Rostock

Silvester im Windpark: Techniker feiern auf hoher See

Servicetechniker Philipp Rosenstiel (23) aus Hohen-Sprenz geht im Rostocker Überseehafen an Bord der „Esvagt Froude“.

Servicetechniker Philipp Rosenstiel (23) aus Hohen-Sprenz geht im Rostocker Überseehafen an Bord der „Esvagt Froude“.

Rostock. Andere verreisen Silvester oder gehen auf eine Party – Philipp Rosenstiel arbeitet. Im Offshore-Windpark EnBW Baltic 2. Die Anlagen hier müssen stets betreut werden, damit sofort Servicetechniker wie Rosenstiel zur Stelle sind, falls Störungen auftreten. „Ich bin jetzt das dritte Jahr in Folge Silvester auf dem Wasser“, sagt der 23-Jährige. Das sei für ihn kein Problem: „Für meine Freundin ist das auch okay. Sie geht selbst arbeiten.“ Und das Feiern mit den Freunden hole er später nach. „Nur Weihnachten wäre schwierig.“

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Die Servicetechniker von EnBW müssen an allen Feiertagen auf dem Wasser sein. Denn der Windpark Baltic 2 lässt sich nicht wie Baltic 1 von der Leitwarte in Barhöft aus betreiben. Die Entfernung ist zu weit. Rund 100 Kilometer liegen zwischen Rostock und Baltic 2, etwa 30 Kilometer sind es von Sassnitz aus. „Bei der Fahrt gingen allein zwei Stunden Arbeitszeit verloren“, sagt Torsten Richter, Serviceleiter der beiden Windparks.

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Zwölf Stunden arbeiten

Deswegen arbeiten und wohnen die Techniker an Bord der „Esvagt Froude“. Das 84 Meter lange Spezialschiff ist schwimmende Werkstatt, Ersatzteillager, Büro und Hotel in einem. Über die „Ampelmann-Brücke“ kommen die Monteure sicher auf die Windkraftanlagen und das Umspannstation. Das Hydraulik-System gleicht die Wellenbewegungen aus. „Im Sommer führen wir die großen Wartungen an den Anlagen durch. Im Winter steht eher die Entstörung im Vordergrund“, sagt Rosenstiel.

An Bord sind je nach Saison zwischen 15 und 30 Techniker untergebracht. Sie haben jeweils zwei Wochen Dienst auf dem Schiff und zwei Wochen frei. Die Monteure arbeiten zwischen sechs und 18 Uhr auf den Windkraftanlagen und der Umspannstation. An Bord gibt es jeden Tag ab 18 Uhr das gemeinsame Abendessen. Jeder kann Wünsche äußern. „Das Lieblingsessen der Servicetechniker ist Steak“, sagt EnBW-Sprecherin Stefanie Klumpp. Die Küche sei rund um die Uhr geöffnet. „Wer möchte, kann sich auch nachts ein Eis holen.“

Alle Getränke sind alkoholfrei

Silvester gibt es ein spezielles Büfett zum Abendbrot und die Mensa ist geschmückt. „Im vergangenen Jahr gab es Hummer“, sagt Rosenstiel. Zwei Köche bereiten das Essen zu und gegen 0<TH>Uhr reichen sie Fingerfood. „Da sind dann auch schon mal Windkraftanlagen aus Marzipan dabei.“ Angestoßen wird mit Bier, Sekt oder Wein. „Aber alles ist alkoholfrei wegen der Sicherheit.“

Vor zwei Jahren haben sich die Techniker sogar Cowboy-Hüte aufgesetzt und getanzt. „Der Koch war Country- und Linedance-Fan“, sagt Rosenstiel. 2016 haben die Mitarbeiter Tischkicker gespielt. „Manche gehen auch schon früh schlafen, weil wir am nächsten Tag wieder früh raus müssen. Es ist ja ein normaler Arbeitstag.“

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Kein Feuerwerk, nur kurz hupen

Ein Feuerwerk auf der Schiffsbrücke gebe es nicht – zu groß sei die Gefahr, dass andere dies als Signal auf See missverstehen könnten. „Da gibt es keine Ausnahmen an Silvester. Das Schiff hupt aber um 0 Uhr ein, zwei Mal. Und wir haben Tischknaller“, sagt Rosenstiel. Bei extrem klarer Sicht könnte er die Feuerwerke an Land sehen. Das sei aber selten. Neujahrsgrüße verschickt Rosenstiel per Handy. „Whatsapp funktioniert zum Glück, Skypen ist eher schwierig. Wir haben zwar Wlan an Bord, aber das Internet ist sehr langsam.“Zwischen 0.30 und 1 Uhr geht's dann ins Bett.

Für die Techniker lohnt sich die Arbeit an den Feiertagen. „Es gibt ordentlich Zuschläge“, sagt Service-Leiter Richter. Vor allem jüngere Kollegen würden sich für die Feiertagsdienste interessieren. „Bei Familienväter ist das eher nicht so der Fall“, sagt Richter. Die Schichten seien auch stets mehr als ausreichend besetzt. „Falls jemand wollte, könnte er auch Überstunden abbauen. Das machen aber nicht so viele“, sagt Richter.

Auch bei Sturm auf dem Wasser

Silvester soll es laut Wettervorhersage regnen und stürmen – die Servicetechniker bleiben dennoch im Einsatz. „Die Wellen können schon mal vier bis fünf Meter hoch sein“, sagt Rosenstiel. In den Hafen gehe es aber nur im äußersten Notfall. „Wir fahren dann in der Regel vor dem Darßer Ort in einen geschützen Bereich.“ Das Schiff sei selbst für eine Jahrhunderflut gewappnet. „Beim letzten Sturm mussten wir jedoch das erste Mal zurück nach Rostock.“

Laut Richter lasse sich EnBW einen speziellen Wetterbericht erarbeiten – sechs Tage im Voraus. „Das ist nicht vergleichbar mit der herkömmlichen Wettervorhersage. Wir müssen schließlich unsere Arbeit genau planen.“ Die Funktion des Windparks müsse stets gesichert sein. Auch Silvester.

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André Wornowski

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