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Immer noch kein Fortschritt

Denkmal-Speicher in Greifswald verfällt weiter

Kranhäuser am Kölner Rheinauhafen – ein Vorbild für den Ryck?

Kranhäuser am Kölner Rheinauhafen – ein Vorbild für den Ryck?

Greifswald. Der große Speicher an der Marienstraße/Hafenstraße wird in diesem 82 Jahre alt. Fast ein Wunder, dass er noch steht. Schon zwei Mal wurde in diesem Jahrhundert der Abriss des Denkmals genehmigt, aber die damit verbundene Frist lief ungenutzt ab. Eine Sanierung des verfallenen Speichers gilt als unwirtschaftlich, obwohl schon mehrfach Interessenten behaupteten, genau das sei möglich. Aktuell geistert nach OZ-Informationen wieder ein Mann aus dem Land Brandenburg durch Greifswald und behauptet, er habe den Speicher gekauft.

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Das ist falsch. Eigentümer ist und bleibt das Berliner Petruswerk, das seit Jahren ankündigt, den Speicher abzureißen und an gleicher Stelle einen markanten mehrstöckigen Bau zu errichten. Seit 2010 sind die Berliner Eigentümer. Das Projekt eines 200-Betten-Kongress-Hotels mit Skybar sorgte im gleichen Jahr für Aufsehen. Acht Jahre sind seitdem vergangen. Aber mehr als Entwürfe und Konzepte gibt es bisher nicht.

Konkretere Planungen zum Speicher, dem avisierten Wohngebiet auf dem Gelände der früheren Möbelwerke an der Marienstraße und dem im Besitz der Greifswalder Quartier am Ryck GmbH befindlichen Grundstücke sollten endlich Ende letzten Jahres vorliegen. Diese Hoffnung hatte der Chef der Greifswalder Ingenieurplanung Ost, Holger Hagemann, im Juni 2018 genährt. Das war nach einem Treffen im Rathaus mit Planern, Architekten, Vertretern des Petruswerks und der Quartier am Ryck GmbH. Jetzt winkt Hagemann ab, die für Fortschritte nötigen Vorarbeiten lägen nicht vor.

Luxushotel wechselt Standort

Petruswerk-Chef Douglas Fernando sagt, dass seine Pläne im Bauamt vorlägen. Das von ihm geplante Luxushotel soll nun auf dem früheren Möbelwerkgelände und nicht an der Ecke zur Hafenstraße entstehen. Anstelle des Speichers will Fernando ein Apartmenthaus gleicher Höhe bauen. Diese Änderung löst das Parkplatzproblem für das Hotel. Denn der Speicher steht auf einem sehr kleinen Grundstück, die angrenzende Fläche (früher Bäuerliche Handelsgenossenschaft (BHG) gehört den Greifswaldern. „Wir haben Herrn Fernando Vorschläge gemacht, wie er von seinem Grundstück aufs Gelände der früheren Möbelwerke gelangen kann“, ergänzt deren Sprecher.

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Mehrere Architekten beauftragt

Fernando bestätigt einen Architektenwechsel für das Speichergelände. Das ausgewählte Berliner Büro sei nur noch für das geplante Wohngebiet an der Marienstraße zuständig. Für das Speicherareal hätten nun Braunschweiger Architekten den Hut auf. „Das Konzept soll für alle passen“, meint Fernando. 2019 soll es konkreter werden, kündigt er an. Das hat der Petruswerk-Chef allerdings auch schon 2017 gesagt.

Die Stadt hat immer wieder bestätigt, dass sie an einer Entwicklung des Geländes an der Marienstraße und Hafenstraße interessiert ist. Näheres soll der Bebauungsplan 55a regeln. Er grenzt unmittelbar an den B-Plan 55, der nach dem Willen der Stadt ein Modellprojekt für bezahlbares Wohnen werden soll (die OZ berichtete).

