Schöffengericht in Greifswald

Dieser Lehrer spricht Recht

Jürgen Baumann (62) ist ehrenamtlicher Schöffe am Amtsgericht Greifswald.

Jürgen Baumann (62) ist ehrenamtlicher Schöffe am Amtsgericht Greifswald.

Greifswald. An  seinen ersten Fall kann sich Jürgen Baumann noch gut erinnern. Es ging um schweren Missbrauch des eigenen Kindes. Der Angeklagte war schizophren, kam ohne Anwalt, weil er der Meinung war, seinem Kind nur Gutes getan zu haben. Das war in den 1980er Jahren in Bremen. Abgeschreckt hat es Jürgen Baumann nicht. Im Gegenteil: Er ist seit mehreren Jahren wieder Schöffe am Amtsgericht Greifswald.

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Schöffen stellen Zeugen Fragen, fällen gleichberechtigt mit Berufsrichtern das Urteil. Sie sollen Leute aus dem ganz normalen Leben in den Gerichtsalltag bringen, für eine andere Perspektive sorgen.

„Ich glaube, die Richter sind dankbar für diesen Rat aus dem Alltag“, sagt der 62-Jährige. Sechs bis acht Verhandlungen macht er jährlich mit, es geht es um Diebstahl, Raub, Körperverletzung, Drogen, Sachbeschädigung.

Baumann lehrt an der Beruflichen Schule des Landkreises, mit Jugendlichen arbeiten, ist sein tägliches Brot. Er ist zugleich Vorsitzender der „Hochschulsportgemeinschaft Universität Greifswald“, unterrichtete jahrelang die asiatische Kampfkunst Taekwondo und war fünf Jahre Gewerkschafter des verdi-Vorgängers „Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr“ (ÖTV).

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Was ihn besonders beeindruckt hat? "Die Berufsrichter haben eine wahnsinnig tolle Fragetechnik, mit der sie tiefschürfend ergründen, was die Motive sind", so Baumann. Da hätte er bereits einige Kniffe dazu gelernt. Es gehe unter anderem darum, dass man Menschen auffordert, Klartext zu reden, statt herumzudrucksen, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Im Urteil über Schuld und Unschuld sei er sich bisher immer mit dem Richter einig gewesen.

Daniel Wittke gehört zu den Greifswalder Amtsrichtern, mit denen Jürgen Baumann Recht spricht. Er begrüßt Schöffen als „frische Augen“. Die Zusammenarbeit mit ihnen hat er immer positiv empfunden, weil andere Meinungen dabei helfen, über die Täterschaft zu entscheiden. „Es erleichtert die Arbeit, weil verschiedene Leute andere Erfahrungen mitbringen würden. Bei vielen Schöffen erlebe er zunächst ein Herantasten an den Prozessalltag. Es ist ein Transformationsprozess. Am Ende steht meist ein selbstsicheres Auftreten“, sagt Wittke.

Der Grundgedanke des Schöffenamts ist, dass das Volk an der Rechtssprechung beteiligt wird. Denn alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, sagt das Grundgesetz in Artikel 20, Absatz 2. Bis in die 1920er Jahre hinein gab es in Deutschland noch reine Geschworenengerichte. Die Schöffen sind davon praktisch übrig geblieben.

Landkreis sucht Schöffen

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald sucht Bürger zwischen 25 und 69 Jahren, die ehrenamtlich als Jugendschöffen am Land- und Amtsgericht tätig sein möchten.

Bewerbungsschluss ist am Mittwoch, dem 28. Februar.

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Voraussetzung ist eine erzieherische Fähigkeit oder Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen.

Bewerber müssen im Landkreis wohnen und ein sauberes Führungszeugnis haben. Der Schöffendienst beginnt am 1.Januar 2019 und dauert fünf Jahre.

Weitere Informationen gibt es telefonisch unter 03834/8760-1206.

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