von Gefühlen überwältigt

Der amtierende Sanitzer Bürgermeister Joachim Hünecke (FDP) begrüßt seinen Nachfolger Enrico Bendlin (CDU) in dessen künftigem Amtszimmer.

Der amtierende Sanitzer Bürgermeister Joachim Hünecke (FDP) begrüßt seinen Nachfolger Enrico Bendlin (CDU) in dessen künftigem Amtszimmer.

Sanitz. Als Joachim Hünecke vor 29 Jahren die Verwaltung der Gemeinde Sanitz übernahm, lag auf seinem Tisch eine Mappe mit der Aufschrift „Für den Nachfolger“. Darin ungeordnet alles, was zu erledigen war. So will es der amtierende Bürgermeister der Großgemeinde aber nicht machen. Wenn er am 30. April sein Amt aus Altersgründen aufgibt, kann sich Enrico Bendlin auf eine geordnete Übergabe freuen. Der 39-jährige Nachfolger, der für die CDU ins Rennen ging, hat am Sonntag die Stichwahl gegen Einzelbewerber Andreas Raatz mit 53,2 zu 46,8 Prozent gewonnen. Im ersten Wahlgang mit fünf Kandidaten hatten Bendlin nur 33 Stimmen zur absoluten Mehrheit gefehlt. Dafür war der Abstand zu Raatz mit 48,8 zu 23,1 Prozent der Stimmen vor 14 Tagen deutlich größer gewesen.

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Familie ist stolz auf den designierten Bürgermeister

„Die zwei Wochen vor der Stichwahl waren noch einmal hart. Ich habe versucht, neben der Arbeit so viele Gespräche wie möglich mit den Menschen vor Ort zu führen, um zu hören, was sie bewegt“, sagt Bendlin, der aus Sanitz stammt und aktuell noch als Büroleiter des CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Stein in Rostock arbeitet. Das vorläufige Endergebnis sei für ihn „überwältigend, auf so etwas kann man sich nicht vorbereiten“, sagte Bendlin, der kurz nach der Verkündung im Rathaus noch sichtlich mit seinen Emotionen ringen musste.

Der amtierende Sanitzer Bürgermeister Joachim Hünecke (l.) gratuliert seinem Nachfolger Enrico Bendlin (r.) zum Wahlsieg. Bendlin konnte sich in der Stichwahl mit rund 53 Prozent der Stimmen gegen seinen Mitbewerber Andreas Raatz behaupten. Mit ihm feiern Gudrun Weimer (v. l.) vom CDU-Ortsverband, Mutter Marianne Bendlin, Freundin Maria Kurland, Vater Waldemar Bendlin und Sohn Bosse.

Der amtierende Sanitzer Bürgermeister Joachim Hünecke (l.) gratuliert seinem Nachfolger Enrico Bendlin (r.) zum Wahlsieg. Bendlin konnte sich in der Stichwahl mit rund 53 Prozent der Stimmen gegen seinen Mitbewerber Andreas Raatz behaupten. Mit ihm feiern Gudrun Weimer (v. l.) vom CDU-Ortsverband, Mutter Marianne Bendlin, Freundin Maria Kurland, Vater Waldemar Bendlin und Sohn Bosse.

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Dafür war der Jubel der Anwesenden groß. „Wir sind wahnsinnig stolz auf ihn und fest davon überzeugt, dass er das gut packen wird. Vor allem, weil er sich die Kandidatur schon im Vorfeld gründlich überlegt hat“, sagt Mama Marianne Bendlin, die mit Papa Waldemar sowie der Partnerin ihres Sohnes, Maria Kurland, gekommen war. Um sich am spannenden Wahltag abzulenken, war Bendlin zuvor mit Söhnchen Bosse Schwimmen gewesen. „Ich bin total stolz auf Papa“, erklärte der Fünfjährige strahlend.

Kurzbesuch im künftigen Dienstzimmer

Trotz einer kleinen Wahlparty am Abend muss der Sieger direkt am Montag wieder ins Büro von Peter Stein, das er spätestens Ende April verlassen wird. „Ich werde in den nächsten Tagen mal mit Joachim Hünecke telefonieren, dann klären wir, wie ich es trotz Arbeit schaffen kann, möglichst viel mitzubekommen, bevor es losgeht“, so Bendlin.

Michael Austen und Sibille Wolfinger-Spillert kippen im Wahlraum im Sanitzer Kindergarten die Urne mit den Stimmzetteln aus.

Michael Austen und Sibille Wolfinger-Spillert kippen im Wahlraum im Sanitzer Kindergarten die Urne mit den Stimmzetteln aus.

Der Amtsinhaber zeigte sich mit dem Ausgang der Stichwahl zufrieden. „Die Sanitzer haben ihre Wahl getroffen und sich für eine kompetente und bodenständige Persönlichkeit entschieden“, so der scheidende Bürgermeister, der seinem Nachfolger gleich einmal dessen künftiges Dienstzimmer präsentierte. Für seine siebenjährige Amtszeit will Bendlin an den Themen festhalten, die er auch im Wahlkampf ausgegeben hat, also unter anderem die Infrastruktur der Gemeinde ausbauen. „Auch wenn zu den Zielen sicher noch ein bis zwei Realitäten dazukommen werden“, sagte er mit Blick auf anstehende Aufgaben.

Konkurrent hat dennoch Grund zu feiern

Zu den ersten Gratulanten von Bendlin zählten nach dessen Freunden und Familie auch einige der Kandidaten, die bei der Wahl um das Bürgermeisteramt unterlegen waren. SPD-Kandidat Maik Ritter sowie Einzelbewerber Detlef Chilla waren extra ins Rathaus gekommen, um den Ausgang der Stichwahl mitzuerleben. Andreas Raatz zeigte sich als fairer Verlierer. „Ich denke, ich kann dennoch stolz auf mich sein. Schon das erste Ergebnis war super, das der Stichwahl noch einmal wirklich knapp. Und das, obwohl ich alles allein gestemmt habe“, so Raatz, der noch bis zum Sonnabendabend unterwegs gewesen war, um Flyer zu verteilen. „Das ging alles nur, weil mir mein Arbeitgeber, die Polizei, viel Rückendeckung gegeben hat, für die ich sehr dankbar bin. Und sie werden sich sicher freuen, dass ich nicht gewonnen habe“, erklärte der 40-Jährige augenzwinkernd. Für ihn geht es zurück ins Landeskriminalamt, wo er im IT-Bereich arbeitet. Angestoßen würde trotz Niederlage in nächster Zeit trotzdem. „Ich konnte meinen runden Geburtstag durch den Wahlkampf nämlich noch gar nicht richtig feiern.“

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Claudia Labude-Gericke

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