Denkmalschutz

St. Nicolai in Gützkow ist ein Sanierungsfall

Pastor Hans-Joachim Jeromin vor der Gützkower Kirche St. Nicolai.

Pastor Hans-Joachim Jeromin vor der Gützkower Kirche St. Nicolai.

Gützkow. Der Kirchturm von Gützkow ist weithin sichtbar. Wer durch den Ortskern fährt, kommt nicht umhin, einen Blick auf den imposanten Feldsteinbau zu werfen. Bei ihm handelt es sich um die „größte zweischiffige evangelische Kirche im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis“, sagt Pastor Hans-Joachim Jeromin stolz. Doch St. Nicolai geht es schlecht. Das Mauerwerk bröckelt. Am Fuße des Gebäudes bezeugen herausgefallene Steine und Fugenreste ein Problem, das Jeromin mit großer Sorge sieht. Waren die Schäden in der Vergangenheit noch klein, sind sie jetzt bei einem Rundgang selbst für Laien unübersehbar. „So richtig akut wurde es im Frühjahr. Und das Schlimme: Wenn es regnet, dringt durch die offenen Fugen Wasser ins Kircheninnere“, sagt der Pastor.

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Für Katharina Hardt, Kirchenbaubeauftragte für die Propstei Demmin, steht deshalb zweifelsfrei fest: „Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf. Das Mauerwerk ist ganz offensichtlich schlecht, eine Sanierung unbedingt erforderlich.“ Eine Kostenschätzung vom vergangenen Jahr geht von 195000 Euro aus, um die Außenhülle wieder wetterfest zu machen. „Die Strebpfeiler müssen repariert, die Fugen, die bis zu 30 Zentimeter tief sind, saniert werden“, verdeutlicht Jeromin. Doch woher das Geld nehmen? Die Kirchengemeinde selbst kann das Projekt mit ihren Mitteln nicht stemmen. Sie stellte deshalb beim Land einen Antrag, um Mittel aus dem Strategiefonds für Kirchen zu bekommen. Bei diesem Fonds handelt es sich um ein für diese Legislaturperiode zwischen CDU und SPD vereinbartes Instrument, „mit dem wir insbesondere aktive Kirchengemeinden im ländlichen Raum unterstützen wollen“, sagt CDU-Landtagsabgeordneter Egbert Liskow bei seinem Besuch in Gützkow.

Schaden am Mauerwerk.

Schaden am Mauerwerk.

Aktiv ist die Gützkower Kirchengemeinde zweifelsfrei. Allein im Kinder- und Jugendbereich gibt es mehrere Gruppen, die sich regelmäßig treffen. Der Kirchenchor sowie vier Frauen- und eine Männerrunde komplettieren das Gemeindeleben. Die Kirche in der Kleinstadt ist also weit mehr als ein Denkmal, in dessen Turm Falken und Dohlen nisten. Doch ob tatsächlich Geld aus dem Strategiefonds nach Gützkow fließt, ist derzeit noch unklar. Denn der Bedarf im ganzen Land sei riesig, so Liskow: „Zurzeit liegen uns insgesamt 90 Anträge aus Kirchengemeinden vor. 20 wurden bereits bewilligt. Würden alle berücksichtigt, wären die 9,64 Millionen Euro im Fonds schon alle“, gibt der Greifswalder zu bedenken. Trotzdem macht er Jeromin Hoffnung: „Die Notwendigkeit besteht hier, keine Frage, und Gützkow hat sicher eine Chance, da es keine Riesensumme ist“, sagt er. Doch die Entscheidung werde erst in zwei, drei Monaten fallen.

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Dann nahen schon wieder die Herbststürme mit viel Wind und Regen – und weitere Zeit verstreicht, die die Baukosten womöglich noch mehr in die Höhe treibt. „Unsere allererste Kostenschätzung von 2015 ging noch von 135000 Euro aus“, sagt Jeromin. Der Boom der Baubranche lasse die Preise von Jahr zu Jahr in die Höhe klettern. „Und wenn wir das dann irgendwann geschafft haben, müssen wir auch an die Innensanierung denken. Denn die Wasserschäden müssen ja auch repariert werden.“

Kirchenbaubeauftragte Katharina Hardt versichert, dass sich auch der Kirchenkreis am ersten Bauabschnitt beteiligen werde. Mit welcher Summe – das sei noch offen. So bleibt dem Pastor nur, sich in Geduld zu üben. Und nebenbei zuzusehen, wie die Kirche weiter Schaden nimmt. Auch am Dach, das über ein Hilfsprojekt eines westdeutschen Kirchenkreises 1992 erneuert wurde. „Leider wurden damals nur Jacobipfannen verbaut, die für unsere Verhältnisse viel zu leicht sind“, bedauert Jeromin. Die Folge: Immer wieder mal muss er eine Firma und Hebebühne ordern, um herabgefallene Ziegel ersetzen zu lassen. Das sei teuer. Auch Dachrinnen seien damals nicht installiert worden, weil sie mit dem Denkmalschutz angeblich unvereinbar seien. So läuft der Regen vom Dach direkt übers Mauerwerk.

Petra Hase

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