Das große Aufräumen nach dem Sturm

See raubt viel Sand von Zempiner Küste

Sturmtief "Zeeltje" zog am Neujahrstag und am 2. Januar 2019 über Mecklenburg-Vorpommern. Besonders in Zempin auf der Insel Usedom richtete die Sturmflut erhebliche Schäden an.

Sturmtief "Zeeltje" zog am Neujahrstag und am 2. Januar 2019 über Mecklenburg-Vorpommern. Besonders in Zempin auf der Insel Usedom richtete die Sturmflut erhebliche Schäden an.

Zempin/Koserow. Tief „Zeetje“ hat der Zempiner Küste einiges geraubt. „Ein Großteil des Sandes, den wir hier im vergangenen Jahr haben aufschütten lassen, ist wieder verschwunden. Der Schaden ist enorm, weil quasi der Anschluss an die bestehende Düne weggebrochen ist. Hier wurde viel Geld investiert, auch von der Gemeinde, die zehn Prozent zu tragen hat“, sagt Zempins Bürgermeister Werner Schön verärgert. Trotz des enormen Verlustes an der Küste sieht er den Hochuferweg zwischen den Fischerhütten und dem Campingplatz aber nicht gefährdet. Hilfe erhofft sich Schön nun von Minister Till Backhaus (SPD), dessen Ministerium bereits nach der Katastrophe Anfang 2017 vom Sturmtief betroffenen Gemeinden Sofort-Hilfen in Millionen-Höhe gewährte. Im vergangenen Jahr hatte Zempins Bürgermeister vom Land mehr finanzielle Unterstützung für Spundwände, Sandaufschüttungen und fest verbaute Sandsäcke gefordert, damit die See nicht immer mehr Land in der Inselmitte raubt.

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Doch so einfach ist das nicht, weil der Streit um den Küstenschutz schon seit Jahren schwelt. Da es sich bei der betroffenen Küste in der Inselmitte um keine Wohnbebauung handele, sei sie auch nicht besonders schutzwürdig, heißt es in Schwerin. Das deckt sich mit der verantwortlichen Behörde für die Küste, dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) in Vorpommern: „Aufgabe des Landes ist der Küstenschutz von bebauten Gebieten. Den Schutz der touristischen Infrastruktur sieht das Gesetz nicht vor“, sagt Stalu-Amtsleiter Matthias Wolters. Aus seiner Sicht bestünde deshalb in Zempin keine Gefahr. „Für die Gemeinde mag der Hochuferweg auch als Zuwegung für den Campingplatz wichtig und die Situation deshalb auch dramatisch sein, doch finanzielle Mittel für den Küstenschutz wird es nicht geben.“

Bei den Fischern in Zempin dürfte diese Aussage sicher nicht auf Gegenliebe stoßen. Strandfischer Gunter Baudisch erinnert sich: „ Vor zwei Jahren erlebten wir Ähnliches. Dieses Mal war die Sturmflut nicht so verheerend. Dennoch brauchen wir wieder viel Sand vor unseren Fischerhütten, damit wir die Boote ins Wasser bekommen“, sagt Baudisch. „Wann und wie – ich weiß es nicht. Von den Ämtern hat sich noch niemand gemeldet.“

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Sturmflutschäden in Zempin auf Usedom

Einen Tag nach der Sturmflut werden die Schäden begutachtet.

Während in Zempin nun guter Rat teuer ist, wie es an der Küste weitergeht, haben im benachbarten Koserow die Mitarbeiter des Bauhofes nach der Sturmflut mit der Bestandsaufnahme und dem großen Aufräumen entlang des Strandes begonnen. Der orkanartige Sturm und wildes Wasser hatten erhebliche Sandmassen – etwa unterhalb des Streckelsberges, entlang der Brandungsmauern sowie an der Seebrücke – bewegt und für Abbrüche sowie neue Kliffkanten gesorgt. An der höchsten Erhebung der Usedomer Außenküste entwurzelte der Sturm wieder zahlreiche Bäume und Sträucher, brachte Erdmassen in Bewegung. Nahezu komplett zerstört wurde die untere Hälfte der Strandabgangstreppe Nr. 6a, unweit des Pflege- und Seniorenheimes. Der Schaden ist verkraftbar, da hier ohnehin schon in sehr naher Zukunft eine neue Konstruktion inklusive Lift errichtet werden soll. „Dennoch ist die Zerstörung zu bedauern, da wir das Treppenholz gern noch für andere Zwecke genutzt hätten“, sagt Kurdirektorin Nadine Riethdorf. Der Abgang war erst nach dem großen Sturm Anfang 2017 wieder repariert worden. Gesichert werden konnte hingegen die Strandttreppe an der Förster-Schrödter Straße, sie muss aber auch repariert werden. Im Bereich des FKK-Strandes Richtung Zempin wurden begonnene Arbeiten zur Dünenbegrenzung, wozu das Land Material zur Verfügung gestellt hatte, wieder zunichte gemacht. Die örtlichen Helfer hatten noch im alten Jahr bereits etwa 120 Pfähle für zu verspannenden Draht in den Sandstrand gerammt. Sie hielten der Flut nun aber nicht stand, wurden wieder freigespült und müssen neu stabilisiert werden.

Henrik Nitzsche, Steffen Adler und Hannes Ewert

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