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Umschlagsrückgang in 2018

Rostocker Hafen plant Rekord-Investitionen

Die Hafengeschäftsführer Gernot Tesch (l.) und Jens Scharner mussten erstmals seit Jahren einen Rückgang beim Umschlag vermelden.

Die Hafengeschäftsführer Gernot Tesch (l.) und Jens Scharner mussten erstmals seit Jahren einen Rückgang beim Umschlag vermelden.

Rostock.Auf dem Papier steht ein Verlust von mehr als 1,3 Millionen Tonnen – und dennoch lächeln Gernot Tesch und Jens Scharner. Erstmals seit vier Jahren konnten die Geschäftsführer des Hafenbetreibers Rostock Port gestern keinen neuen Umschlag-Rekord für den größten deutschen Ostseehafen verkünden. „Im Vergleich zu 2017 mussten wir einen Rückgang von 3,8 Prozent hinnehmen“, sagt Tesch. Zufrieden mit dem Geschäft sei Rostock Port aber dennoch: Das städtische Unternehmen fuhr nämlich trotzdem einen Gewinn von mehr als acht Millionen Euro ein – und plant das größte Investitionsprogramm seiner Geschichte.

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Schlechte Ernten und Reparaturen treffen den Hafen

Tesch nennt auch den Grund, weshalb ihm das Minus im vergangenen Jahr keine schlaflosen Nächte bereitet: „Der Rostocker Seehafen hat kein strukturelles Problem. Der Rückgang im Umschlag ist vielen kleinen Widrigkeiten geschuldet.“ Da wäre zum Beispiel das Wetter. Im zweiten Jahr in Folge mussten die Landwirte im Land schlechte Ernte hinnehmen. Folge: Über die Kaikanten gingen fast 700 000 Tonnen weniger Raps, Gerste und Weizen. Mit 2,3 Millionen Tonnen bleibt Getreide aber das wichtigste Massengut im Hafen. Und: Sowohl beim Düngemittelhersteller Yara in Poppendorf als auch im Steinkohlekraftwerk in Rostock standen zudem 2017 die Maschinen zeitweilig still – für Wartungs- und Reparaturarbeiten. „Dadurch wurden beispielsweise 350 000 Tonnen weniger Kohle angeliefert“, so Tesch. Auch beim Chemiekonzern Dow im sächsischen Böhlen gab es Wartungsarbeiten. Das erkläre die Rückgänge im Ölhafen. Denn Dow importiert den größten Teil seines Rohbenzins über Rostock.

Fährgeschäft legt weiter zu

Bei der so genannten „rollenden Ladung“ hingegen ist der Boom im Seehafen ungebrochen: „Im Fähr- und RoRo-Geschäft haben wir ein Plus von sechs Prozent. Damit sind wir natürlich absolut zufrieden“, sagt Tesch. Vor allem im Schweden- und Dänemark-Verkehr lege Rostock nahezu unaufhörlich zu. Im Passagier-Geschäft gab es sogar einen Rekord: 2,55 Millionen Menschen reisten mit den Fähren von und nach Skandinavien – so viele wie noch nie. „Das Fährgeschäft macht mittlerweile zwei Drittel unseres Geschäfts aus“, so Tesch. Das Papier-Geschäft wuchs sogar um acht Prozent: „Die Lager sind bis unter das Dach voll.“ 2018 hatte Euroports eigens eine neue Lagerhalle eröffnet.

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Damoklesschwert Beltquerung

Geht es nach den Verantwortlichen in Rostock, dann wächst das Fährgeschäft auch weiterhin. „Aus meiner Sicht gibt es den Bedarf für zwei weitere Schiffe und den Stunden-Takt auf der Linie nach Gedser“, so Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) beim Neujahrsempfang des Hafens. Auch die geplante feste Beltquerung von Fehmarn nach Dänemark sorge ihn nicht: „Wir wollen den Tunnel. Er ist von gesamt-europäischer Bedeutung.“ Aber: Methling fordert auch, dass die Straßenanbindung des Fährhafens Gedsers auf dänischer Seite ausgebaut wird. Die Hafen-Chefs sind beim Thema Beltquerung hingegen nicht ganz so entspannt: „Die Querung ist wettbewerbsrechtlicher Unsinn“, sagt Gernot Tesch. Ob die Querung dem Rostocker Hafen schaden werden, lasse sich noch nicht abschätzen: Das hänge davon ab, wie stark der dänische Staat den Tunnel finanziell unterstütze – und wie die Preise für die Durchfahrten aussehen werden.

40 Millionen für die Zukunft

Der Seehafen jedenfalls stellt die Weichen auf Wachstum: 40 Millionen Euro werde allein Rostock Port in den kommenden Jahren in die Infrastruktur investieren, kündigt Geschäftsführer Jens Scharner an. Das sei ein neuer Investitionsrekord. Gemeinsam mit Liebherr werde 2019 der mit 165 Meter Höhe größte Hafenkran der Welt in Rostock entstehen – ein Gigant mit 1600 Tonnen Tragkraft und höher als der Kühlturm des Kraftwerks. „Dieses Vorhaben macht Rostock weltweit in der Hafen-Wirtschaft noch bekannter – und er eröffnet der Logistikbranche in ganz Europa neue Möglichkeiten“, so Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD).

In Warnemünde baut Rostock Port zudem ein neues Kreuzfahrtterminal, die Planungen für einen weiteren Kreuzfahrthafen im alten Werftbecken laufen. „Wir erneuern Kai-Anlagen und wir baggern aus“, sagt Scharner. Schon jetzt bereite sich der Hafen auf die Vertiefung des Seekanals vor – und schaffe Liegeplätze mit 16,5 Metern Tiefgang. Bisher liegt der maximale Tiefgang bei 11,5 Metern. Zudem werden die Fähranleger erweitert: „Die Schiffe werden immer größer. Wir passen die Kaianlagen und Rampen dafür an“, kündigt Hafen-Chef Scharner an. Auch Deutschlands erstes Flüssiggas-Terminal soll in Rostock entstehen – gebaut von einem russisch-belgischen Konsortium. „Wir wollen das nutzen, um die Schifffahrt sauberer zu machen“, so Scharner. Die Fährreederei TT-Line hat bereits den Bau von zwei Fähren angekündigt, die den sauberen fossilen Treibstoff nutzen sollen. Für die Kreuzfahrt-Schiffe soll zudem eine Landstrom-Anlage entstehen.

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Andreas Meyer

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