Historisch

Gedenkstein für den „Retter von Bodstedt“

Zur Einweihung des Gedenksteins am Bodstedter Hafen kamen neben der Barther Stadtarchivarin Stephanie Mählmann (4. v.l.), Konrad Bossow (1. stell. Bürgermeister), Bürgermeister Eberhard Groth, Björn Mohr und Dr. Jürgen Hamel auch Erzieherinnen und Kinder der Bodstedter Kindertagesstätte.

Zur Einweihung des Gedenksteins am Bodstedter Hafen kamen neben der Barther Stadtarchivarin Stephanie Mählmann (4. v.l.), Konrad Bossow (1. stell. Bürgermeister), Bürgermeister Eberhard Groth, Björn Mohr und Dr. Jürgen Hamel auch Erzieherinnen und Kinder der Bodstedter Kindertagesstätte.

Bodstedt. Seit Montag wehen am Bodstedter Hafen eine schwedische und eine mecklenburg-vorpommersche Fahne. Morgens um sieben wurden die beiden Flaggen gehisst, damit sie pünktlich zur Enthüllung und Einweihung des Gedenksteins mit der Inschrift „Dem Retter von Bodstedt 1807 Joachim Gottfried Danckwardt“ wehen. Der ehemalige Pastor von Bodstedt und Hauslehrer von Ernst Moritz Arndt bewahrte die Bewohner des Ortes am Bodden vor einem Unheil und genau daran soll der Stein erinnern.

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Ernst Moritz Arndt hat diese Geschichte aufgeschrieben und veröffentlicht. Demnach näherten sich im Jahre 1807 französische Wachposten während ihrer Besatzung unsittlich den Bodstedter Frauen. Doch das ließen sich die Bodstedter Männer nicht gefallen. Sie überwältigten rund 50 französischen Übeltäter, fesselten sie, brachten sie mit dem Schiff nach Stralsund und übergaben sie den Schweden als Gefangene. Dass wiederum wollte der französische General Mortier nicht auf sich sitzen lassen. Er entsandte zahlreiche Männer, die Bodstedt plündern, die Häuser der Bevölkerung abbrennen und die Dorfältesten erschießen sollten. Nur dem beherzten Eingreifen von Pastor Joachim Gottfried Dankwardt sei es damals zu verdanken gewesen, dass Bodstedt mit einer Geldstrafe und dem Abbrennen von einigen Fischerhütten außerhalb des Dorfes davonkam. Der Pastor Dankwardt nahm nämlich die Schuld auf sich und überzeugte den französischen General davon, dass er die Männer zu dieser Tat angestiftet habe. Die Entschuldigung nahm der französische General an und Bodstedt blieb tatsächlich weitestgehend vor Tod und Feuer verschont.

Nachfahre wandte sich an Stadtarchiv

Bereits 2014 hatte sich Klaus Mohr, ein Nachfahre von Joachim Gottfried Dankwardt, bei der Barther Stadtarchivarin Stephanie Mählmann gemeldet, weil er von der Geschichte gehört hatte und mehr über seinen Vorfahren erfahren wollte. Als junger Mann wanderte er nach Schweden aus und verliebte sich in seine zukünftige Frau Inga. Seiner Heimat Deutschland blieb er aber stets verbunden und interessierte sich vor allem für seine Familiengeschichte. „Wir haben mehrmals telefoniert und die Gespräche waren sehr freundschaftlich. Die Recherchen haben unglaublich viel Spaß gemacht“, berichtet die Stadtarchivarin, die das Anliegen nach einiger Zeit allerdings an Dr. Jürgen Hamel abgeben musste. Denn für die Zeit vor 1840 fehlten ihr die Informationen, da die Urkunden dieser Zeit nicht bei der Stadt, sondern bei den Kirchengemeinden liegen. „Herr Hamel kennt sich auf diesem Gebiet sehr gut aus, deshalb habe ich ihn angesprochen“, erklärte die Stadtarchivarin.

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Ein großes Interesse von Klaus Mohr sei es auch gewesen, dass die Geschichte von Joachim Gottfried Dankwardt, nach dem bereits eine Straße in Bodstedt benannt wurde, im Ort noch bekannter wird. Mit seinem Anliegen einen Gedenkstein zu errichten, wandte er sich deshalb an den Bürgermeister der Gemeinde Fuhlendorf, Eberhard Groth, der von der Idee gleich begeistert war. „Den Standort am Hafen haben wir gemeinsam gewählt. Er ist zentral und auch nicht weit von der Kirche entfernt“, sagte Eberhard Groth.

Da seine Frau erst vor wenigen Wochen starb, konnte Klaus Mohr allerdings nicht wie geplant zur Einweihung des Gedenksteins am Montag kommen. Stattdessen reiste ein anderer Vorfahre des „Retters von Bodstedt“, Björn Mohr, aus Schleswig-Holstein an. „Es ist bemerkenswert, dass ein einzelner Mensch so viel Mut aufgebracht hat und es geschafft hat, weitere Gewalt zu verhindern. An diesen mutigen Einsatz soll der Gedenkstein erinnern“, sagte Björn Mohr. Dass der Gedenkstein, samt Sitzbank und Papierkorb in Bodstedt stehe, sei allein Klaus Mohr zu verdanken, erklärte Eberhard Groth. Denn das Geld stamme allein von ihm. Und da die Schweden Flaggen lieben, ist es nicht verwunderlich, dass am Bodstedter Hafen nun auch zwei Fahnen wehen.

Mehr zum Thema:Neue Freizeitanlage in Bodstedt soll Saisonverlängerung fördern

Anika Wenning

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