Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Bildhauer:

Der Greifswalder Hans Prütz war sehr produktiv

Atelierbild mit dem Gips zum Nexö-Relief auf der Staffelei und dem Porträt von Ursula Scheil.

Atelierbild mit dem Gips zum Nexö-Relief auf der Staffelei und dem Porträt von Ursula Scheil.

Vorpommern. Hans Prütz hat für Riemserort drei Meerschweinchen und damit Versuchstieren ein wohl einmaliges Denkmal gesetzt. Jeder Greifswalder kennt sein Relief des Dichters Martin Andersen Nexö an dem Findling an der Europakreuzung. An einer vor 50 Jahren errichteten Stele vor der Ernst-Moritz-Arndt-Gedenkstätte in Garz und der der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne in Prora fanden Abgüsse des von ihm 1953/54 geschaffenen Reliefs von Ernst Moritz Arndt Verwendung. Vorbild soll die Büste von Bernhard Afinger am Rubenowdenkmal gewesen sein.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das vielfältige Werk von Hans Prütz ist eng mit Vorpommern verbunden. So stammt auch das Relief des Schriftstellers Johannes R. Becher am Bandeliner Kulturhaus von ihm. Trotzdem ist sein Name einer breiten Öffentlichkeit kaum noch bekannt. Auch darum soll in einem neuen Heft der Greifswalder Beiträge an sein Werk erinnert werden.

Die Familie von Charlotte und Hans Prütz (etwa 1949): Hans-Joachim ist 1947 geboren, Eva und Renate 1933 und 1934, Sabine und Peter während des Krieges. Lothar, geboren wenige Tage vor der Flucht, ist nicht mehr dabei. Er starb im August 45 in Greifswald.

Die Familie von Charlotte und Hans Prütz (etwa 1949): Hans-Joachim ist 1947 geboren, Eva und Renate 1933 und 1934, Sabine und Peter während des Krieges. Lothar, geboren wenige Tage vor der Flucht, ist nicht mehr dabei. Er starb im August 45 in Greifswald.

Geboren wurde Hans Prütz am 12. September 1902 im hinterpommerschen Stargard als Sohn eines Werkmeisters. Hans Prütz absolvierte in seiner Heimatstadt eine Holzbildhauerlehre und studierte dann ab 1926 bei Kurt Schwertfeger (1897 bis 1966) Holzbildhauerei. Dieser leitete seit 1925 an der Stettiner Werkschule die Bildhauerklasse. Anschließend macht sich Prütz in Stargard selbstständig, um 1936 ging er nach Neustettin.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Wiederaufrüstung Deutschlands in der NS-Zeit bescherte auch dem pommerschen Künstler Hans Prütz Aufträge. Er arbeitete für einen der größten deutschen Truppenübungsplätze, für Groß Born bei Neustettin. Zeitweilig beschäftigte er drei Steinmetze. Auch Hitlerbüsten fertigte er. 1939 wurde Prütz eingezogen. Während des Zweiten Weltkrieges und später in englischer Kriegsgefangenschaft im Schleswig-Holsteinischen schuf Prütz Porträtköpfe.

Porträts, ob nach der Natur, nach Fotos oder graphischen Vorlagen waren die Stärke des Bildhauers. Das erwies sich auch nach der kampflosen Übergabe Greifswalds an die Rote Armee als nützlich. Es waren die Realitäten des Broterwerbs in zwei Diktaturen eines Künstlers, der vor allem von öffentlichen Aufträgen abhängig war. Und beide Diktaturen wollten Kultobjekte wie Porträts, Büsten oder Reliefs wie Hitler, Stalin oder Marx.

Das Atelier von Hans Prütz befand sich im Dachgeschoss der Langen Straße 95

Das Atelier von Hans Prütz befand sich im Dachgeschoss der Langen Straße 95

Nach Greifswald war seine Familie zu einer befreundeten Familie geflüchtet. Sein jüngster, erst 1945 geborener Sohn verstarb noch im gleichen Jahr in Greifswald. Seine Frau Charlotte bekam 1947 noch ein Kind, Offiziere der Roten Armee gehörten nun zu seinen Auftraggebern. Es entstanden für diese Lenin- und Stalinbüsten, aber auch das Porträt eines armenischen Kunststudenten. In den 1950er und der ersten Hälfte der 1960er Jahren kam man an Hans Prütz in der Universitätsstadt gewissermaßen nicht vorbei. Er erhielt viele offizielle Aufträge, porträtierte bildhauerisch zum Beispiel Goethe, Thomas Müntzer, Thälmann,und Clara Zetkin. Von Hans Prütz stammen in Greifswald auch die Gedenksteine für die Verfolgten des Naziregimes auf dem Wall und für die Opfer des Kapp-Putsches auf der Grünanlage des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums, die heute auf der Denkmalliste der Hansestadt stehen. Er schuf Bronzebildnisse des Kampfkommandanten der kampflosen Übergabe 1945, Rudolf Petershagen, und des Rektors der 500-Jahr-Feier, Gerhardt Katsch. Sie befinden sich wie einige Porträtbüsten und -reliefs im Magazin des Pommerschen Landesmuseums, zum Beispiel des Unirektors Rudolf Seeligers. Beispiele für das vielfältige Schaffen von Prütz gibt es in großer Zahl. Leider ist über den Verbleib vieler Werke wenig bekannt, zum Beispiel ist eine Porträtbüste der Greifswalder Historikerin Ursula Scheil nur durch ein Foto überliefert. Auch ob einer seiner Gibsabgüsse des Porträts von Ernst Moritz Arndt in der Greifswalder Arndtschule in den 1950er Jahren angebracht wurde, ist bisher nicht geklärt.

Büste des Gründers des Greifswalder Heimatmuseums Adolf Kreutzfeldt

Büste des Gründers des Greifswalder Heimatmuseums Adolf Kreutzfeldt

Über den im August 1945 gegründeten Kulturbund fand Hans Prütz schnell neue Kontakte in Vorpommern. Er trat der 1946 von Helmut Maletzke und Nikolaus Zaske gegründeten Künstlergruppe „Die Buhne“ bei und zeigte Werke bei deren Ausstellungen. So 1951 unter anderem ein Porträt der Greifswalder Bildhauerin Ulla P Mews, die laut Bernfried Lichtnau insbesondere Kleinplastiken mit antikisierenden Tendenzen fertigte. Die Beiden arbeiteten auch gemeinsam. Leider ist über das Schaffen von Ulla Paula Mews, immerhin eine Absolventin der 1902 von Albert Reimann in Berlin gegründeten privaten und sehr modernen Kunst- und Kunstgewerbeschule (Reimann-Schule), die auch in London wirkte, bisher wenig bekannt. Ab 1953 besaß Prütz ein Atelier unter dem Dach in der Langen Straße 95. Gegenüber erinnert ein Kürschnerwappen an sein Schaffen. Um 1964 zog Hans Prütz nach Werder an der Havel, wo er am 25. November 1972 starb.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Detlef Witt sucht für seine Publikation in den Greifswalder Beiträgen für Stadtgeschichte, Denkmalpflege, Stadtsanierung 2019 noch Informationen, zum Beispiel zu Werken in Privatbesitz

Meldungen werden bei der Lokalredaktion erbeten.

Meerschweinchendenkmal von Hans Prütz in Riemserort

Meerschweinchendenkmal von Hans Prütz in Riemserort

Detlef Witt und Eckhard Oberdörfer

Mehr aus Greifswald

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.