DKMS-Registrierungsaktion in Barth

Diagnose Blutkrebs: So geht es der Barther Stadtvertreterin Kerstin Klein

Kerstin Klein in der Rostocker Klinik. Trotz des Schicksalsschlages bleibt sie optimistisch.

Kerstin Klein in der Rostocker Klinik. Trotz des Schicksalsschlages bleibt sie optimistisch.

Barth/Rostock. Nur noch zwei Tage bleiben bis zur angekündigten Registrierungsaktion für potenzielle Stammzellenspender in Barth. Anlass zur Organisation der aufwendigen Aktion war die kürzlich diagnostizierte Leukämie der Barther Stadtvertreterin Kerstin Klein. Organisiert hat die Veranstaltung Kerstin Kleins Familie in Zusammenarbeit mit der in Tübingen ansässigen DKMS gGmbH (früher Deutsche Knochenmarkspenderdatei), Schirmherr ist als registrierter Spender Vorpommern-Rügens Landrat Dr. Stefan Kerth. Spendenbereite und -taugliche Erwachsene werden gebeten, sich am Sonntag, 2. Oktober, zwischen 11 und 16 Uhr im Saal des Barther Bürgerhauses dem unkomplizierten Testverfahren zu unterziehen. Auch wird wegen steigender Corona-Infektionen darum gebeten, im Bürgerhaus OP-Masken zu tragen. Diese werden bei Bedarf am Eingang ausgegeben.

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Breite Unterstützung für Registrierungsaktion

Koordinatorin Sara Tege von der DKMS hofft auf eine große Beteiligung, räumt aber ein, dass eine vorherige Schätzung der Spenderzahl „superschwierig“ sei. „Sicherheitshalber werden wir 750 Testsets dabeihaben.“ Als geschulte Anleiter und Ansprechpartner entsende die DKMS ihre ehrenamtlich tätigen Helfer Fabian John und Sidney Anyanwu nach Barth.

Theresa Schütz, die alle Aktivitäten der Familie Klein koordiniert, ist – bei aller Sorge um ihre Mutter – von der breiten Unterstützung durch Barther Bürger, Stadtvertreter, Unternehmer und Vereine bei der Vorbereitung und Durchführung der Registrierungsaktion begeistert. So will der Spielmannszug ab 14 Uhr vor dem Bürgerhaus ein Platzkonzert geben, der Heimatverein betreut einen Kreativstand zur Kinderbetreuung, außerdem stellen Unternehmen aus dem Handels- und Gastronomiebereich Bockwurst, Getränke, Kuchen und Kaffee als Imbiss für die Registrierungswilligen bereit.

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Schirmherr Dr. Stefan Kerth, Kerstin Kleins Sohn Malte Klein (28), Tochter Theresa Schütz (34), Tochter Mathilda Klein (20) und Ehemann Detlef Klein (62) vor dem Barther Bürgerhaus, dem Ort der Registrierungsaktion

Schirmherr Dr. Stefan Kerth, Kerstin Kleins Sohn Malte Klein (28), Tochter Theresa Schütz (34), Tochter Mathilda Klein (20) und Ehemann Detlef Klein (62) vor dem Barther Bürgerhaus, dem Ort der Registrierungsaktion

Autoservice Peters als Arbeitgeber von Theresa Schütz hat sogar einen Werbespot bei der „Ostseewelle“ gebucht, der seit einigen Tagen im Radio läuft. „Ich habe schon viele Rückmeldungen von Freunden, Kollegen und Bekannten, die sich eigentlich schon immer registrieren lassen wollten, nun aber den letzten Anstoß erhielten“, berichtete Theresa Schütz.

„Kommt zahlreich, denn damit kann sehr vielen Menschen geholfen werden!“, so der Aufruf auch von Landrat und Schirmherr Dr. Stefan Kerth. Selbst in der Stralsunder Kreisverwaltung liege Werbung für die Registrierungsaktion aus.

