Theater Vorpommern

Theater Greifswald: Haus muss deutlich länger schließen als geplant

Das Haus des Theaters Vorpommern in Greifswald.

Das Haus des Theaters Vorpommern in Greifswald.

Greifswald. Schlechte Nachricht für das Theater Vorpommern und alle Freunde der Kunst: Der lang diskutierte und teure Plan für eine Ersatzspielstätte während der Sanierung des Theaterhauses in Greifswald gerät gehörig ins Wanken. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG erklärte, kann Januar 2023 nicht als Umzugstermin für das Theater gehalten werden.

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Das Theater Greifswald muss saniert werden. Nach 100 Jahren braucht das Haus eine Generalüberholung – Konzerte, Ballett oder ein Schauspielstück in dieser Zeit auf der alten Bühne ist nicht denkbar. Da für die Arbeiten drei Jahre veranschlagt werden, haben Stadtverwaltung und auch die Bürgerschaft früh über einen denkbaren Ersatz diskutiert.

Ambitionierter Zeitplan hält nicht

Vier Szenarien standen zur Wahl. Am Ende setzte sich in einer eigens einberufenen Sondersitzung der Bürgerschaft die teuerste, aber auch für das Theater beste Lösung durch: Am Museumshafen soll ein riesiges Zelt entstehen, das als Bühne genutzt werden kann. Dazu 15 Container, die als Räumlichkeiten für Schauspieler, Musiker, Technik wie Ton und Licht und Heizung des Zeltes dienen. Immerhin sollen hier bis zu 400 Gäste Platz finden.

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Der Zeitplan war von Beginn an ambitioniert. Im Februar wurden die Verträge mit dem Unternehmen finalisiert. Im Sommer sollen die Arbeiten beginnen und im Winter ein neues Zelt auf der Wiese am Museumshafen stehen. Anfang kommenden Jahres wäre dann das Theater eingezogen.

Verwaltung und Werkstätten sollten in der Stadt verteilt neue Quartiere finden. Etwa in der Friedrich-Loeffler-Straße 8. Der Block wurde von der Verwaltung genutzt, steht aktuell leer. Doch all diese Pläne fallen nun auseinander.

Kein Theater für ein ganzes Jahr?

Ein Termin steht fest: Am 7. Juni findet die letzte Vorstellung im Theater statt – eine große Party soll es werden. Danach wäre planmäßig ein halbes Jahr Pause. Im Januar hätte das Ensemble dann in das neue Zelt einziehen sollen. Stehen wird es dann wohl auch. „Laut Vertrag sollte der Aufbau im Oktober beginnen und bis Dezember abgeschlossen sein.“ Doch bezugsfertig ist es nicht.

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In der Antwort der Stadtverwaltung heißt es: „Der Hauptgrund ist, dass die Innenausstattung, also die Tribüne, Bühne und die Traversen durch den Investor von einem Nachauftragnehmer beschafft werden muss. Auf Grund der derzeitigen bekannten globalen Probleme im Hinblick auf Materiallieferungen können derzeit keine verbindlichen Liefertermine benannt werden.“

Statt nun Ende dieses Jahres fertig zu werden, gibt es einen neuen Termin. Durch den Auftragnehmer sei eine Fertigstellung für den Sommer 2023 avisiert worden, heißt es weiter. Doch auch dieser Termin sei ohne verbindliche Zusage. Die Zwangspause für das Theater in Greifswald beträgt nun also mindestens ein Jahr.

Theatersanierung ist Millionenprojekt

Auch ein weiterer Teil der Behelfslösung geht nicht auf. „Es hat sich herausgestellt, dass die Schneiderei nicht in die Löfflerstraße ziehen kann, so dass derzeit andere Unterbringungsmöglichkeiten gesucht werden“, so die Stadt. Hier soll es aber eine schnellere Lösung geben. So käme die Goethestraße 2a in Betracht, die dann noch zusätzlich hergerichtet werden muss. „Die Vorbereitungen bei den anderen Objekten laufen, so dass der Umzug ab Ende Juli erfolgen kann.“

Das Theater Vorpommern selbst hüllt sich als Leidtragender zu diesen neuen Zeit- und Raumplänen in eisernes Schweigen: „Dazu können wir keine Auskunft geben, da müssen sie den Bauherren fragen.“ Warum, immerhin ist das Theater dann ja der Mieter und will das Zelt zeitnahe mit Leben füllen? „Keine Auskunft.“

Zelt kostet 4,6 Millionen Euro

Insgesamt hatte die Stadt für die teure Lösung mit Zelt rund 4,6 Millionen Euro geplant – Zuschüsse von Dritten gibt es nicht. Das Theater auch während der dreijährigen Sanierung zu betreiben, ist eine politische Entscheidung der Stadt.

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Auch der Bau des Theaters selbst wird teuer. Im Januar rechnete Winfried Kremer, Chef der Kämmerei, mit Gesamtkosten für das Projekt in Höhe von 60 Millionen Euro. Die Zahl ergibt sich aus vorsichtigen Schätzungen, die den Baustart im kommenden Jahr und die zurückliegende Kostenexplosion von Baustoffen berücksichtigen. Aktuell sind Baukosten von 49 Millionen Euro vorgesehen, 22 Millionen Euro hat das Land als Förderung zugesagt.

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