Biomedicum

Lebensechte Unfall-Simulationen am Uniklinikum

Professor Emil Christian Reisinger, Dekan und wissenschaftlicher Vorstand der Medizinischen Fakultät; Projektleiterin Ulrike Pressler und Uwe Sander, Geschäftsleiter für Hochschul- und Klinikbau der BBL-MV vor dem Rohbau des neuen Biomedicum.

Professor Emil Christian Reisinger, Dekan und wissenschaftlicher Vorstand der Medizinischen Fakultät; Projektleiterin Ulrike Pressler und Uwe Sander, Geschäftsleiter für Hochschul- und Klinikbau der BBL-MV vor dem Rohbau des neuen Biomedicum.

Rostock. Ein schwerer Unfall, hupende Autos, eine sterbende Person, heilloses Chaos und mittendrin ein gestresster Arzt, der den Verletzten behandeln muss – eine Vorstellung, mit der sich viele Medizinstudenten eines Tages auseinandersetzen müssen. Um sie auf solche Stresssituationen vorzubereiten, soll im Hansaviertel das hochmoderne Lehrgebäude „Biomedicum“ entstehen. Das Besondere: eine sogenannte Simulationsarena, in der Beamer lebensechte Situationen in den Raum projizieren sollen. „Es wird möglich sein, sehr intensive Szenarien zu inszenieren“, sagt Uwe Sander, zuständiger Abteilungsleiter für Hochschul- und Klinikbau vom Betrieb für Bau und Liegenschaften M-V (BBL-MV).

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Großunfall im Erdgeschoss simulierbar

Das an der Kopernikusstraße zwischen Parkhaus und Kindertagesstätte gelegene Bauprojekt umfasst das Erdgeschoss und drei weitere Etagen. In der ersten befinden sich der rund 150 Quadratmeter große Simulationssaal sowie anliegende Technikräume. Sechs bis sieben Projektoren sollen Bilder und Videos von lebensechten Umgebungen auf helle, glatte Wände werfen.

Surround-Sound-Anlagen sollen für die entsprechende Klangkulisse sorgen „Lautes Hupen und Lärm wird bei den Übungen eine richtige Stresssituation darstellen“, sagt Uwe Sander. So könne beispielsweise mit Hilfe der Simulation und Dummys oder Schauspielern eine Straßenkreuzung mit mehreren Unfallopfern dargestellt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Für Emil Reisinger, Dekan und wissenschaftlicher Vorstand der Medizinischen Fakultät, ist die Simulationsarena wichtig, damit Rostocks Medizinstudenten deutschlandweit wettbewerbsfähig bleiben. Die Übungen würden einen nötigen Schritt zwischen dem theoretischen Studium und der Behandlung eines Patienten darstellen. „Es ist mit einer Flugausbildung vergleichbar, bei der die Piloten erst an einem Simulator üben, bevor sie fliegen dürfen“, findet Reisinger.

Die Baustelle des neuen Biomedicum der Uniklinik Rostock auf dem Campus Schillingallee.

Die Baustelle des neuen Biomedicum der Uniklinik Rostock auf dem Campus Schillingallee.

Mehr Seminarräume für steigende Studentenzahl

Auch die zusätzlichen acht Seminarräume seien nötig. Aufgrund der geplanten Studiengänge Intensivpflege und Medizinische Informationstechnologie rechne die Unimedizin mit einer steigenden Studentenzahl. Die Fakultät sei mit den aktuell rund 2500 Studenten schon fast am Limit und brauche zukünftig dringend mehr Seminarräume und Hörsäle. „Für die Medizinische Fakultät ist dieses Gebäude überlebenswichtig“, betont Emil Reisinger.

Um angemessenen Lehrraum zu schaffen, wird beim Bauprojekt auf Flexibilität gesetzt. So sollen schalldichte Schiebewände zur Trennung von Seminarräumen eingebaut werden – so können sie einfach auf die Anzahl der Studenten angepasst werden. Auch sieben Großraumlabore pro Etage sollen zusätzlichen Raum schaffen.

Nachhaltiges Bauvorhaben

Christian Hoffmann, Pressesprecher der BBL-MV, betont die langfristige, flexible Nutzung des Gebäudes. Eine stabile Statik und viele Leichtbauwände würden schnelle und kostengünstige Änderungen an der Architektur zulassen, wenn diese gefordert seien. Es sei beispielsweise möglich, Wände einzureißen und Änderungen an den Raumzuschnitten vorzunehmen. „Wir können nicht davon ausgehen, dass ein Gebäude auch in vierzig Jahren noch exakt so genutzt wird, wie es jetzt ist.“ Es entspreche dem Nachhaltigkeitsgedanken, sich zukünftigen Anforderungen in der Forschung anzupassen, so Hoffmann.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Insgesamt kostet das Projekt rund 20 Millionen Euro. Etwa 67 Prozent davon werden durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung finanziert. Den Rest übernimmt das Land Mecklenburg-Vorpommern. „Von der Gesamtsumme nimmt die ganze moderne Technik knapp die Hälfte ein“, schätzt Projektleiterin Ulrike Pressler.

Das Bauprojekt startete im September vergangenen Jahres. Im Oktober wurde der Grundstein des 44 Meter langen, 31 Meter breiten und 20 Meter hohen Gebäudes gelegt. Die Fertigstellung des Rohbaus und das dazugehörige Richtfest sind für Herbst dieses Jahres geplant. 2021 soll das Vorhaben beendet sein.

Anh Tran

Mehr aus Rostock

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.