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Kommunale Gesellschaft vor dem Aus?

Verkauft Gelbensande Wohnungen an Rostock?

Im Heidering ist der Sitz der Gelbensander Wohnungsgesellschaft. Die Blöcke sollen bald eine neue Fassade erhalten.

Im Heidering ist der Sitz der Gelbensander Wohnungsgesellschaft. Die Blöcke sollen bald eine neue Fassade erhalten.

Gelbensande. In Gelbensande werden gerade die Themen für die nächste Gemeindevertretersitzung am 28. Februar vorbereitet. Gut möglich, dass es ein streitbarer Punkt auf die Tagesordnung schafft: In einem Antrag fordert Gemeindevertreter Rolf Reuter (Bürgerinteressen Gelbensande/Willershagen), einen Verkauf der Gelbensander Wohnungsgesellschaft an die Rostocker Wohnungsgenossenschaft Warnow zu prüfen. Auf Nachfrage will Reuter das nicht kommentieren. Der amtierende Bürgermeister Manfred Labitzke bestätigt allerdings, dass ein entsprechender Antrag fristgerecht vor der Sitzung bei ihm eingegangen ist.

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In dem brisanten Papier geht es darum, dass die Gemeinde Verhandlungen mit der WG Warnow aufnehmen soll, um einen Verkauf der Gesellschaft noch vor dem 1. Januar 2021 zu realisieren. Außerdem soll eine entsprechende Verkaufsabsicht der Gemeinde bis zum 15. April dieses Jahres bereits notariell bestätigt werden, zitiert Labitzke. Er plant, das Thema im öffentlichen Sitzungsteil zu behandeln.

Offen ist allerdings bis zum Sitzungstag, ob andere Mitglieder der Gemeindevertretung die Diskussion lieber nicht-öffentlich führen wollen und einen entsprechenden Antrag stellen. „Aber es geht doch um einen möglichen Verkauf von Gemeinde-Eigentum und da haben die Einwohner schon ein Recht darauf, das zu hören. Vor allem, weil es um eine Umwandlung von Miet- in Genossenschaftswohnungen geht. Eine heimliche Behandlung dieses Themas fände ich ja noch schlimmer als den Antrag an sich, dessen zeitlichen Druck ich nicht verstehe“, erklärt Labitzke.

Kritische Zeiten mit 50 Prozent Leerstand

Die kommunale Wohnungsgesellschaft Gelbensande sei 1993 mit einem Bestand von 340 Ein- bis Fünf-Raum-Wohnungen gegründet worden. Schon kurz nach dem Erwerb hätte es Modernisierungen gegeben. „Allerdings ohne einen Antrag auf Fördermittel zu stellen, sondern kreditfinanziert. Daran knabbern wir auch heute noch“, erklärt der amtierende Bürgermeister, der seit dem Rücktritt von Lutz Koppenhöle im Oktober 2018 die Geschicke der Gemeinde lenkt. Vor 15 Jahren hätte es dann eine sehr kritische Phase in der Gesellschaft gegeben – der Leerstand betrug damals 50 Prozent. „Das hat sich mit der Flüchtlingswelle 2015 geändert. Der Leerstand liegt bei etwa 13,5 Prozent, die Gesellschaft ist stabil und hat in den vergangenen drei Jahren jeweils 120 000 Euro Gewinnüberschuss erwirtschaftet“, sagt das Gemeindeoberhaupt.

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WG Warnow will Interesse nicht kommentieren

Labitzke sieht deshalb keine Notwendigkeit für einen Verkauf. Der aktuell hohe Belegungsstand ruhe nicht nur auf Flüchtlingen – auch Senioren, ausländische Arbeitskräfte oder Sozialleistungsempfänger würden die Wohnungen mit einer Miete von rund 5,40 Euro pro Quadratmeter gern nutzen. Deren Verbleib sieht Labitzke durch eine Umwandlung von Miet- in Genossenschaftswohnungen allerdings in Gefahr. „Außerdem kann sich auch nicht jeder die notwendige Einlage leisten, um Mitglied einer Genossenschaft zu werden“, so der Bürgermeister.

Die Rostocker WG Warnow will eine Kaufabsicht für die Gelbensander Gesellschaft nicht kommentieren. „Dazu sage ich nichts, da müssen sie mit der Gemeinde reden“, erklärt Vorstandsvorsitzender Hagen Hildebrandt. Seine Genossenschaft ist neben der Hansestadt erst in einer Umland-Gemeinde aktiv, besitzt Wohnungen in Groß Lüsewitz.

Entlassung als Höhepunkt eines jahrelangen Streits

Um die kommunale Wohnungsgesellschaft gibt es in Gelbensande seit Jahren Streit. Vorläufiger Höhepunkt war zum Ende des vergangenen Jahres die Entlassung des bisherigen Geschäftsführers, der gleichzeitig auch das kommunale Energieversorgungsunternehmen leitete. „Es gab dann einen Interims-Geschäftsführer, der nach zwei Wochen kündigte, was die Gemeinde 1000 Euro gekostet hat“, so der Bürgermeister. Auf eine ordnungsgemäße Ausschreibung der Stelle hätten sich zehn Interessenten gemeldet, aus denen nach Gesprächen ein neuer Geschäftsführer ausgewählt wurde. „Er fängt am 1. April an und hat erst einmal einen auf zwei Jahre befristeten Vertrag“, sagt Labitzke und erklärt, dass es im Zuge dieser Stellenausschreibung auch zum ersten Kontakt zwischen der Gemeinde und der Rostocker Wohnungsgenossenschaft gekommen sei.

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Er selbst sei nicht generell gegen die Verkaufsüberlegung, empfinde den aktuellen Antrag aber als Schnellschuss. „Das betrifft rund 1000 Mieter, die man ja auch einmal fragen könnte, ob sie das überhaupt wollen“, so Labitzke. Auch eine Teilung des Bestandes – ein Großteil für die Genossenschaft, den Rest als Sozialwohnungen – könne er sich als Diskussionsvariante vorstellen. Und noch etwas stoße ihm auf: „Während zum Beispiel Rostock und viele andere Orte auf Rekommunalisierung setzen, wollen wir unser Eigentum verkaufen? Darin sehe ich keinen Vorteil für die Gemeinde“, erklärt er.

Konkurrenten um das Amt des Bürgermeisters?

Nachdem in den letzten Jahren die kommunalpolitische Arbeit in Gelbensande von Streitereien und Misstrauen geprägt war, könnte es durch die Kommunalwahl am 26. Mai die Chance auf einen Neustart geben. Der amtierende Bürgermeister Manfred Labitzke will im Amt bleiben und tritt als Einzelbewerber an. Auch Rolf Reuter werden Ambitionen auf den Posten als ehrenamtlicher Gemeindechef nachgesagt. Nach 2014 wäre das seine zweite Bürgermeister-Kandidatur. Interessenten können sich noch bis Anfang März melden. Am 14. März soll dann der Wahlausschuss die endgültigen Kandidaten bekannt geben.

Claudia Labude-Gericke

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