Projekt mit Wolgaster Schülern

Ausstellung über Vorpommern in Bewegung

Das Objekt "Soldat und Flüchtling" von Emily Schulz (l.) und Annika Holtgräfe.

Das Objekt "Soldat und Flüchtling" von Emily Schulz (l.) und Annika Holtgräfe.

Wolgast. „Die sind ganz engagiert“, sagt Jens Kuhle, und meint die 20 Schüler der 10a aus dem Runge-Gymnasium in Wolgast. Die fast 16-Jährigen haben ihr Klassenzimmer in dieser Woche mit dem Saal des Museums getauscht. Hier wollen sie ein Projekt künstlerisch umsetzen, das nach wie vor aktuell ist: Flucht und Vertreibung. Dabei hilft ihnen der 57-Jährige. Er ist als bildender Künstler bekannt in der Region, gibt den roten Faden vor, gibt Anstöße und Tipps und hilft natürlich auch, auftretende Klippen zu umschiffen. „Wie die Schüler das Thema ganz praktisch in visueller Form umsetzen, ist ihnen überlassen. Mir ist es wichtig, die Sache am Laufen zu halten“, sagt der Künstler. Aber nicht nur Kuhle unterstützt die jungen Leute und gibt Anregungen. An seiner Seite ist in dieser Woche Hartmut Dorschner (48). Der Dresdner ist Komponist und Musiker und hat ebenfalls eine Gruppe Schüler um sich geschart, die das Projekt, das von der Akademie der Künste in Berlin gefördert wird, auf musisch-ästhetische Art umsetzen möchten. „Wir sammeln Klänge“, meint Dorschner diese Aufgabe zu umschreiben. „Es wird eine Art Hörspiel mit Musik, mit Liedern, Tönen, auch mit Sprache“, sagt er. „Das alles sammeln wir, danach wird geschnitten – fertig!“

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Am Ende soll im Saal des Museums eine Ausstellung zu sehen und zu hören sein, die dem Interessierten visuell und akustisch eine Botschaft vermitteln soll. Und diese Botschaft ist im Vorfeld erarbeitet worden. Im Klassenzimmer, versteht sich. Da hat zwar Anne Richter (Kunst/Deutsch) das Sagen, aber die Pädagogin verfolgt das Ziel, dass ihre 10-Klässler sich beim Thema „Vorpommern in Bewegung – Migration in der Geschichte des Landstriches“ eine eigene Meinung anhand von Fakten bilden können. Recherche war also gefragt. Recherche auf größere Zeiträume bezogen. Es spielen also nicht nur die Jahre von 2015 bis heute eine Rolle, sondern auch die Flüchtlingstrecks nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Bevölkerungszahl im jetzigen vorpommerschen Raum um etwa 40 Prozent stieg, wie zu erfahren war. Thematisiert wurden zudem die Fluchtwellen im 30-jährigen Krieg, darüber hinaus auch Bevölkerungswanderungen innerhalb der DDR. Etwa 300 000 Ostdeutsche hätten damals andere Gegenden der Republik aufgesucht, um ihre eigene Lebensqualität zu verbessern. Besser bezahlte Arbeit oder schöneren Wohnraum zu finden, waren einige der Hauptursachen.

Es ging Anne Richter aber nicht nur um trockenes Zahlenwerk. Darüber hinaus sollten persönliche Erfahrungen mit Migranten – manche waren nicht besonders angenehm – offen diskutiert werden. Meinung war gefragt. „Ich habe manchmal ganz rechte und mal ganz linke Auffassungen“, habe eine Schülerin festgestellt. „Bin ich dann gleich eine Linke oder eine Rechte?“, so ihre Frage an die Klasse. Neue Erkenntnisse gewinnen und Nachdenken über diese Erkenntnisse. Dies sei ein wichtiger Gesichtspunkt dieser Projektwoche. Lehrerin Anne Richter legt ferner Wert darauf zu betonen, dass die Umsetzung dieser Aufgabe einfacher wurde, weil der Schule Räumlichkeiten des Museums zur Verfügung gestellt wurden. Sie ist dafür dankbar und weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Sie hofft, dass die traditionell gute Zusammenarbeit mit der Stadt und Museumschefin Bärbel Roggow auch weiterhin lebendig bleibt.

Stefan Brümmer

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