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Im Gespräch mit dem Bürgermeister

Wolgast braucht eine neue Schule

Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler kann sich den Neubau einer Schule vorstellen.

Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler kann sich den Neubau einer Schule vorstellen.

Wolgast. Die Innenstadt liegt brach, die Schulen platzen aus allen Nähten, das Technische Rathaus muss saniert werden, Straßen müssen saniert werden. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos), ob und wie die Probleme gelöst werden können.

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OZ: Die gute Nachricht: Wolgast hat die meisten Erstklässler in der Region. Die schlechte: Die Schulen in der Stadt platzen aus allen Nähten. In der Heberleinschule haben Eltern erst Tage vor Schulbeginn von der Stadtverwaltung erfahren, dass ihr Kind doch nicht dort lernen kann. Warum wurde das erst so spät entschieden?

Stefan Weigler: Die Schülerzahlen haben sich bis zum letzten Tag geändert, Eltern meldeten ihre Kinder erst an, dann ab. Wir mussten schauen, wieviele Schüler maximal in der Heberleinschule möglich sind. Bei zwei Klassen zu je 25 Schülern war Schluss. Deshalb mussten wir auch ganz genau auf die Einhaltung der Schuleinzugsbereiche achten. Aber es stimmt, die Benachrichtigung der Eltern hätte früher erfolgen müssen.

OZ: Was heißt das für kommende Jahre?

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Stefan Weigler: Es lässt sich absehen, dass die Schülerzahlen vorläufig nicht zurückgehen und es in den Grundschulen immer enger wird. Wir tragen uns mit dem Gedanken, eine neue Schule zu bauen.

OZ: Aber es gibt doch gerade die neue Evangelische Grundschule. Da ist doch noch Platz . . .

Stefan Weigler: Die Evangelische Grundschule startet mit einer Klasse, aber sie wird schnell wachsen. Reformpädagogik ist bei Eltern sehr beliebt. Zum Glück haben wir Platz in der Korczak-Schule. Dort werden es durch die Inklusion weniger Schüler. Denn es wird noch mehrere Jahre dauern, bis die Kirchplatzschule, das künftige Gebäude der Evangelischen Grundschule, saniert ist. Es laufen ja gerade erst die Planungen. Und bitte vergessen Sie nicht: Viele Eltern brauchen die staatliche Schule, weil sie sich Schulgeld nicht leisten können.

OZ: Wann wissen Sie genau, ob die Stadt baut und wo könnte eine neue Grundschule entstehen?

Stefan Weigler: Die Entscheidung, ob es einen Neubau gibt, fällen die Stadtvertreter. Es sollte aber eine Grundschule mit Orientierungsstufe sein. Entstehen könnte die neue Schule hinter der Kosegartenschule. Dort könnte man später einen Schulcampus errichten.

OZ: Bevor die Kinder zur Schule kommen, gehen sie in den Kindergarten. Reichen in der Stadt die Plätze oder muss auch hier ein Neubau her?

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Stefan Weigler: Es wird ja einen Ersatzneubau für die Kita in der Arndtstraße geben, wo auch der Hort dazugehört. Das Haus soll mehr Betreuungsplätze als bisher haben. Danach muss man weitersehen.

OZ: Was passiert mit dem Gelände des früheren Gymnasiums in der Hufelandstraße, wo jetzt Bagger stehen?

Stefan Weigler: Zunächst einmal erfolgt dort die Schadstoffsanierung im gesamten Gebäude, anschließend rollt Ende September das schwere technische Gerät an und reißt das Gebäude ab. Im November wollen wir fertig sein.

OZ: Was soll an der Stelle passieren?

Stefan Weigler: Das steht noch nicht fest, auch dazu bedarf es der Entscheidung der politischen Gremien der Stadt. Aber es gibt das Interesse eines Investors aus MV, dort etwas ganz Innovatives in Sachen Pflege, Betreuung und altersgerechtes Wohnen zu machen. Vielleicht lassen sich die Ideen ja umsetzen.

OZ: In der Stadt wird erzählt, dass auch das Technische Rathaus saniert werden muss. Stimmt das?

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Stefan Weigler: Vor zwei Jahren haben wir über den kommunalen Investitionsfonds Geld für Planungen für eine neue Kita samt Hort erhalten. Das brauchten wir nicht, weil das Trägerwerk Soziale Dienste selbst baut. Aber das Geld soll auch nicht verfallen. Ich würde es tatsächlich gern für Planungen zur Sanierung des Technischen Rathauses verwenden.

OZ: Das Gebäude sieht doch noch ganz gut aus. Gibt es da nichts Wichtigeres?

Stefan Weigler: Das Haus wurde vor über 20 Jahren saniert – mit der heißen Nadel. So sind einige Fenster noch die originalen alten, da ist damals nur neue Farbe draufgekommen. Sie sind undicht, klappern und müssen schon aus energetischen Gründen saniert werden. Auch an die Türen im Haus müssen wir ran, die Brandschutzbestimmungen sind heute ganz andere als damals. Und ganz dringend muss das Dach gemacht werden. Es ist nicht gedämmt. Da muss man einfach insgesamt über eine energetische Sanierung nachdenken und dann alle Etagen mit neuen Elektroleitungen versehen und malern. Und gleich alles barrierefrei machen. Bei den Summen, die das heutzutage kostet, kann man dann auch über einen Neubau des Technischen Rathauses nachdenken.

OZ: Bauen wir ein neues Rathaus?

