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58 neue Wohnungen in Rostock

Nach 70 Jahren: Baulücke neben Krahnstöver wird geschlossen

  In der Großen Wasserstraße klafft seit mehr als 70 Jahren eine Baulücke. Es handelt sich um einen Kriegsschaden.

In der Großen Wasserstraße klafft seit mehr als 70 Jahren eine Baulücke. Es handelt sich um einen Kriegsschaden.

Stadtmitte.Es ist die letzte große Baulücke in der östlichen Altstadt – und nach mehr als 70 Jahren wird sie nun geschlossen: Zwischen Grubenstraße und Großer Wasserstraße entstehen 58 Wohnungen, fünf Geschäfte und 50 Stellplätze in einer Tiefgarage. Stadtkonservatorin Birgit Mannewitz spricht von einem hochwertigen Bau. Typische Strukturen der östlichen Altstadt, wie rote Dächer und Putzfassaden, werden aufgenommen und modern interpretiert. Auch im Rostocker Bauausschuss gab es dafür viel Lob.

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Die Stadtkonservatorin freut sich über die konkreten Pläne. „Wir haben hier schon so viele Projekte geprüft“, sagt Mannewitz. Seit der Wende habe es mehrere Eigentümer gegeben, die aber oft vor dem schwierigen Baugrund zurückschreckten: Denn die Brachfläche, die ein Kriegsschaden ist, hat ein großes Gefälle. Auch befindet sich unter der Erde in den alten Kellergewölben ein Europäisches Fledermaus-Quartier. Der Artenschutz ist also ebenfalls zu beachten. „Und das ist sehr aufwendig“, sagt Architekt Christian Klein aus Waren an der Müritz.

Knapp 100 Fledermäuse sind in den Räumen gezählt worden. Der alte Keller muss daher nicht nur erhalten bleiben, es muss zusätzlich ein neuer für die Tiere gebaut werden. „Die Fledermäuse können die Räume dann über fünf Zugangskanäle befliegen“, sagt Klein. Experten untersuchen nach der Fertigstellung fortlaufend, ob sich die Tiere auch wohlfühlen.

Innenhof mit Balkonen und Spielplatz

Die Bauherren gehören zur Hanse Gruppe, die zur Zeit am Vögenteich 89 neue Wohnungen errichtet. Die geplanten Gebäude in der Altstadt sind bereits verkauft: Nach OZ-Informationen hat das Berliner Immobilien-Unternehmen Catella die Objekte erworben. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, soll daher mit der Umsetzung des Projektes begonnen werden. Die Bauzeit beträgt zwei Jahre.

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Am Ende sollen insgesamt 165 Menschen in den Ein- bis Vierzimmerwohnungen leben. Geplant ist ein Innenhof mit Balkonen und ein nicht-öffentlicher Spielplatz, der allerdings nur halb so groß sein soll, wie gesetzlich vorgeschrieben. Im Ortsbeirat Stadtmitte hagelte es deshalb Kritik. Schon jetzt gebe es im Viertel viel zu wenig Spielmöglichkeiten für Kleinkinder, so der Tenor. Architekt Klein verteidigte die Spielplatz-Größe damit, dass baulich mehr einfach nicht möglich sei. Zudem sei es der einzige Abweich-Antrag.

Kritik an Gebäudehöhe

So soll das Gebäude an der Großen Wasserstraße aussehen.

So soll das Gebäude an der Großen Wasserstraße aussehen.

Auf Skepsis stößt bei den Anwohnern die Höhe des Gebäudes: Der Siebengeschosser soll bis zu 18 Meter hoch werden. „Wenn man die große Wasserstraße runter geht, verliert Rostock damit ein ganz schönes Bild. Der Blick auf die beiden Kirchen ist dann komplett weg“, sagte eine Anwohnerin im Ortsbeirat.

Laut Stadtkonservatorin Mannewitz seien die früheren Gebäude an dieser Stelle jedoch noch höher gewesen. Generell werde die neue Bebauung die Attraktivität der Altstadt erhöhen, ist Mannewitz überzeugt. „Wer vom Neuen Markt die Große Wasserstraße hinuntergeht, sieht derzeit sofort die Brache und ist eher abgeschreckt.“ Viele Touristen würden das bestätigen. Der geplante Neubau werde hier neben dem Krahnstöver nun künftig ein Anziehungspunkt sein, so Mannewitz.

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Zu wenig Parkplätze?

Ein weitere Kritikpunkt ist die Zahl der Stellplätze. Zwar liegen die Bauherren mit 50 Parkplätzen deutlich über dem Soll der Stellplatzsatzung der Hansestadt. Die Anwohner halten das dennoch für nicht ausreichend. Schon jetzt herrsche in der östlichen Altstadt Parkplatznot. Und in der Bauphase könnte sich das noch weiter zuspitzen, so die Befürchtung: „Die Versorgungsfahrzeuge werden uns in dieser Zeit unsere Parkplätze wegnehmen“, sagt ein Anwohner. Architekt Klein verspricht, dass die Belastung so gering wie möglich gehalten werde. Baufahrzeuge sollen in der Tiefgarage parken.

Sorge um Krahnstöver

Ortsbeiratschef Andreas Herzog (SPD) sorgt sich um den Krahnstöver. Er befürchtet Schäden durch die Gründungsarbeiten. „Es handelt sich hier um eines der ältesten Gebäude Rostocks, da sollten wir sehr genau hinschauen. Eine Schädigung wäre fatal“, betont Herzog. Laut Klein soll nur vorsichtig gebohrt werden. Auch werde eine Wand vor den Krahnstöver gezogen.

Marion Heimhardt vom Bauamt sieht hier ebenfalls keine Probleme. Komme es zu Rissen, würden die Arbeiten sofort gestoppt und weitere Schritte erörtert, sagte sie im Ortsbeirat. Herzog ist das jedoch ein wenig zu locker. Er verweist auf die Friedrichswerdersche Schinkelkirche in Berlin, die durch den Neubau von Luxuswohnungen irreversibel geschädigt worden ist. Aus Sicht von Heimhardt werden hier Birnen mit Äpfeln verglichen.

André Wornowski

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