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Breites Bündnis für Klimaschutz

Wissenschaftler: So kann Rostock das Klima retten

„Fridays for future“ in Rostock: In der Hansestadt gehen immer mehr Gruppen für den Klimaschutz auf die Straße.

„Fridays for future“ in Rostock: In der Hansestadt gehen immer mehr Gruppen für den Klimaschutz auf die Straße.

Rostock.Umweltsenator Holger Matthäus will in Rostock den Klimanotstand ausrufen – und damit dürfte der Grünen-Politiker bei vielen Bürgern den Nerv treffen: In der Hansestadt formiert sich ein breites Bündnis, welches mehr Engagement für den Umwelt- und Klimaschutz einfordert. Auch und gerade in der Stadtpolitik. Den Anfang haben Rostocks Schüler gemacht – mit den „Fridays for Future“-Demos. Nun gehen auch Studenten und Wissenschaftler in die Klima-Offensive.

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Wissenschaftler gehen auf die Straße

An der Universität und am Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) haben sich 25 Wissenschaftler der weltweiten Bewegung „Scientists for Future“ (zu deutsch: Wissenschaftler für die Zukunft) angeschlossen. „Weltweit demonstrieren junge Menschen für den Klimaschutz und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Als Wissenschaftler erklären wir: Diese Anliegen sind berechtigt“, sagt Kira Ludwig, Sprecherin von „Scientists for Future“ in Rostock. „Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz reichen bei Weitem nicht aus.“

Auch Dr. Gesa Mackenthun, Professorin für Nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft, gehört zu den Forschern, die ihre Stimme erheben: Jahrzehnte lang habe die Wissenschaft vor allem dem Wachstum gedient. „Aber die Wissenschaft hat sich verändert. Die Aufgabe der Wissenschaft ist die Wahrheit – und nicht das Vertreten der Interessen der Wirtschaft“, sagt Mackenthun. „90 Prozent aller Fachleute sind sich einig, dass wir den Prozess des Klimawandels noch aufhalten können – wenn wir jetzt entschlossen handeln.“ Dafür setze sie sich ein. Denn die Folge der klimatischen Veränderungen seien nicht „nur“ Überschwemmungen, Dürren, Stürme: „Auch die Flüchtlingsbewegung vom Süden in den Norden ist eine Folge. Die Umweltzerstörungen müssen von den Menschen in Afrika und Südamerika ,ausgebadet’ werden. Deshalb flüchten sie.“

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Konkrete Vorschläge der Experten

Welchen Beitrag Rostock leisten kann, welche Maßnahmen die Politik in der Hansestadt ergreifen sollte – die Wissenschaftler haben dafür einen konkreten Plan entworfen: „Unter anderem muss das Park & Ride-Angebot verbessert werden“, sagt Daniel Walia vom Lehrstuhl für Windenergietechnik. Am Schutower Kreuz etwa müssten Parkplätze für die Tausenden Pendler gebaut werden. Damit die in Schutow auf Busse und Straßenbahnen umsteigen, dürfe eine Jahreskarte für die Straßenbahn AG maximal 365 Euro kosten – einen Euro pro Tag. „Wir müssen in der Innenstadt zudem das Angebot an öffentlichen Parkplätzen reduzieren“, sagt Walias. Dann würden mehr Menschen auf den Nahverkehr umsteigen.

Rostock brauche zudem ein besseres Radwegenetz. Und: „Zur Zeit ist es eine absolute Katastrophe, wenn man mit der Bahn nach Rostock reisen möchte“, sagt Walias. Die Hansestadt brauche deutlich bessere Bahnverbindungen nach Hamburg und auch nach Berlin. Rostock müsse zudem nicht nur über Landstrom für Kreuzfahrt-, sondern für alle Schiffe im Hafen nachdenken.

Vermieter sollen Strom erzeugen

Und für noch eine Tatsache haben die Wissenschaftler kein Verständnis: „Nahezu alle Mehrfamilienhäuser in der Hansestadt gehören der stadteigenen Wiro oder aber Genossenschaften“, so Walias. Aber Photovoltaik-Anlagen oder Solarthermie – als die Technik, um Warmwasser mit Sonnenenergie zu erzeugen – seien die Ausnahme auf den Dächern. „Die Stadt muss das von Eigentümern und Investoren einfordern“, sagt der Wissenschaftler. Auch so könne die Stadt einen Beitrag leisten, um den CO2-Ausstoß zu minimieren.

Studenten gehen auf die Straße

Nicht nur die Schüler gehen in Rostock auf die Straße: Auch Studenten und Wissenschaftler machen jetzt mobil.

Nicht nur die Schüler gehen in Rostock auf die Straße: Auch Studenten und Wissenschaftler machen jetzt mobil.

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Den Protesten der Schüler schließen sich in Rostock nun auch die Studenten an: "Studenten beteiligten sich meist wenig bis gar nicht an den Demos. Das hat sich jetzt geändert", sagt Pauline Zschach. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni habe die Bewegung "Students for Future" als offizielle Hochschulgruppe anerkannt. Bereits gestern gingen die Klima-Aktivisten erstmals mit den Schülern auf die Straße. "Die Schüler haben lange genug allein demonstriert. Deswegen haben wir beschlossen, eine Hochschulgruppe zu gründen, um uns geschlossen hinter die streikende Schülerschaft zu stellen. Denn die Klimakrise betrifft uns alle und verpflichtet uns zum sofortigen Handeln", so Student Tim Tönsing. Die konkreten Forderungen der Rostocker Studenten: Deutschland soll bis 2030 aus der Kohle aussteigen und bis 2035 zum klimaneutralen Land werden.

CDU und UFR wollen Klima-Ausschuss

Auch in der neu formierten Bürgerschaft ist der Klimawandel schon vor der ersten Sitzung ein Thema: Die CDU/UFR-Fraktion fordert einen neuen Ausschuss für Umwelt und Nachhaltigkeit. Bisher würde sich mit diesen Themen der Ausschuss für Stadtentwicklung befassen – quasi nebenbei, gemeinsam mit vielen anderen Themen. „Wenn Umweltthemen ernsthaft in der Kommunalpolitik verankert werden sollen, brauche es eine eigenständige und effektive Plattform“, so CDU-Landwirtschafts- und Umweltexperte Berthold Majerus. Und weiter: „Nachhaltigkeit kann nur erreicht werden, wenn ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Nachhaltigen Erfolg werden nur Maßnahmen haben, die ökologisch wertvoll, ökonomisch realisierbar und sozial gerecht sind.“ Genau damit soll sich der Ausschuss befassen.

Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mathias Krack (UFR) begrüßt den Vorstoß seiner Fraktion: „Umweltschutz ist nicht nur eine Frage der großen Politik, sondern kann vor allem vor Ort in der Kommune mit konkreten Maßnahmen untersetzt werden. Dazu gehören vor allem auch Themen der Pflege von Grünanlagen und Erholungsgebieten.“

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