Stefan Weigler: Das entscheide nicht ich, das entscheidet am Ende nach intensiver Beratung die Stadtvertretung. Aber um Klarheit zu bekommen, findet vom 13. bis 16. September eine Klausurtagung mit allen Führungskräften statt, wo wir alle Varianten durchgehen. Es muss ja nicht alles so riesig sein wie jetzt, aber dafür normgerecht, was Höhe und Größe der Räume angeht.

OZ: Wo wäre denn in der Stadt noch ein guter Platz für ein neues Rathaus?

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Stefan Weigler: Am Platz der Jugend. Wir müssen es ja nicht unbedingt als Stadt selbst errichten. Es gibt schon das Angebot eines Investors. Und wir mieten dann nur noch.

OZ: Wichtiger als ein neues Rathaus ist die Belebung der Innenstadt. Es sieht immer trostloser aus. Nun soll es ein Innenstadtmanager richten. Gibt es auf die Ausschreibung für Superman bereits Bewerbungen?

Stefan Weigler: Ja, wir haben bisher vier Bewerbungen und mehrere Nachfragen. Die Bewerbungsfrist endet in der kommenden Woche. Danach werden wir sortieren.

OZ: Sind Sie als Bürgermeister überzeugt, dass tatsächlich eine Belebung der Innenstadt hinzubekommen ist?

Stefan Weigler: Ja, das bin ich. Aber wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass es nur mit Einzelhandel gelingen kann. Da muss Vieles zusammengeführt werden: Einzelhandel, Handwerk, Kunst und Kultur. Dann kann es gelingen. Deshalb suchen wir ja einen Innenstadtmanager, der so was kann, also ein bisschen verrückt denkt.

OZ: Stichwort Innenstadt: Viele Leute beklagen, dass in der Steinstraße die kleine Konzertmuschel abgebaut wurde und dort jetzt ein hässliches Loch klafft. Warum ist die Mini-Bühne weg?

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Stefan Weigler: Die Konzertmuschel wurde im Frühjahr abgebaut, weil das Grundstück verkauft wurde und der Baubeginn auf dieser Fläche avisiert war. Nach dem Genehmigungsverfahren sollen aber noch in diesem Jahr die Bauarbeiten beginnen. Die Konzertmuschel ist eingelagert und wird im nächsten Jahr ein neues, schönes Plätzchen in der Stadt bekommen.

OZ: Sie haben vor einiger Zeit verkündet, dass es mit der Sanierung der Altstadt in Wolgast weitergehen soll. Welche Pläne gibt es da?

Stefan Weigler: Zunächst einmal müssen wir das Sanierungsgebiet der historischen Altstadt fertigstellen. Da laufen ja am Fischmarkt noch die Sanierungsarbeiten. Danach soll es mit der Fischerwiek weitergehen. In welchen Jahresscheiben die Sanierung dann vonstatten geht, hängt auch von der Städtebauförderung ab.

OZ: Und was ist mit den kaputten Straßen, von denen die Stadt etliche aufweist?

Stefan Weigler: Straßensanierung ist immer ein großes Thema. Wir müssen das langfristig angehen, denn noch immer gilt ja beim Straßenbau, dass für die Anwohner Ausbaubeiträge anfallen. Ich möchte erreichen, dass wir einen Sanierungsplan für alle noch zu machenden Straßen aufstellen. In Wolgast sind das außerhalb der Sanierungsgebiete elf Straßen, in Buddenhagen und Hohendorf je eine Straße.

OZ: In Schalense muss auch gebaut werden. Was ist da mit der Hauptstraße passiert?

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Stefan Weigler: Dort gab es nach der Fertigstellung in einem Bereich Unterspülungen, die dazu führten, dass die Straße abgesackt ist. Gemeinsam mit dem Wasser- und Bodenverband und der Baufirma ist die Stadt dabei, eine Lösung zu finden. Zurzeit läuft die Ausschreibung und in den nächsten Wochen muss dann nochmal gebaut werden.

OZ: Vor Monaten wurde gesagt, dass der städtische Bauhof ins Gewerbegebiet Am Poppelberg zieht. Noch ist nichts passiert ...

Stefan Weigler: Der Plan, im Gebäude des früheren und nun schon längere Zeit leer stehenden Fensterwerks den Bauhof anzusiedeln, ist nach wie vor aktuell. Erst muss aber das Gebäude auf Vordermann gebracht werden. Im kommenden Jahr soll es losgehen.

OZ: Gibt es auch Pläne für das Gelände des ehemaligen Kohlehandels?

Stefan Weigler: Das Gelände wurde vor wenigen Wochen an einen Investor verkauft, der darüber hinaus im Moment mit uns über weitere Flächen verhandelt. Sollten diese Verhandlungen erfolgreich sein, soll dort ein verarbeitendes Gewerbe angesiedelt werden.

OZ: Gebaut werden soll ja auch an der Saarstraße auf dem Gelände der früheren Eisengießerei. Der Discounter Lidl will dort neu bauen. Wie steht es da mit der Umsetzung?

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Stefan Weigler: Das Baugenehmigungsverfahren für Lidl läuft. Sobald die Genehmigung da ist, erfolgt der Baustart – das hat jedenfalls der Discounter zugesagt.

OZ: Was passiert dann mit dem jetzigen Markt?

Stefan Weigler: Das Gebäude soll langfristig zurückgebaut werden, um das gesamte Areal neu zu ordnen.

Interview: Cornelia Meerkatz

Meerkatz Cornelia

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