Mölschow

„Ein Teil der Einwohner hat Angst“

Roland Meyer (69) ist Bürgermeister der Gemeinde Mölschow auf Usedom.

Roland Meyer (69) ist Bürgermeister der Gemeinde Mölschow auf Usedom.

Mölschow. Seit Mai 2015 wohnen in der kleinen Gemeinde Mölschow im Usedomer Inselnorden minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge. Von acht Personen wuchs die Gruppe auf 18 junge Männer an. Im Gespräch mit Bürgermeister Roland Meyer (parteilos) zeigt sich, dass eine Integration mit den Einwohnern nicht stattfindet. Kontakt hat fast niemand zu den jungen Flüchtlingen, große Angst jedoch schon.

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Herr Meyer, wie geht‘s Mölschow?

Es ist ruhig, bis auf die Auseinandersetzung vor Kurzem in Karlshagen. Es gab dazu ein Gespräch. Die Zusammenarbeit mit dem Kreis funktioniert gut. Schön wäre, wenn der Fall von der Kripo restlos aufgeklärt wird.

Auf ihrer Facebook-Seite teilen Sie Beiträge zu drohendem Bürgerkrieg. Trifft dies auf die Gemeinde zu? 

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Ein Teil der Einwohner sagt, dass es ein Angstproblem ist, weil man genug hört. Bei uns hört und sieht man nichts, weil die Jugendlichen nicht lange bleiben.

Sie sagen, dass „Europa überfremdet wird“. Auch Mölschow? 

Nein. Der Ort ist so ein bisschen außen vor. Das gefällt uns nicht. Die Unterbringung kostet Geld, und irgendwo muss es ja herkommen.

Was machen „ihre“ Flüchtlinge? 

Sie laufen durch den Ort, fahren mit dem Bus zur Schule und bewegen sich.

Das klingt nach einem normalen Leben. Welche Nachteile hat der Ort? 

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Für uns ist es der Nachteil, dass wir das Gebäude nicht vermarkten können. Daran knapsen wir noch.

Wie stehen Sie zu den Jugendlichen? Wurden Sie bedroht? 

Nein. Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, dass wir sie erziehen müssen. Dass sie den Fußweg nicht als Radweg benutzen dürfen. Manche Einwohner überlegen, ob sie abends im Dunkeln vor die Tür gehen. Die Flüchtlinge gehen auch in der Dunkelheit auf der Straße.

Bewegen sich deutsche Jugendliche auch nachts auf der Straße? 

Wir haben fast keine mehr.

Gibt es Bauanträge für Moscheen oder Ähnliches in Mölschow? 

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Nein.

Lief ein Mensch mit einer Burka durch Mölschow? 

Nein. Nur jemand, der traditionelle Kleidung trug. Eine Art Umhang, aber nicht verschleiert. Und zwei Mädchen liefen einmal mit dem Kopftuch durch den Ort.

Würden Sie den Ort als weltfremd bezeichnen? 

Nein. Aber die Leute schauen schon hinterher. Es gibt Einwohner, die die Flucht 1945 miterlebt haben. Dennoch beäugen sie die Angelegenheit heute kritisch. Ich kenne keinen, der gut findet, dass die Menschen heute hier sind.

Woran liegt das? 

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Keine Ahnung. Finanzielle Not haben hier die Wenigsten. Die Einstellung bekommt man nicht raus. Ich würde es nicht gutheißen, wenn es Überhand nimmt.

Geht Mölschow an der Unterbringung von 18 Flüchtlingen kaputt? 

Nein.

Sind Sie sich der Sache bewusst, was sie auf Facebook posten? 

Die Seite bezieht sich nicht auf Mölschow. Zu DDR-Zeiten haben wir schön abgeschirmt gelebt. Das wird bei vielen der Grund sein, warum sie eine Abneigung gegenüber Fremden haben.

Wie oft treffen Sie Flüchtlinge? 

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Jeden Tag. Sie haben gekämmte Haare und gute Kleidung an. Das kostet alles Geld. Deswegen ist mir das nicht so angenehm, wenn sie so geschniegelt und gebügelt durch den Ort laufen, als wenn sie gerade vom Friseur kommen. Dazu die Klamotten ...

Ausländerfeindlich ist die Gemeinde aber nicht, oder doch? 

Nein.

Fazit: Keiner will mit den Flüchtlingen etwas zu tun haben, aber ausländerfeindlich sind sie nicht? 

Richtig.

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Hannes Ewert

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