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Ein Engel möchte reisen

Tamina Engel möchte nach Spanien fliegen

Eine starke Familie: Die Eltern Swen und Anca Engel mit ihrer Tochter Tamina und Hund Amy.

Eine starke Familie: Die Eltern Swen und Anca Engel mit ihrer Tochter Tamina und Hund Amy.

Grimmen.„Das Leben ist wie Zartbitter-Schokolade - nicht immer süß, aber zu schade, um es liegen zu lassen.“ Es sind Zeilen aus dem Gedicht der schwer kranken Tamina Engel aus Grimmen. Als sie ein Jahr alt ist diagnostizieren die Ärzte eine seltene Gen-Erkrankung bei der heute 16-Jährigen: Spinale Muskelatrophie. Zwei Worte, die das Leben des Mädchens für immer beeinträchtigen.

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Sie ist an einen elektrischen Rollstuhl gefesselt, kann ihren Körper ohne ein fest gezurrtes Korsett nicht allein halten. „Die Ärzte sagten, dass sie nicht älter als zwei Jahre wird. Aber denen haben wir es gezeigt“, sagt ihre Mutter Anca Engel-Laschinski (52). Aber es ist schwierig. Tamina kann nicht allein essen, trinken oder auf die Toilette gehen. Sie ist 24 Stunden am Tag auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Ihr Körper hat das Mädchen im Stich gelassen. Doch ihr Geist ist wach. Sie hat wie jeder Jugendliche Wünsche, Hoffnungen und Träume.

Tamina möchte verreisen. Spanien heißt ihr Traumziel. Ein Ort, an dem sie Palmen sehen kann. Ein Ort, an dem es warm ist und sie Spanisch sprechen kann. Ein Ort, an dem sie eine fremde Kultur und neue Leute kennen lernen kann. Seit vier Jahren lernt sie in der Greifswalder Martinschule Spanisch. Tamina ist überaus begabt. Auf ihrem Endjahreszeugnis der zehnten Klasse steht hinter jedem Unterrichtsfach die Note sehr gut. Dabei sollte Tamina zunächst in einer Förderschule lernen, die sie ohne einen Abschluss verlassen hätte. Drei Jahre lang kämpften ihre Eltern um einen Platz an der Regelschule, in der sie nun so glänzende Zensuren bekommt.

Tamina und ihre Eltern müssen oft kämpfen. Um ihren Schulplatz, oder darum dass die Krankenkasse ein Pflegebett oder einen Rollstuhl bezahlt. Es sind harte, aber gewonnene Kämpfe. Nun möchte sie ihr Traumziel erreichen: Mallorca. Es ist das erste Mal, dass die Familie diesen Wunsch nicht aus eigener Kraft ermöglichen kann. Sie brauchen Hilfe.

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Vor wenigen Wochen fuhr die Familie zum Flughafen Rostock Laage. „Wir wollten wissen, ob wir mit dem Rolli ins Flugzeug dürfen“, sagt Tamina. Doch es gibt Probleme: Der Rollstuhl kann nur im Frachtraum transportiert werden und das Mädchen müsste auf dem normalen Sitz im Flieger Platz nehmen. „Das kann ich aber nicht. Ich würde umkippen, ich kann mich nicht halten und ich könnte dann sogar ersticken.“ Es sind Worte, die man von keinem 16-jährigen Menschen hören möchte.

Um Tamina in ihrem Rollstuhl das Fliegen zu ermöglichen, müsste eine Sitzreihe der Maschine ausgebaut werden. „Und das macht keine Airline, weil es nicht lukrativ wäre“, sagt ihre Vater Swen Engel (46). Immerhin würde der Flieger dann auf dem Hin- und Rückflug nicht komplett ausgebucht sein. Die Mitarbeiterin im Flughafen gibt sich die größte Mühe, eine Lösung anzubieten. Es gibt nur eine Alternative: Der Flug in einem Privatflieger. Doch der kostet 10 500 Euro. Eine Summe, die die Eltern nicht aufbringen können und nun auf Hilfe hoffen. Swen Engel hat seinen Beruf aufgeben müssen, weil er sich 16 Stunden täglich um seine Tochter kümmert und sie auch in die Schule begleitet. Es scheint der erste ausweglose Kampf zu werden.

Im Auto können die Eltern Tamina nicht ins geliebte Spanien bringen. Zu weit ist die Reise, zu lange müsste sie sitzen, zu krank ist der Körper. „Ich bin doch schon behindert, warum muss ich nun noch behinderter gemacht werden“, fragt sie leise. Aber die Hoffnung gibt sie nicht auf. Dafür ist Tamina zu stark. Dafür hat sie in ihrem Leben zu viele Kämpfe gewonnen.

Wer die Familie finanziell unterstützen und einem jungen Mädchen einen Traum erfüllen möchte, melde sich bitte in der Redaktion unter der Telefonnummer 03 83 26/ 460 62, oder grimmen@ostsee-zeitung.de. Wir stellen den Kontakt zur Familie her.

Ein Leben ohne Muskeln

Spinale Muskelatrophie ist eine Erbkrankheit, bei der bestimmte Nervenzellen absterben. Dadurch kommt es zu einer Degeneration der Muskulatur und einer allgemeinen Schwäche. Eigene Bewegungen sind kaum beziehungsweise nur eingeschränkt möglich. Betroffen sind meist Kinder, im Erwachsenenalter ist die Krankheit sehr selten. Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich, vor allem junge Patienten haben eine stark reduzierte Lebenserwartung. Nur einer von etwa 10 000 Menschen ist betroffen.

Carolin Riemer

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