Stoltenhagen

Stoltenhagen: 700 Jahre alte Bilder entdeckt

Volker König, Restaurator, legt die verdeckten Bildnisse in der Kirche Stoltenhagen mit einem Skalpell frei.

Volker König, Restaurator, legt die verdeckten Bildnisse in der Kirche Stoltenhagen mit einem Skalpell frei.

Stoltenhagen. Diese Bemalungen bringen sogar einen König zum Staunen. Diplom-Restaurator Volker König legt derzeit eines von zwei Bildern in der Kirche Stoltenhagen frei, die älter als 700 Jahre sind: „Es ist faszinierend und äußerst interessant. In dieser Form habe ich solche Verzierungen noch nie zuvor gesehen“, sagt der 49-jährige Stralsunder.

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Restaurator legt frei, was sich unter vielen Schichten Farbe befand

Vor vier Jahren untersuchte er die kleine Dorfkirche zum ersten Mal und entdeckte ihre versteckte Seite. An einer Stelle schimmerte etwas Farbe durch die ansonsten weiß getünchten Wände. Volker König zückte sein Skalpell und begann vorsichtig mehrere Farbschichten abzukratzen. Darunter kamen Bemalungen zutage, die gleich nach der Entstehung der Kirche aufgetragen wurden. Eine Seltenheit. König schätzt, dass sie zwischen 1290 und 1340 enstanden. Er legte zunächst ein mittelalterliches Weihekreuz frei und war sich sicher, dass unter der Farbe noch weitere Bildnisse versteckt sind. Er behielt Recht.

Seit zwei Monaten befindet sich sein Arbeitsplatz nun auf einem Baugerüst in fünf Metern Höhe. Seine Werkzeuge: das Skalpell, ein bisschen Leim, destilliertes Wasser und ein Wattebausch. An der Kuppel über dem Chorraum legt er nach und nach sechs Aposteldarstellungen frei. Sie seien in mehrerer Hinsicht etwas Besonderes, weiß der Fachmann: „Dokumente aus dieser Zeit sind selten.“ In vielen Kirchen wurden mittelalterliche Bemalungen in anderen Epochen übermalt. „Und dann können die darunter liegenden, älteren Verzierungen nicht mehr freigelegt werden.“ Außerdem vermischen sich in den Aposteldarstellungen aus Stoltenhagen zwei Stilepochen: Romanik und Gotik. Eine Tatsache, die Volker König sehr imponiert. Die Gesichter der Heiligen, die vereint auf einer Bank sitzen, blicken starr nach vorn – ein typisches Kennzeichen der Romanik. Doch die Rücklehne ist mit Dreipassornamenten verziert, was wiederrum eindeutig auf Elemente der Gotik hinweist.

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Die Darstellung der Heiligen Stadt

Und noch etwas hat Volker König zuvor nur sehr selten gesehen. Zwischen den Köpfen der sechs Apostel hat der Künstler jeweils einen Turm gezeichnet. „Ich möchte mich nicht genau festlegen, aber es ist denkbar, dass es sich um eine Darstellung der Heiligen Stadt handelt. Das wäre für so eine kleine Kirche wie in Stoltenhagen äußerst bemerkenswert.“

Die Zeichnungen sind unter den zwei bis fünf Schichten Farbe außerordentlich gut erhalten geblieben. Einige Stellen retuschiert der Fachmann. Dabei fiel ihm auf, dass die Figur am linken Rand aus einer anderen Zeit stammen muss. Höchstwahrscheinlich wurde das Bildnis im 17. Jahrhundert schon einmal restauriert und die Darstellung um eine Person ergänzt. „Der Stil ist anders. Es ist mit einer anderen schwarzen Farbe gearbeitet worden und außerdem blickt der Heilige seitlich auf die anderen Apostel. Das ist eindeutig nicht im Mittelalter entstanden“, ist er sich sicher. Auch an anderen Stellen in der Kirche entdeckte er wesentlich jüngere Bemalungen aus Barockzeiten. Rankenornamente und die typische Vorhangmalerei. Dass diese künstlerischen Werke später einfach mit mehreren Schichten weißer Farbe übermalt wurden, liege am Zeitgeschmack.

Unterstützer gesucht

Nun liegt es am Landesamt für Kultur und Denkmalschutz und im wesentlichen auch an der Finanzierung, ob auch die zweite Malerei freigelegt wird. König möchte am liebsten die gesamte Bemalung der Kuppel bis zum Zenit sichtbar machen. „Denn nur so können wird den Inhalt der Szene richtig verstehen.“ Doch dafür werden Unterstützer und Spender benötigt.

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Carolin Riemer

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