Warnemünde

Teepott: Müssen Mieter raus?

Was für eine zauberhafte Nacht am Warnemünder Teepott, schreibt der Fotograf. Das Bild wurde am 11. November 2017 aufgenommen.

Was für eine zauberhafte Nacht am Warnemünder Teepott, schreibt der Fotograf. Das Bild wurde am 11. November 2017 aufgenommen.

Warnemünde. Er kennt den Warnemünder Teepott gut. „Von Kindesbeinen an bin ich mit meinen Eltern dort gewesen“, berichtet Christian Klein. „Eine besondere Ehrensache“ sei es jetzt für ihn, das Warnemünder Wahrzeichen zu untersuchen, sagt der 42-jährige Geschäftsführer der Architektenfirma „Ocean Architects“ mit Sitz in Waren an der Müritz. Doch die Verbindungen zu dem Bau mit der besonderen Hyparschalen-Dachform gehen darüber hinaus. „Mein Vater kannte Herrn Müther sehr gut und war selbst Tragwerksplaner.“

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Ergebnis einer Prüfung des Mütherbaus schockiert

Jetzt sind die Fähigkeiten von Christian Klein gefragt. Mit anderen Gutachtern untersuchte er den Mütherbau auf Herz und Nieren. Das Ergebnis schockierte ihn selbst. „Der Zustand ist sehr, sehr schlecht“, sagt er. „Die Verkettung der vielen Mängel sind eine Katastrophe“, sagt der Gutachter. Die Metallteile der Gas-Stahlkonstruktion rosten, weil der Korrosionsschutz nicht seelufttauglich ist. Das Tragwerk, das für die Standsicherheit des Gebäudes wichtig ist, funktioniert nicht mehr, da bei Sanierungsarbeiten zur Jahrtausendwende Träger durchtrennt wurden. Das Dach ist an mehreren Stellen undicht, Stromleitungen im Haus seien nicht ausreichend gesichert. „Der Brandschutz ist katastrophal“, sagt Klein. Seinerzeit seien bei der Sanierung große Fehler gemacht worden.„In seinen einzelnen Bestandteilen ist der Teepott nicht sanierungsfähig“, so Klein. Das Bauwerk müsse komplett entkernt und grundsaniert werden. Zusätzlich zu den veranschlagten Kosten von 20 Millionen Euro kommt ein großer Aufwand auf Planer und die Bauleute zu. Stimmt die Stadt Rostock einem Verkauf der Grundstücke zu, kann aus Sicht der Planer 2019 und 2020 gebaut werden. Eine Wiedereröffnung sei 2021 möglich.

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Bei einer Grundsanierung müssten die Mieter raus

Für die Mieter könnte das große Auswirkungen haben. Noch stehen Details nicht fest. Aber bei einer Grundsanierung müssten sie unter Umständen den Teepott räumen. Ein Mieter der ersten Stunde ist die Stadtbäckerei Junge, die dort ein Café betreibt. „Wir haben einen langfristigen Mietvertrag und setzen langfristig auf den Teepott“, so Junge-Prokurist Thomas Rupp gestern. Obwohl er die Sanierung begrüße, könne er nicht nachvollziehen, dass es zu einer Totalsanierung keine Alternative gebe. Im Café gebe es keine Beeinträchtigungen durch Gebäude-Schäden.

Stiftung will auch in Zukunft in Warnemünde investieren

Besitzerin des Teepotts und möglicher Sanierungsträger ist die Friedemann Kunz Familienstiftung, in der das Vermögen der Unternehmensgruppe Scanhaus Marlow liegt. Die Stiftung wolle auch in Zukunft in Warnemünde investieren, kündigt deren Vorsitzender Friedemann Kunz an. Gegenwärtig investiert die Stiftung in das denkmalgeschützte Gebäude „Klönklause“ am Alten Strom. Im vergangenen Jahr hat Scanhaus das „Hotel am Leuchtturm“ nach einer Grundsanierung wiedereröffnet. Scanhaus kaufte auch das Warnemünder a-ja-Resort, das Hotel „Radisson Blu“ in der Rostocker Innenstadt und am Neuen Markt die Giebelhäuser „Burwitz legendär“ und das „Alex“. Nach wie vor ist der Bau einer Tiefgarage unter den Dünen in Warnemünde im Gespräch.

Geschichte des Warnemünder Teepotts

1926: Ein Teepavillon mit Terrassen und Kuppeldächern entsteht

1945: Ein Feuer zerstört den Teepavillon

1950: Auf den Fundamenten wird ein Strandkiosk gebaut

1968: Anlässlich des 750. Geburtstages Rostocks lässt die Stadt den Teepott in der Hyparschalenarchitektur bauen. Federführend sind Planer Ulrich Müther und Stadtplaner Erich Kaufmann

1985/86: Schließung wegen Rekonstruktion und Umfunktionierung zum Restaurant

1991-2001: Schließung und Leerstand, Übergang in Privatbesitz. Mehrere gescheiterte Privatisierungs- und Nutzungsversuche. Seinerzeit gab es sogar Abrissüberlegungen

2001: Übernahme durch Rostocker Gastronomieunternehmer und einen Bauunternehmer

2001/2002: Entkernung, Umbau und Rettung vor dem drohenden Abriss

2015: Scanhaus Marlow kauft den Teepott

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    Andreas Ebel

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