Greifswald

Innovativ oder 0815-Platte? – Streit um neues Wohngebiet

So könnte die Hafenstraße aussehen, wenn das neue Wohngebiet fertig ist. Es soll erlaubt sein, dass Autos die Straße passieren.

So könnte die Hafenstraße aussehen, wenn das neue Wohngebiet fertig ist. Es soll erlaubt sein, dass Autos die Straße passieren.

Greifswald. Wird das neue Wohngebiet an der Hafenstraße ein visionäres Projekt mit Modellcharakter oder ein 0815-Plattenbaugebiet als Schönwalde III? Darüber stritten am Donnerstagabend während der Bürgerschaftssitzung in der Stadthalle Verfechter und Gegner. Während sich die CDU einen Architekturwettbewerb, maritimes Flair auf dem Filetgrundstück und Eigenheime gewünscht hätte, freuen sich SPD, Linke und Grüne, dass dort besonders günstige Wohnungen entstehen sollen, was wiederum Chancen für eine soziale Durchmischung eröffnen soll.

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Sascha Ott (CDU) warf der Verwaltung Intransparenz und Deals im OB-Dienstzimmer vor. Der Grünen-Fraktionschef Alexander Krüger empfindet diese Vorwürfe als blanken Hohn und „Haar in der Suppe suchen“. Immerhin sei ein solches Wohngebiet noch nie mit so breiter öffentlicher Beteiligung in Workshops und Arbeitsgruppen entwickelt worden. Während der Debatte gab es weder neue Fakten noch Erkenntnisse. Beide Seiten gingen ideologisch aufeinander los. Um es vorwegzunehmen: Am Ende stimmte das Gremium dem Masterplan und Konzept für das neue Wohngebiet mit großer Mehrheit zu (24-Ja, 13-Nein-Stimmen).

Heißt: Die Planungen der Berliner Projektentwicklungsgesellschaft UTB gehen weiter. Sie wird das sechs Hektar große Areal in einem Guss entwickeln, ein absolutes Novum in MV. Es sollen knapp 700 Wohnungen für etwa 1200 Greifswalder entstehen. Um das Grundstück für neun Millionen Euro von der Stadt kaufen zu dürfen, muss sie jedoch zunächst mehrere Bedingungen erfüllen. 20 Prozent der Wohnungen dürfen für einen maximalen Preis von 7,50 Euro beziehungsweise 5,50 Euro (falls es ein Förderprogramm für sozialen Wohnungsbau gibt) kalt je Quadratmeter vermietet werden. Außerdem dürfen nur maximal 40 Prozent der Flächen an Privatpersonen oder Institutionen für den Bau von Eigentumswohnungen vergeben werden. Der Rest der Flächen soll von sozial ausgerichteten Trägern bebaut werden. Mit dabei sind der Pommersche Diakonieverein, die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) sowie die Wohnungsgenossenschaft Greifswald (WGG).

Kernprinzip: Damit die sozial orientierten Träger günstige Wohnungen anbieten können, bekommen sie die Grundstücke günstiger verkauft als Privatpersonen. Kritiker finden es falsch, dass die günstigen Wohnungen auf Kosten weniger Normalverdiener finanziert werden sollen. Die UTB beteuert, mit diesem Konzept bereits positive Erfahrungen in vielen anderen Städten gemacht zu machen. Auf dieser Basis funktioniert die soziale Durchmischung, die sich SPD, Linke und Grüne zum Ziel gesetzt haben. „Wir wünschen uns, dass Menschen mit einem kleinen Geldbeutel und mit einem großen Geldbeutel in einem Stadtteil zusammenwohnen können“, sagt Erik von Malottki (SPD). Sollten sich keine oder nur wenige Privatpersonen finden, die auf dem Areal bauen wollen, bedeutet das jedoch kein Aus für die UTB-Pläne. In diesem Fall sollen soziale Wohnungsgenossenschaften wie die Begeno 16 einspringen und mehr Wohnungen bauen als bislang geplant. Das bestätigt der UTB-Chef Thomas Bestgen.

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Ins Konzept der CDU passt das nicht. Die Fraktion forderte immer wieder, dass auch Eigenheime auf dem Areal entstehen. In den ersten Planungen waren diese vorgesehen, wurden aber längst gestrichen, damit noch mehr Wohnungen enstehen können. Ursprünglich waren 450 bis 550 Wohnungen für 1000 Greifswalder vorgesehen, mittlerweile sind es knapp 700.

Zurück zur Debatte: Die CDU eröffnete die Diskussion mit einem etwa 30 Fragen umfassenden Katalog, der mehrere Mitglieder auf die Palme brachte. „Sie haben alle diese Fragen schon gestellt. Falls Ihnen die Antworten nicht ausgereicht haben, hätten Sie die Liste an Fragen schon vor vier Wochen einreichen können“, moniert Monique Wölk (SPD). Auch Jörn Kasbohm, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei, macht deutlich, dass die Fachausschüsse zum Klären von Fragen da sind, es bei einer Bürgerschaftssitzung darum gehe, Argumente auszutauschen. Projektentwickler Klaus Boehmer stellt klar, dass er der CDU-Fraktion angeboten habe, in deren Sitzung zu kommen, um alle Fragen zu klären. „Ich habe nie eine Antwort bekommt“, sagt Böhmer.

Degrassi Katharina

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