Kerstin Klein fühlt sich gut

Kerstin Klein selbst war telefonisch in der Universitätsklinik Rostock erreichbar. Ihre Haare sind durch die Chemotherapie ausgefallen, aber sonst gehe es ihr – den Umständen entsprechend – relativ normal, teilte sie mit. „Ich bin happy, dass ich mich nach dem ersten Chemo-Durchgang so gut fühle – der Blutdruck ist gut und das Fieber weg, auch das Essen schmeckt wieder. Wenn möglich, gehe ich jeden Tag eine Stunde lang auf dem Klinikgelände spazieren.“ Sie seien im Zimmer zu dritt, auch die anderen Frauen hätten ihre erste Chemotherapie hinter sich. Alle könnten sich selbstständig versorgen und fühlten sich auf der Station total gut aufgehoben. Das medizinische Personal gebe trotz Unterbesetzung sein Bestes, sei freundlich und sehr bemüht, jeden eventuellen Wunsch zu erfüllen.

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Obwohl sich ihr Befinden mit dem zweiten Durchgang der Chemotherapie erheblich verschlechtern wird, blickt die Optimistin ohne Angst in die Zukunft: „Da muss ich jetzt eben durch.“

Hintergrund zum Blutkrebs

Bei den verschiedenen Formen von Blutkrebs entarten Blutzellen und vermehren sich unkontrolliert. In der Folge verdrängen sie die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Das Immunsystem wird dadurch stark geschwächt. Für die Mehrzahl der Menschen mit Blutkrebs ist eine Stammzellentransplantation oft die einzige Chance auf Heilung.

Potenzielle Stammzellenspender können über eine Patientenaktion (wie die aktuell für Kerstin Klein laufende) in die DKMS-Datei aufgenommen werden. Registrierungen erfolgen dann direkt vor Ort oder über eine Online-Aktion. Organisiert werden diese Aktionen von Freunden und Angehörigen der Blutkrebspatienten in deren Heimatregionen und ziehen dort gewöhnlich sehr viel Aufmerksamkeit auf sich.

Eine Mitarbeiterin eines DKMS-Labors arbeitet an der Einsortierung der medizinischen Wattestäbchen mit Zellen der Wangenschleimhaut für den Typisierungsprozess der DNA.

Eine Mitarbeiterin eines DKMS-Labors arbeitet an der Einsortierung der medizinischen Wattestäbchen mit Zellen der Wangenschleimhaut für den Typisierungsprozess der DNA.

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Für eine erfolgreiche Transplantation müssen die Gewebemerkmale der Patienten mit denen der Spender möglichst hundertprozentig übereinstimmen. Diese Gewebemerkmale werden vererbt und sind in verschiedenen ethnischen Gruppen unterschiedlich häufig zu beobachten. Eine Übereinstimmung ist daher von höherer Wahrscheinlichkeit, wenn Spender und Patienten dieselbe ethnische Herkunft haben. Aus diesem Grund wird bei der Registrierung auch danach gefragt.

Jeder der auf diese Weise neu gewonnenen Spender bedeutet eine zweite Lebenschance für hoffende Blutkrebspatienten weltweit.

Wer darf spenden und wer nicht?

Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Stammzellenspender registrieren lassen. Siebzehnjährige dürfen zwar noch keine Stammzellen spenden, werden aber mit dem 18. Geburtstag automatisch in der DKMS-Datei aktiviert und fortan bei der Suche nach Spendern berücksichtigt.

Als Ausschlussgründe für die Spende zählen starkes Übergewicht (BMI>40), schwere Herz-Kreislauf-, Lungen-, Nieren-, neurologische oder psychische Erkrankungen sowie schwere Stoffwechselstörungen. Außerdem Tropenkrankheiten und schwere chronische Infektionskrankheiten (u. a. HIV, Hepatitis B/C, Syphilis) sowie systemische Autoimmunerkrankungen oder andere schwere chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes, Rheuma). Auch Menschen mit ausgeheilten Krebserkrankungen, schweren Erkrankungen des Bluts oder des Immunsystems sowie Suchterkrankungen (Alkohol, Drogen, Medikamente) kommen als Spender nicht infrage.

Von Volker Stephan

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