Appell für städtebauliches Glanzlicht am Ryck

Im B-Plan 55a wird festgelegt, ob an der Ecke Gebäude in Höhe des Speichers entstehen können. Eine Art Bestandsschutz gibt es nicht. Auch die Quartier am Ryck GmbH will städtebauliche Akzente durch hohe Gebäude setzen. Ein solches Glanzlicht könnte ein Kranhaus wie am Kölner Rheinufer sein. Die Hansestädter drängen auf Fortschritte und verweisen auf Vorschläge an das Petruswerk, wie man schneller vorankommen könne.

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Auf den drei Hektar des früheren Möbelwerks sollen einmal etwa 450 Bürger wohnen. Geplant sind nur Mietwohnungen sowie betreutes Wohnen. Einen Betreiber gibt es schon, so Fernando.

Das Bauen auf dem Terrain an der Marienstraße wird nicht nur wegen der drastischen Steigerung der Baukosten teuer. Die drei Hektar Fläche gelten laut Landesgesetz inzwischen als Wald. Das heißt, hier ist ein entsprechender Ausgleich nötig. Letztlich müssen auch diese Kosten über die Mieten refinanziert werden.

Ampelanlage an Straße An den Wurthen

Der Stillstand auf dem Gelände hat Auswirkungen auf den B-Plan 55, zumindest sofern dort in absehbarer Zeit gebaut wird. Dessen Anbindung nicht nur über die Straße An den Wurthen, sondern ebenso die Marienstraße ist nicht möglich. Die Hafenstraße soll eine Promenade sein. Darum sind Poller zwischen den B-Plänen 55 und 55a vorgesehen.

Laut den Ergebnissen der Analyse von Merkel Consult zum B-Plan 55 ist bei Aufstellung der Poller an der Einmündung der Straße An den Wurthen in die Wolgaster Straße eine Lichtsignalanlage erforderlich. Sonst kann der Verkehr zu Spitzenzeiten nicht fließen. Die Ampeln würden auch die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer deutlich erhöhen, heißt es in dem Gutachten.

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Umworbener Bau

Der 1936/37 errichtete Speicher steht seit Mitte der 1990er Jahre leer. Im Inneren befinden sich aus Beton gegossene Korntrichter, die Fassade ist verklinkert. Das erschwert eine Sanierung. Interessenten für einen Wohn- und Geschäftsbau an dieser Stelle gab es einige und eine erste Abrissgenehmigung 1996.

2002 kündigte ein Investor aus Rostock an, im Untergeschoss eine Gaststätte, eine Arztpraxis und ein Labor einrichten zu wollen. Ferner sollten 32 Wohnungen entstehen. 2002 wurde ein Gerüst aufgebaut, im Innern begannen Arbeiten. Sie wurden gestoppt, weil keine Baugenehmigung vorlag. Der Investor konnte nicht ausreichend Parkplätze vorweisen. Das benachbarte frühere BHG-Gelände gehörte damals einem Kölner, der dort eine Kfz-Werkstatt einrichten wollte.

2010 äußerte die gerade gegründete Greifswalder Schiffergilde Interesse an einer Nutzung. Nach ihren Angaben unterstützte der damalige Besitzer, ein Stuttgarter, das Vorhaben. Ende 2010 erwarb das Petruswerk den Speicher, aber die Verhandlungen für das Nachbargrundstück scheiterten.

Im Februar 2014 bot der damalige Bausenator Jörg Hochheim dem Petruswerk vergeblich eine Rückübereignung des Speichers an. Er begründete die Offerte mit inzwischen vorliegenden interessanten Ideen für das Gebäude.

Im Jahr 2015 wollte eine Investorengruppe aus Thüringen das Denkmal erwerben, sanieren und umbauen. Die Suhler wollten den Speicher aufsägen und die Beton-Trichter entfernen. Das Petruswerk verkaufte jedoch nicht.

Eckhard Oberdörfer

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