Landfleischerei in Pankelow

Kurze Wege vom Stall in die Kühlzelle: Reportage aus der Landfleischerei

In der Landfleischerei Wiechmann in Pankelow: 20 Schweine werden wöchentlich im eigenen Betrieb geschlachtet: Fleischermeister Frank Finger zerlegt das Fleisch.

In der Landfleischerei Wiechmann in Pankelow: 20 Schweine werden wöchentlich im eigenen Betrieb geschlachtet: Fleischermeister Frank Finger zerlegt das Fleisch.

Pankelow. Die Woche im Landwirtschaftsbetrieb Wiechmann in Pankelow ist genau getaktet. 300 Sauen hält Landwirt Ingo Wiechmann, etwa 6000 Ferkel werden jährlich produziert und gemästet. Pro Woche werden 20 Schweine in der hauseigenen Fleischerei geschlachtet. Montag ist Schlachttag, Dienstag wird das Fleisch zerlegt, Mittwoch beginnt die Wurstproduktion. „Ab Donnerstag sind die frischen Fleisch- und Wurstwaren im Hofladen und in zwei Verkaufswagen im Angebot“, erklärt Ingo Wiechmann.

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2000 Tonnen Futter vom eigenen Acker

1992 hat er zusammen mit Vater Peter und Bruder Axel, Bürgermeister der Gemeinde Dummerstorf, Bodenflächen und Schweineställe vom Forschungszentrum Dummerstorf übernommen. Auf 400 Hektar Ackerland wird Futter für die Schweine angebaut: Raps, Getreide Zuckerrüben. „2000 Tonnen für unsere Tiere und zum Verkauf“, berichtet Wiechmann.

Regionalität und kurze Wege sind das Credo des kleinen Betriebes. Deshalb haben Wiechmanns 2001 ein eigenes Schlachthaus errichtet. „Nun sind es maximal zwei Stunden vom Stall bis in die Kühlzelle“, sagt der studierte Landwirt. Fleischermeister Frank Finger zerlegt mit Azubi Hannes Kasper die Keulen der Schweine. Fleisch für Schnitzel, Kochschinken, Wurst. Aus den Füßen werden Eisbeine oder Grillhaxen. Auch Spanferkel aus Pankelow sind beliebt.

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Ab Donnerstag läuft der Verkauf

Das Fleisch wird ladenfertig aufbereitet. Denn von Donnerstag bis Samstag werden die Waren im gerade frisch renovierten Hofladen auf dem Betriebsgelände in Pankelow angeboten. Und in zwei Verkaufswagen, die in Dummerstorf und Laage sowie in Sanitz, Tessin und Rostock-Dierkow Station machen.

In der Landfleischerei Wiechmann in Pankelow

In der Landfleischerei Wiechmann in Pankelow: Brigitte Bürger ist an zwei Tagen der Woche mit dem Verkaufsbus unterwegs.

Verkäuferin Brigitte Bürger hat für ihren Wagen die Spezialitäten vorbereitet: Bauernrouladen, Kotelettröllchen, Schaschliks, Rollbraten, Gordon bleu. „Dazu kommen viele Vorbestellungen“, sagt Brigitte Bürger. Besonders gefragt sei die hausgemachte Wurst: „Mettwurst mit Knoblauch oder Senfkörnern, Leberwurst grob und fein, jetzt in der Grillsaison die groben Bratwürste und der Kochschinken, der nicht gepresst ist, sondern pur gelassen wird“, zählt die Verkäuferin auf, die ihre Kunden in Laage und Dummerstorf und deren Wünsche sehr gut kennt.

Hoher Bedarf an regionalen Produkten

Der Bedarf an regionalen Produkten sei hoch. „Wir könnten noch mehr verkaufen“, sagt Ingo Wiechmann. Früher sei der Verkaufswagen über die Dörfer vom Darß bis hinter Güstrow gefahren. Aber das Auto sei mehr auf der Straße als im Verkauf gewesen. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden die Touren verkürzt, erklärt der Landwirt, der sich eine Förderung für mobile Verkaufswagen im ländlichen Raum wünschen würde.

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Mehr Schweine schlachten kann er nicht. „Fleischerei ist ein Handwerk“, betont Wiechmann. „Und wir machen nur das, was wir in guter Qualität auch schaffen.“ In der Landfleischerei sind zehn Festangestellte beschäftigt.

Landwirt Ingo Wiechmann hält 300 Sauen und produziert rund 6000 Ferkel im Jahr

Landwirt Ingo Wiechmann hält 300 Sauen und produziert rund 6000 Ferkel im Jahr.

In der Zuchtanlage halten Wiechmanns drei Rassen –Deutsche Landrasse, Deutsches Edelschwein und Piatrain. „Unser Fleischer kann wie aus dem Regal bestellen, was er gerade für die Fleisch- und Wurstproduktion braucht“, sagt Wiechmann. Der Vorteil der regionalen Produktion sei auch ein enger Kontakt zu den Kunden, die die Herkunft ihrer Lebensmittel immer mehr hinterfragen.

Deshalb ärgert es den Pankelower auch, dass in Teterow, im letzten großen Schlachthof in Mecklenburg-Vorpommern, Ende August die Schweineschlachtung eingestellt wird. Auch Wiechmanns haben wöchentlich 100 Schweine dahin geliefert. Doch das sei nur eine kleine Menge. Größere Mastbetriebe wie in Rövershagen oder Todendorf hätten 1000 Tiere pro Woche zur Schlachtung gebracht, weiß Ingo Wiechmann, der auch im Hybridschweinezuchtverband Nord/Ost im Vorstand aktiv ist. Nun stünden viele Betriebe in Perleberg, dem nächstgelegenen Schlachthof, unter Vertrag.

Lange Transporte sind Stress für die Tiere

Die Wege dorthin sind mindestens dreimal so lang. Und lange Transporte zur Schlachtung bedeuten oftmals Stress für die Tiere, was sich neben ethischen Aspekten auch maßgeblich auf die Fleischqualität auswirken kann. „Es wird Wasser im Fleisch eingelagert“ erklärt der Tierproduzent. Das Fleisch von kurz vor ihrem Tod verängstigten und gestressten Tieren sei oft minderwertig.

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„Wir werden durch Politik und Tierwohl-Label zum Beispiel gezwungen, den Schweinen veränderbares Spielzeug im Stall anzubieten“, erklärt Wiechmann. Aber dann würde den Mästern eine Schlachtmöglichkeit in der Nähe entzogen. „Ein halbes Jahr streicheln wir unsere Tiere hoch, und am letzten Tag werden sie durch lange Transporte gestresst und das Fleisch in der Qualität erheblich gemindert“, äußert der 52-Jährige sein Unverständnis über das mögliche Ende der Schweineschlachtung in MV.

In Pankelow ist am Montag wieder Schlachttag. Dann wird zerlegt, Wurst gekocht und geräuchert. Damit die Kunden auch in der nächsten Woche wieder frische Produkte aus der kleinen Landfleischerei auf den Tisch bekommen.

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