Religion

Gewölbe der Kenzer Kirche wird restauriert

Barth. Die Übeltäter sind aus Metall, sind etwa 15 Zentimeter lang und stecken im Gewölbe der Kenzer Kirche. „Diese Hülsen sind überall im Gewölbe und dienten wahrscheinlich der Lüftung“, berichtet der Rostocker Restaurator Marcus Mannewitz. „Mit der Zeit sind die Metallhülsen allerdings gerostet. Dadurch vergrößern sie sich und drücken das Gewölbe auseinander.“ Überall hätten sich bereits Risse gebildet. Teilweise hätten sich sogar schon Steine gelockert. „Es wird höchste Zeit, dass etwas getan wird“, sagt Marcus Mannewitz, der seit April gemeinsam mit seinem Kollegen, Restaurator Bastian Hacker, sowie Carolina Rupf und Jasmin Hahm von der Jugendbauhütte Stralsund das Gewölbe des Kirchenschiffes restauriert. Zuvor haben die Spezialisten bereits das Gewölbe des Chorraumes erneuert.

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Im Gewölbe der Kenzer Kirche sind zahlreiche Metallhülsen, wie diese

Im Gewölbe der Kenzer Kirche sind zahlreiche Metallhülsen, wie diese. Sie sind gerostet und haben das Gewölbe auseinander gedrückt. Dadurch sind tiefe Risse entstanden.

Wie groß der Schaden wirklich ist, zeige sich immer erst, wenn man den Putz an den Löchern mit den Hülsen entferne. „Da sieht man erst einmal, wie tief die Risse sind“, sagt Marcus Mannewitz. Zuletzt sei die Kenzer Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umfangreich saniert worden. Die Risse habe es auf jeden Fall damals schon gegeben, allerdings seien sie nur überputzt worden.“ Doch jetzt geht es den „Übeltätern“ an den Kragen. Dabei werden die feinen Risse zunächst einmal gesäubert, mit Fließmörtel verfüllt und zum Teil ausgefugt. Dann sei alles stabil, die Hülsen könnten herausgenommen werden und alles wieder neu verputzt werden. „Das Loch bleibt bestehen, das stört aber auch nicht“, sagt Marcus Mannewitz.

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Die beiden FSJlerinnen Jasmin Hahm (l) und Carolina Rupf säubern das Gewölbe von oben

Die beiden FSJlerinnen Jasmin Hahm (l.) und Carolina Rupf säubern das Gewölbe von oben.

Carolina Rupf und Jasmin Hahm sorgen indes dafür, dass sich kein Schmutz ablagert und saugen von oben die jeweiligen Flächen. „Wenn noch Staubkörner da sind, hält der Putz nicht“, sagt Carolina Rupf. Die beiden machen ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege. Über eine steile Wendeltreppe sind sie unter das Kirchendach über dem Gewölbe gelangt. „Die Arbeit ist schon anstrengend, vor allem, wenn es draußen heiß ist, staut sich die Hitze hier“, sagt Jasmin Hahm aus Hagen in Nordrhein-Westfalen, die ab Oktober in Potsdam Restaurierung studiert. „Aber wenn man am Ende des Tages unten steht, und sieht, was man geschafft hat, ist das schon überragend.“

So viel wie möglich erhalten

Doch die Metallhülsen sind nicht die einzige „Baustelle“ im Gewölbe der Kenzer Kirche. „Auch an anderen Stellen haben sich Risse gebildet“, sagt Marcus Mannewitz. „Diese Risse sind wahrscheinlich auf den desolaten Dachstuhl zurückzuführen, der glücklicherweise schon saniert wurde.“ Im Zuge der Restaurierungsarbeiten werde zudem die Farbfassung des Gewölbes ausgebessert. Dabei laute die Devise: So viel wie möglich erhalten. „Wir malen nicht drüber, wir retuschieren nur“, sagt Marcus Mannewitz. Doch zuvor werde auch hier das Gewölbe zunächst einmal mit einem feinen Pinsel gereinigt. Noch bis September werden die Arbeiten dauern.

Die Kosten für die umfangreichen Restaurierungsarbeiten des Kirchenschiff-Gewölbes liegen bei rund 500 000 Euro. Gefördert wird das Projekt durch Mittel des Bundes und Spenden der Hermann-Reemtsma-Stiftung, der Rudolf-August-Oetker-Stiftung sowie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. „Ohne Fördermittel und Spenden könnten wir diese Arbeiten gar nicht durchführen lassen“, sagt Pastor Kai Steffen Völker. „Als Kirchengemeinde bekommen wir gerade einmal 500 Euro pro Kirche pro Jahr für die Bauerhaltung.“ Insgesamt seien seit 2010 bereits 1,7 Millionen Euro in die Restaurierung der Kirche geflossen. So wurde unter anderem zuletzt das Gewölbe sowie die mittelalterlichen Fenster des Chorraumes restauriert. Und auch das 650 Jahre alte Triumphkreuz der Kenzer Kirche erstrahlt im neuen Glanz. Und auch im September sind die Restaurierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen. „Wir warten noch auf die Fördermittel für den letzten Bauabschnitt, die Restaurierung der acht Fenster im Kirchenschiff“, sagt der Pastor.

Mehr zum Thema: Mittelalterliche Fenster kehren in Kirche zurückKenzer Kreuz zieht nach 100 Jahren um, Barockes Gemälde ist gerettet

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Anika Wenning

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