Warnemünde

Toiletten in Warnemünde bald kostenfrei?

Ohne Geld eine öffentliche Toilette zu benutzen, ist in Warnemünde aktuell nicht möglich, wie Dimitri Paul (26) symbolisch zeigt.

Ohne Geld eine öffentliche Toilette zu benutzen, ist in Warnemünde aktuell nicht möglich, wie Dimitri Paul (26) symbolisch zeigt.

Rostock. Immer wieder stehen sie in der Kritik: Die öffentlichen Toiletten in Rostocks Ostseebädern. Es werden Schäden an den Anlagen, fehlende Sauberkeit, zu kurze Öffnungszeiten oder kaputte Automaten bemängelt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In Markgrafenheide wurde der Kontaktbeamte Heiko Heyden im Sommer sogar Zeuge, wie eine ältere Dame nicht mehr an sich halten konnte. „Der Automat hatte das Geld genommen, blieb aber verschlossen.“ Der Anblick sei nur schwer zu ertragen gewesen. Überhaupt werde immer wieder in der Öffentlichkeit uriniert. Grund dafür könnte der Zustand oder die Kosten für die WC-Anlagen sein. „Service und Qualität sollte das A und O sein. Die Besucher sollen doch auch wiederkommen wollen. Solch einem Problem sollte wirklich Abhilfe geschaffen werden“, erklärt der Polizist. Er wünscht sich, dass es mehr Toiletten gibt, die einwandfrei funktionieren und günstiger sind.

„Vielleicht können wir noch viel weiter gehen und schaffen es, dass Toiletten gänzlich kostenfrei sind“, antwortet Matthias Fromm von der Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde. Denn das sei auch aus touristischer Sicht begrüßenswert. Der Tourismuschef sieht darin einen Wettbewerbsvorteil. „Kostenfreie und saubere Toiletten in den Rostocker Seebädern wären eine zusätzliche Maßnahme und richtiger Schritt, um den gestiegenen Erwartungen unserer Gäste gerecht zu werden. Gleichzeitig trägt es zur Steigerung des Images unserer Destination bei.“

„Toiletten müssten generell kostenlos sein“, betont auch der Ortsbeiratsvorsitzende von Warnemünde, Alexander Prechtel (CDU). „Das ist der einzige Weg, den wir gehen können. Überall geht das bisher, nur nicht in Warnemünde.“ Der Ortsbeirat suche bereits selbst nach Mitteln und Wegen, wie man die WC-Anlagen kostenfrei gestalten kann.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Projekt braucht politische Mehrheit

Obwohl es hier scheinbar eine Einigung zwischen der Tourismuszentrale und dem Ortsbeirat gibt, ist eine greifbare Lösung noch nicht in Sicht.

Dazu müsse erst ein neuer Bürgerschaftsbeschluss her, meint Fromm. „Wir müssen gucken, ob wir dafür auch eine politische Mehrheit bekommen.“ Bisher sei die Nutzungsgebühr öffentlicher Sanitäranlagen seit April 2008 durch den Bürgerschaftsbeschluss (0527/07-BV) für alle Ortsteile der Stadt einheitlich geregelt. „Die zuständigen Ämter, die Betreiber öffentlicher Sanitäranlagen sind, setzen diese Entgeltordnung um“, antwortet er auf OZ-Anfrage.

Doch obwohl Fromm sich hier auf den Beschluss bezieht, ist darin nur von einer Gebühr von maximal 60 Cent bei vollautomatischen Anlagen und 50 Cent bei Anlagen mit manueller Bewirtschaftung die Rede. „Die Tourismuszentrale nimmt 70 Cent. Sie ist der Preistreiber Nummer Eins hier“, sagt Prechtel.

Wer soll das bezahlen?

Das Projekt bedeutet auch zusätzliche Kosten für Rostock. Jährlich nimmt die Stadt aus den 33 öffentlichen Toiletten rund 74 000 Euro ein. Schon jetzt wird der Zustand der Toiletten bemängelt. Den zu verbessern kostet allerdings Geld. „Erfahrungen aus anderen Seebädern zeigen, dass kostenfrei bereitgestellte Toiletten weniger vom Vandalismus betroffen sind und der Umgang der zur Verfügung gestellten Infrastruktur von den Nutzern verantwortungsbewusster ist“, entgegnet Fromm. Außerdem würden die Einnahmen zurzeit auch nicht die Aufwendung für die Bewirtschaftung aufwiegen. „Um eine kostenfreie Nutzung der öffentlichen Toiletten in den Seebädern zu ermöglichen, sind unterschiedliche Bewirtschaftungsmodelle inklusive alternativer Finanzierungsmöglichkeiten aufzuzeigen und in einem gemeinsamen Entscheidungsprozess von Verwaltung und Politik zu prüfen.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein Teil der Kosten könnte nach Meinung des Ortsbeiratsvorsitzenden Prechtel dann sogar gespart werden. „Die Automaten müssen regelmäßig gewartet und geleert werden, das bedeutet auch einen gewissen Personalaufwand. Den kann man sich dann sparen.“

Toilettenkonzept Thema im Ortsbeirat

Auch Prechtel ist klar, dass die Umstellung nicht an einem Tag passieren kann. „Die Toiletten werden ja von verschiedenen Ämtern geführt.“ Das bedeute einen organisatorischen und bürokratischen Aufwand. Es gebe jedoch bereits ein Konzept, laut dem die öffentlichen Toiletten alle bei der Stadtentsorgung angeschlossen werden sollen. „Die Stadtentsorgung ist bereit und das Konzept liegt seit einem Jahr in der Schublade des OB“, sagt der Warnemünder. Um das Thema voranzutreiben, habe Prechtel für die heutige Sitzung den Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) eingeladen. „Ob er kommt, weiß ich jedoch nicht.“ Kostenfreie Toiletten hätten in diesem Konzept jedoch noch keine Beachtung gefunden.

Johanna Hegermann

Mehr aus Rostock

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen