Wahl zur Bürgerschaft

So wählen Greifswalds Stadtteile

Hier wählten viele die Grünen: Greifswald vom Turm der Marienkirche aus gesehen.

Hier wählten viele die Grünen: Greifswald vom Turm der Marienkirche aus gesehen.

Greifswald. Die Stadt ist schwarz-grün: Ist die Innenstadt sogar der Prenzlauer Berg von Greifswald? Wie in dem Berliner Szene-Stadtteil wird in der Greifswalder Innenstadt vorrangig Grün gewählt. Die CDU dominiert außerhalb der Innenstadt. Die OZ-Wahlanalyse zeigt auch, dass viele AfD-Anhänger in Großwohnsiedlungen leben. Die Linkspartei belegte einzig auf der Insel Riems den ersten Platz. In Schönwalde II teilt sie ihn sich mit der CDU.

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Jeder Dritte in der Innenstadt wählt grün

Die Umweltpartei machte vor allem die Innenstadt mit den sanierten Altbauten und Kneipen zu ihrer Hochburg. Die Grünen erreichten den höchsten Stimmanteil von 30,3 Prozent in der historischen Altstadt und der Steinbeckervorstadt. Die CDU schaffte es dort nur auf 13 Prozent. Die meisten Stimmanteile gewannen die Christdemokraten dagegen in Groß Schönwalde. Auffällig: Die AfD sicherte ihre Stimmen vor allem in den Plattenbausiedlungen Ostseeviertel, Schönwalde I/Südstadt und Schönwalde II. Noch stärker als dort schloss die AfD prozentual auf dem Riems, in Friedrichshagen und Groß Schönwalde ab.

AfD im Zentrum schwach

Die geringsten Stimmenanteile holte die AfD dort, wo die Grünen dominieren: In der Innenstadt/Steinbeckervorstadt und der Fleischervorstadt erreichte sie maximal 6,2 Prozent. Die Grünen fahren mit der Innenstadt ihre höchsten Ergebnisse gerade dort ein, wo die Cafés und Shoppingmeile vor der Haustür liegen und die Mieten hoch sind. Gegen den Eindruck einer Partei der Besserverdienenden wehrt sich jedoch Grünen-Politiker Christoph Oberst. „Ja, unsere Klientel wohnt auch in der Innenstadt und schon immer haben wir dort gute Wahlergebnisse erzielt“, sagt der Kreisgeschäftsführer der Partei. „Allerdings wählen uns auch viele Studenten, unabhängig von ihrem Wohnort. Ihnen geht es um berechtigte Sorgen in der Klimapolitik.“

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Wahlergebnisse Bürgerschaft nach Stadtteilen Greifswald

Wahlergebnisse Bürgerschaft nach Stadtteilen Greifswald

Linke gewinnen auf dem Riems

Außerhalb der Innenstadt konnten die Grünen auch in der Südstadt und Schönwalde II punkten. Gewinnen konnten sie im Plattenbaugebiet aber nur im Wahlbezirk 91, zu dem das Studentenwohnheim in der Makarenkostraße gehört. Dagegen scheinen im Plattenbau die Protestwähler zu leben: Die einzigen Wahlbezirke, in denen die AfD und Linke Siege einfährt, liegen im ansonsten CDU-dominierten Schönwalde II. So konnte die AfD den Wahlbezirk 95 mit 21 Prozent der Stimmen gewinnen, während im Wahlbezirk 94 direkt daneben die Linkspartei mit 21,6 Prozent knapp vor der AfD landete. In beiden Wahlbezirken gingen die Bewohner des Ernst-Thälmann-Rings, der Tolstoistraße oder der Maxim-Gorki-Straße wählen. Der Ortsteil Riems mit seiner vorrangig älteren Bevölkerung bleibt Hochburg der Linkspartei.

CDU gewinnt in den meisten Stadtteilen

„Ich denke, dass Menschen in sozial prekären Verhältnissen, die mit ihrer Situation unzufrieden sind, eher die AfD oder die Linkspartei wählen“, erklärt sich AfD-Mann Nikolaus Kramer das Wahlergebnis. Zudem hätten auch Themen wie innere Sicherheit und Aufwertung der Wohnquartiere die AfD-Wähler überzeugt. Die Linke erhält ihre höchsten Stimmanteile in Schönwalde I/Südstadt, Schönwalde II und Friedrichshagen. Die Tierschutzpartei kam in Schönwalde II mit 7,1 Prozent auf ihren besten Wert.

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Insgesamt erfolgreichste Partei bleibt die CDU: Die Christdemokraten konnten trotz Stimmenverlusten prozentual die meisten Anhänger in Schönwalde II, dem Ostseeviertel und Schönwalde I/Südstadt mobilisieren. Auch in den Stadtteilen wie Groß Schönwalde, Eldena und Friedrichshagen mit ihren Eigenheimen setzten die meisten Wähler ihr Kreuz bei der CDU.

Viele Nichtwähler in Schönwalde II

In Schönwalde II, Schönwalde I/Südstadt war die Wahlbeteiligung am geringsten. Dort wählte am Sonntag nur etwa jeder Dritte. Die offensichtlich fehlende Begeisterung für die Demokratie erklärt sich SPD-Mann Ibrahim Al Najjar durch den Frust, der entstehe, wenn das Geld knapp und die Straßen und Spielplätze im Stadtteil kaputt sind.

Eine enttäuschende Wahl war es für die SPD, die in der Innenstadt und auf der Insel Riems ihre höchsten Stimmanteile von mehr als zwölf Prozent einfuhr. Generell blieb sie aber unter ihren eigenen Erwartungen. „Ich habe Leute getroffen, die mir gesagt haben, dass sie mich persönlich mögen und gerne wählen möchten. Aber der SPD wollen sie ihre Stimme nicht geben“, sagt Al Najjar, der für das schlechte Wahlergebnis vor allem die Bundespolitik verantwortlich macht. „Ich habe noch keinen Wahlkampf erlebt, in dem die Leute so sauer und enttäuscht von der SPD waren.“ Vom starken AfD-Ergebnis sei er „schockiert“.

Briefwahl: Meiste Stimmen für Grüne und CDU

Mehr Menschen als je zuvor gaben ihre Stimme per Briefwahl ab: Mit 7263 Menschen waren es knapp 2000 mehr als bei der letzten Kommunalwahl 2014. Die Briefwahlergebnisse deckten sich mit den Ergebnissen in den Wahllokalen. So holten im Bereich 1 (Innenstadt/Steinbeckervorstadt, Fleischervorstadt, Nördliche und Südliche Mühlenvorstadt) die Grünen 24,8 Prozent der Stimmen. Die CDU wurde am häufigsten im Bereich 2 (u.a. Fettenvorstadt und Schönwalde I) sowie im Bereich 3 (u.a. Schönwalde II und Ostseeviertel) mit 22,8 bzw. 25 Prozent gewählt.

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Christopher Gottschalk

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