Geschichte

„Personelles Desaster“ im Landesarchiv Greifswald

Das Landesarchiv in der früheren Kaserne am Nexöplatz

Das Landesarchiv in der früheren Kaserne am Nexöplatz

Demmin. Das Landesarchiv Greifswald „versucht, mit drei Archivaren nicht unterzugehen“, schätzt Irmfried Garbe die Situation in der früheren Kaserne am Nexöplatz ein. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für pommersche Kirchengeschichte sprach zur Eröffnung des ersten Tags der pommerschen Landesgeschichte, dem Nachfolger der traditionsreichen Demminer Kolloquien.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Garbe kennzeichnete die Situation des „pommerschen Gedächtnisses“ als personelles Desaster, denn es habe weniger Mitarbeiter als ein normales Kreisarchiv. „Das Landesarchiv kann seine Aufgaben seit Jahren nicht mehr wahrnehmen.“ Derzeit arbeite in Greifswald kein einziger wissenschaftlicher Archivar. Solche Fachkräfte seien aber nötig, um die Bestände zu erschließen und reale Zahlen zu Schäden zu bekommen. Seit dem Zweiten Weltkrieg werden die Akten unter dafür nicht geeigneten Bedingungen verwahrt. Das ist heute Konsens und wird auch vom Bildungsministerium anerkannt. Darum soll neben dem im Bau befindlichen neuen Greifswalder Stadtarchiv ein neues Haus für das Landesarchiv gebaut werden. Mehr Personal bedeutet das nicht zwangsläufig. Aber ohne die Erschließung der Bestände kann es auch die immer wieder als Allheilmittel gepriesene Digitalisierung des Schriftgutes nicht geben.

Laut Garbe müsste es in Greifswald mindestens zwei wissenschaftliche Archivare, vier Mitarbeiter im gehobenem Dienst und zwei weitere Archivmitarbeiter geben. „Eine unabhängige Untersuchung würde das mit Sicherheit bestätigen“, so der Kirchenhistoriker. Garbe erinnerte daran, dass die meisten vorpommerschen Stadtarchive wie Demmin, Wolgast oder Jarmen als Deposita in Greifswald verwahrt werden. Die Überlieferung sei damit anders als in Mecklenburg auf das Landesarchiv geradezu fokussiert. Die Einrichtung benötige auch Personal, um die Erinnerungskultur zu pflegen, für Öffentlichkeitsarbeit und die Arbeit mit Schulen, so Garbe.

Eckhard Oberdörfer

Mehr aus Greifswald

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen